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thatsMusical - Musical Medien am Sonntag, den 05.02.2012

The Count of Monte Christo

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Eine CD vor der Weltpremiere - und dann noch mit Spitzendarstellern eingesungen, die nur teilweise an der Inszenierung mitwirken werden, gibt es selten. Doch das Theater St. Gallen zeigt wieder einmal aufs Neue, dass es gerne andere Wege geht als die in der Branche sonst üblichen.

Während "Der Graf von Monte Christo" erst am 14. März 2009 in der Schweizer Kantonshauptstadt zur Uraufführung kommt, ist die Highlight-CD als Concept-Recording "The Count of Monte Christo" mit der Musik aus der Feder von Frank Wildhorn und Jack Murphy längst erhältlich. Überraschend Neues bietet die Scheibe allerdings nicht: Wo Wildhorn drauf steht, ist wieder einmal auch der typische Wildhorn-Klang drin. Ohne Schnörkel, ohne Mut zu Neuem, dafür aber mit umso mehr Wiedererkennungwert. Überraschend ist einzig, dass die Songs in englischer Originalsprache eingesungen wurden, auf der Bühne aber eine Übersetzung erhalten sollen. Im Booklet erklärt Wildhorn die Gründe: Zum einen wollte man mit dem Concept-Recording ein größtmögliches Publikum erreichen, zum anderen soll die Verwendung der Weltsprache Englisch die neu gegründete MWB-Company (Music Without Borders) bestmöglich unterstützen.

Auch im Hinblick auf die Stimmen setzen Wildhorn und Co. deshalb auf internationale Stars, leider aber auch auf Altbewährtes - und Altbekanntes. Frischer Wind in Sachen Wildhorn-Interpretation? - Fehlanzeige. Thomas Borchert und Jesper Tydén wirkten bereits bei der Wildhornschen Dracula-CD mit - und waren sogar gemeinsam an der Inszenierung des Stückes am Theater St. Gallen beteiligt. Im Zusammenhang mit dem Wildhornschen Gleichklang muss man also schon genau hinhören, um Unterschiede zwischen Jeykll & Hyde, Dracula oder eben Der Graf von Monte Christo herauszuhören. Dennoch: Allein für Darsteller-Fans lohnt sich die Anschaffung der CD, denn insgesamt liest sich die Besetzungsliste der CD-Songs wie das Who is who der Musicalszene - oder wie Best of Gästeliste Theater St. Gallen. Neben Borchert und Tydén leihen auch Pia Douwes, Alexander Goebel, Brandi Burkhardt, Mark Seibert, Mathias Edenborn und Patrick Stanke den Protagonisten des Dumas Klassikers auf der CD ihre Stimmen. Gesanglich ist die CD also ohne Zweifel ein Ohrenschmaus, jeder der Songs nett anzuhören. Ausreißer, bei denen man lieber die Ohren anlegen möchte, gibt es nicht. Wer Wildhorn mag, wird die CD lieben. Wer Wildhorn nicht mag, kann das Geld für die Anschaffung allerdings sparen. Unterstützt werden die Solisten vom Wiener Kammerchor, der vor allem im imposanten Prolog zum Einsatz kommt. Das "Christi eleison" erzeugt selbst aus der Stereo-Anlage Gänsehaut - welche Empfindungen ein Live-Erlebnis hervorrufen wird, bleibt abzuwarten, kann aber in ähnlicher Form wohl prognostiziert werden. Umso krasser wird aber der Absturz zum zweiten Song der CD empfungen: Geradezu seicht wirkt im Vergleich dazu das Liebesduett "When Love is True" (Thomas Borchert und Brandi Burkhardt), auch wenn so manche Tonfolgen den Sängern einiges abverlangen.

Raus aus dem Schmalz führt den Hörer Song drei: Das Terzett A Story Told von Patrick Stanke, Mark Seibert und Mathias Edenborn erinnert an die Songs der Bösewichte aus Disney-Filmen. Danach hört das Abwechslungsreiche der CD allerdings auf. Eher getragen und melancholisch ist die Songfolge, triefend vor Selbstmitleid des Grafen, der seiner großen Liebe hinterhertrauert, von der er durch eine Intrige getrennt wurde. Bis Song Nummer 8 ansteht: Hell to Your Doorstep reißt den Hörer im wahrsten Sinne des Wortes aus der Melancholie. Thomas Borchert schont hier seine Stimme in keinster Weise und versucht sich - recht erfolgreich - fast schon als Heavey Metaller. Allerdings ist der Übergang - inhaltlich, musikalisch und dramaturgisch - so krass, dass ein Nachvollziehen der Handlung ab diesem Zeitpunkt komplett unmöglich gemacht wird. Doch die Überraschung über den musikalischen Ausreißer ist auf der CD nur ein Strohfeuer: Schon mit Lied Nummer neun (Ah, women) geht es promt in alte und gewohnte Gefilde. Borchert und Tydén philosophieren über Frauen und ihre Wirkung auf Männer. Spätestens hier klingt sich der Hörer, der die Handlung des Stückes nachvollziehen will, gedanklich komplett aus. Was bleibt, ist eine Aneinanderreihung schöner Songs, die aber auch aus einer Best-of-Wildhorn-CD stammen könnten. (st)

Artikel vom 25.01.2009    |    Musicalmedien    |    Startseite

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Thema:  monte  christo  cd 
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