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thatsMusical - das Musical Magazin am Dienstag, den 07.09.2010

„3 Musketiere" feiert beeindruckende Premiere in Tecklenburg

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Marc Clear, Thomas Hohler, Enrico De Pieri und Jens Janke als Musketiere: Einer für alle! (Foto: Bettina Potthast)
Marc Clear, Thomas Hohler, Enrico De Pieri und Jens Janke als Musketiere: Einer für alle! (Foto: Bettina Potthast)

Schon mit der Ankündigung des Musicals „3 Musketiere" von Ferdi Bolland und Rob Bolland überraschten die Freilichtspiele in Tecklenburg. Bei der Premiere in den Mauern der alten Burgruine war dann schnell klar: Auch die Inszenierung als solche wird überraschen, mitreißen und beeindrucken.


Wer in den letzten Jahren die Inszenierungen in Tecklenburg verfolgt hat weiß, auf welch hohem Niveau die Bühne arbeitet. Mit dem diesjährigen Musical „3 Musketiere", so darf wohl getrost behauptet werden, ist jedoch ein Meilenstein gesetzt worden. Das, was das große Ensemble auf die Bühne bringt, kann vom ersten Moment an beeindrucken. Schon das stimmungsvolle Opening des Musicals entführt den Zuschauer nämlich direkt in die Welt von D´Artagnan, den Musketieren und in das Frankreich unter Ludwig XIII. Das Tempo, welches hier von der Regie (Marc Clear) vorgegeben wird, zieht sich durch die ganze Inszenierung, wirkt dabei aber niemals hastend. Nicht zuletzt ist dies auch dem Dirigat und der musikalischen Leitung von Klaus Hillebrecht zu verdanken, der mit dem großen und stimmgewaltigen Chor, den Solisten der Freilichtspiele und nicht zuletzt mit einem sicher spielenden Orchester großartige Arbeit geleistet hat. Musikalisch ist dieser Inszenierung nichts anzulasten. Die Chöre klingen beeindruckend voll und differenziert, so dass selbst in den großen Ensemblenummern eine beeindruckende Textverständlichkeit, Dynamik und Präzision der vielen Sänger vernehmbar ist. Das hört man so nicht alle Tage (Choreinstudierung: Florian Caspar Seibel)!


Die solistischen Gesangsleistungen sind einwandfrei. Hier rechnet sich das Engagement der Freilichtspiele, für ihre Inszenierungen gefragte und erfahrene Musicaldarsteller zu gewinnen. Thomas Hohler, der die Rolle des D´Artagnan bereits zuvor gespielt hat, wirkt frisch und motiviert. Aus Nummern wie „Heut´ ist der Tag" holt er gesanglich unglaublich viel heraus. Auch Yngve Gasoy-Romdal weiß als intriganter Kardinal Richelieu nicht nur gesanglich, sondern auch darstellerisch zu überzeugen. Mit der nötigen Arroganz im Blick und Spiel weiß er, seine packenden Nummern darzubieten. Das schwelgende „Oh, Herr" wird zum ersten Gänsehautsong des Abends, der nach dem Opening und Milady de Winters (Femke Soetenga) „Milady ist zurück" den einen ruhigen Kontrapunkt zur ansonsten insgesamt tempogeladenen Partitur des Musicals liefert. Nicht unerwähnt bleiben darf auch Wietske von Tongeren, die - nicht nur - mit einem wirklich intensiven „Geteiltes Leid" im zweiten Akt beeindruckt. Live erhält der Song in dieser Version eine ganz neue Ausdruckskraft, die auf der bisherigen CD-Einspielung nicht in einer solchen Intensität spürbar ist. Regisseur Marc Clear steht als Athos auf der Freilichtbühne. Seine Version von „Engel aus Kristall" ist ebenfalls lobens- und erwähnenswert.
Das im Gegensatz zu bisher bekannten Versionen deutlich angezogene Tempo bei „Wer kann schon ohne Liebe sein" tut dem Song erstaunlicherweise überhaupt keinen Abbruch und lässt sogar neue Facetten erkennen. Lediglich bei „Die Überfahrt" hätte man sich etwas mehr Drive gewünscht. So wäre die zweifelsohne gelungen szenische Umsetzung sicher auch noch packender gewesen.


Großen Anteil am Genuss der musikalischen Umsetzung hat auch die Tontechnik, die im Vergleich zu den Vorjahren mit ihrer Arbeit zu „3 Musketiere" einen großen Schritt nach vorn gemacht hat. Die exzellente Abmischung des Orchesters - übrigens den gesamten Abend über in einer den entsprechenden Stücken adäquaten Lautstärke - und die dazu passende Einbettung und Mischung der Stimmen verdient großes Lob und ließ oft vergessen, dass man sich unter freiem Himmel befindet.


Die in diesem Jahr zu sehende Inszenierung von Marc Clear wirft ein ganz neues Licht auf das Musical, welches seit seiner Uraufführung in den Niederlanden bereits einige Veränderungen durchgemacht hat. In den bisherigen deutschsprachigen Inszenierungen konnte Clear, der als Athos eben auch schon vorher auf der Bühne stand, viele Erfahrungen sammeln und hat in dieser Zeit scheinbar eine gute Beziehung zu dem Werk aufgebaut. Zumindest ließ sein überzeugendes Regiekonzept dies vermuten. Die neuen Akzentsetzungen und Ideen, die in den unterschiedlichsten Szenen zu erkennen sind, lassen die an einigen wenigen Stellen noch bestehenden Schwächen des Buches als vernachlässigbar erscheinen. Mit einer unglaublichen Detailverliebtheit bring Clear in Zusammenarbeit mit Choreografin Doris Marlis die großen Ensemblenummern auf die Bühne. Hier scheint alles durchdacht. Auch die Szenen, in denen der große Chor den Solisten keine Rückendeckung gibt, gelingen absolut überzeugend. Niemals gleiten die amüsanteren Momente in Klamauk ab und betten sich gut in die im Grunde ernste Handlung ein, so dass ein erfrischender und ausgewogener Gesamteindruck entsteht. Das gilt übrigens auch für die schwierigen Fechtszenen (Fechttrainer: Malcolm Ranson). Hier setzt Clear oftmals nicht darauf, dass möglichst viel „los" ist, sondern lässt dem Zuschauer durch geschickte Kniffe Zeit, sich auf einzelne relevante Kämpfe zu konzentrieren. Die dadurch hervorgerufene Pointierung gelingt eindrucksvoll. Erstaunlicherweise leidet auch das Tempo der Szenen in keinster Weise durch diese Vorgehensweise, so dass keine statische Szene entsteht. Marc Clear beweist mit dieser Inszenierung, dass sein Name nicht nur auf der Bühne für eine verlässliche Leistung steht.


Insgesamt kann diese Inszenierung der „3 Musketiere" auf voller Linie überzeugen. Das gesamte Ensemble - auf, unter und vor der Bühne - zeigt eine hervorragende und homogene Gesamtleistung in den unterschiedlichen Disziplinen und macht den Abend zu einer mitreißenden Freilichtaufführung. Dieses Musical, diese Inszenierung passt zweifelsohne auf diese Bühne! Herzlichen Glückwunsch Tecklenburg.

Autor: Michael Potthast

 

Die Besetzung:

D´Artagnan: Thomas Hohler
Milady de Winter: Femke Soetenga
Kardinal Richelieu: Yngve Gasoy-Romdal
Athos: Marc Clear
Porthos: Enrico De Pieri
Aramis: Jens Janke
Constance: Lisa Antoni
Königin Anna: Wietske van Tongeren
König Ludwig XIII: Lars Kemter
Rochefort: Paul Stampehl
Herzog von Buckingham: Harald Tauber
Conférencier/James: Stefan Poslovski
Cabaret-Sängerin/Mutter: Anne Welte
Ensemble:
Kevin Foster, Nils Haberstroh, Till Schubert, Andrew Hill, Kristian Lucas, Philipp Georgopoulus, Marius Hatt, Julian Sylva, Jan Altenbockum, Hakan T. Aslan, Daniela Römer, Ricarda Berelsmann, Sophie Blümel, Angela Hunkeler, Juliane Bischoff, Silja Schenk, Esther Lach
Chor und Orchester der Freilichtspiele Tecklenburg

Regie: Marc Clear
Musikalische Leitung: Klaus Hillebrecht
Choreografie: Doris Marlis
Regieassistenz: Jens D. Ravari
Fight Director: Malcom Ranson
Fight Captain: Paul Stampehl
Kostüme: Karin Alberti
Maske: Stefan Becks
Bühnenbild: Susanna Buller
Requisite: Heidi Raps, Ingo Heming
Choreinstudierungen, musikalische Assistenz: Florian Caspar Seibel
Dance Captain: Sophie Blümel

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Thomas Hohler überzeugt als D´Artagnan in "3 Musketiere". (Foto: Bettina Potthast)
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Milady de Winter (Femke Soetenga), Kardinal Richelieu (Yngve Gasoy-Romdal) und Rochefort (Paul Stampehl) stecken unter einer Decke. (Foto: Dominik Lapp)
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Milady de Winter (Femke Soetenga), Kardinal Richelieu (Yngve Gasoy-Romdal) und Rochefort (Paul Stampehl) stecken unter einer Decke. (Foto: Dominik Lapp)

Artikel vom 20.06.2010    |    Musicalmagazin    |    Weiterempfehlen:  
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