Einige Monate nach der Premiere ist die CD zum Musical "Kein Pardon" erschienen, die im Düsseldorfer Capitol Theater live mitgeschnitten wurde. Zu hören ist darauf die Erstbesetzung mit Enrico De Pieri (Peter Schlönzke), Dirk Bach (Heinz Wäscher), Roberta Valentini (Ulla) und anderen.
Bereits die Ouvertüre offenbart, dass dieses Musical mit showtauglicher Musik und entsprechenden Arrangements ausgestattet ist, die viele musikalische Stile abdecken. Das auf der Bühne wirkungsvolle "Bottrop Beach" - ebenso wie "Dat wär doch gelacht", eine Hymne an das Ruhrgebiet - kommt auch auf CD solide rüber und stellt so einen stimmungsvollen Titel dar, der auch die bereits aus dem Film bekannte "Glücksautomat"-Szene enthält. Mit "Kumpel Nummer eins" folgt ein Solo von De Pieri, bei dem er beweist, dass er gesanglich für die Rolle eine gute Wahl ist. Komponiert wurde das Stück unter anderem von Thomas Zaufke. Wer seine Musicals kennt, hört dem Stück den Stil Zaufkes an einigen Stellen an - auch das Arrangement macht deutliche Anleihen an seine Handschrift. Das ist auch bei den anderen von ihm beigesteuerten Titeln ("Unser Heinz", "Kein Pardon") nicht anders.
Die meisten anderen Titel stammen aus der Feder Achim Hagemanns, der in den 1990er Jahren gemeinsame Projekte mit Hape Kerkeling hatte und vor allem durch die Songs "Das ganze Leben ist ein Quiz" und "Hurz" bekannt wurde. Leider ist seine Musik für das Musical jedoch oftmals wenig konstistent und wirkt an einigen Stellen sogar austauschbar. Zu oft wechselt hier der musikalische Stil, Melodielinien werden nicht aufrechterhalten, so dass während einiger Songs kein homogenes Gesamtbild entstehen kann. Zwangsläufig, so wird es beim Hören der CD viel deutlicher als im Theater, gilt dies konsequenterweise auch für das gesamte musikalische Erscheinungsbild des Musicals.
Das ist besonders schade, da es durchaus auch Nummern gibt, die ihren Charme haben. "Lass Heinz ran!" gehört zwar sicherlich nicht zu den anspruchsvollsten Songs des Genres, ja teils sind die geäußerten Kritikpunkte sogar für diesen Song anzuführen. Und doch versprüht der Titel Esprit, vielleicht aber auch, weil er zu den wenigen Songs gehört, die textlich auf die dramaturgische Ebene gerückt sind.
Insgesamt eine CD, die man - auch als Fan der Filmvorlage - nicht unbedingt im Regal stehen haben muss. Solide Leistung der beteiligten Künstler ist durchaus zu attestieren; jedoch mangelt es zu oft an den zündenden Songs und durchgängiger musikalischer Linie bei Komposition sowie Arrangement.
Text: Michael Potthast







