Am 28. August 2011 sollte das Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" in Berlin zur Aufführung kommen, wurde jedoch kurzfristig abgesagt. Während der örtliche Berliner Veranstalter am 22. August noch auf Facebook dazu aufforderte, Tickets zu kaufen, wurde die Veranstaltung zwei Tage später abgesagt. Die rund 500 teilnehmenden Chorsänger wurden per E-Mail benachrichtigt, eine kurze Info via Facebook veröffentlicht: „Die Veranstaltung ist für den 28.08.2011 abgesagt. Einen Nachholtermin geben wir in Kürze bekannt. Alle Tickets behalten für den neuen Aufführungstermin ihre Gültigkeit“, hieß es vom Veranstalter. Mit diesen spärlichen Informationen wurden Chorteilnehmer und Zuschauer allein gelassen.
Einen Tag nach der Absage meldete sich der Veranstalter auf Facebook zu Wort: „Die Ersatzveranstaltung findet definitiv statt. Im Moment arbeiten wir an dem Cast, der Location und einem neuen Termin.“ Aus dem Kreis der Mitwirkenden heißt es, dass nicht genug Eintrittskarten verkauft wurden und es zu wenig Werbung gab. Warum nach einem neuen Termin und einer neuen Location gesucht wird, wenn schon jetzt nicht genug Tickets umgesetzt werden konnten und die Veranstaltung nicht ausreichend beworben wurde, bleibt fraglich. Hauptdarstellerin Bahar Kizil jedenfalls ist aus dem Berliner Projekt bereits ausgestiegen. Auf ihrer offiziellen Facebook-Seite schreibt sie: „'Die 10 Gebote' in Berlin wurden seitens des Veranstalters abgesagt. Der Termin wird zwar nachgeholt, aber nicht mit meiner Besetzung.“ Alle anderen Termine des Pop-Oratoriums seien nicht gefährdet, heißt es von Kizil weiter.
Die Creative Kirche, die das Chorprojekt "Die 10 Gebote" ins Leben gerufen hat, veröffentlichte zwischenzeitlich eine Stellungnahme auf ihrer Webseite. Darin heißt es, dass man die Absage in Berlin bedauere, diese aber keine Auswirkung auf die Veranstaltungen in Hannover, Düsseldorf, Mannheim und Braunschweig habe. Während die Creative Kirche bei den letztgenannten vier Städten nämlich selbst als Veranstalter auftritt, ist dies in Berlin nicht der Fall. Dort fungiert ein anderer Veranstalter, der die Creative Kirche lediglich mit der musikalischen Umsetzung beauftragt hat.
Dass eine Nachholung des Termins in Berlin innerhalb der nächsten Monate nahezu unmöglich ist, macht die Creative Kirche in ihrer Stellungnahme klar. Darin heißt es, dass die gemeinnützige Gesellschaft für die musikalische Umsetzung der Aufführung zu einem späteren Termin nicht zur Verfügung steht, da ab Oktober 2011 die eigenen Projekte in Hannover, Düsseldorf, Mannheim und Braunschweig vorbereitet werden und das Personal damit ausgelastet sei. „Für die Sängerinnen und Sänger des Chores, die engagiert geprobt haben, tut es uns besonders leid“, so die Creative Kirche.
Da die Absage der "10 Gebote" in Berlin nicht ausreichend kommuniziert wurde, sollen sich am 28. August viele unwissende Besucher trotzdem auf den Weg zum Veranstaltungsort gemacht haben. Einer der Besucher äußerte diesen negativen Umstand auf der Facebook-Seite des Events, sein Beitrag wurde aber mittlerweile gelöscht. Kritik scheint nicht erwünscht.
Zuschauer und Chorsänger fragen sich inzwischen, ob sie ihr Geld zurückbekommen werden. Neben den Besuchern, die bereits Tickets für die Show erworben hatten, haben nämlich auch die Chormitglieder die Veranstaltung vorfinanziert, indem sie einen Teilnahmebeitrag zwischen 20 und 40 Euro bezahlt haben, um überhaupt bei dem Großkonzert mitwirken zu dürfen. Bei rund 500 Chorsängern und Teilnahmebeiträgen zwischen 20 und 40 Euro pro Teilnehmer - je nach Zeitpunkt der Anmeldung - dürfte eine stolze Summe zusammengekommen sein, die der Berliner Veranstalter einstreichen konnte.
„Ich kam gerade aus dem Urlaub, als ich erfuhr, dass 'Die 10 Gebote' in Berlin abgesagt wurden“, sagt Melanie Beck aus Dresden. „Die Hotelbuchung konnte ich kostenfrei stornieren, aber auf den Kosten für die Zugfahrkarte nach Berlin werde ich wohl sitzen bleiben“, ärgert sie sich. „Die Eintrittskarte hat mich 59 Euro gekostet. Den Betrag möchte ich erstattet haben.“ Immerhin: Nach einem Telefonat mit dem Veranstalter wurde ihr mittlerweile zugesichert, dass ihr das Geld innerhalb von vier Wochen erstattet wird, wenn sie die Eintrittskarte per Einschreiben zurückschickt. Ob dem wirklich so ist? Der Veranstalter wollte sich gegenüber thatsMusical jedenfalls nicht dazu äußern.
Fraglich bleibt auch, ob die Chorsänger ihre Teilnahmebeiträge zurückerhalten oder ob sie weiterhin mit der Aussage vertröstet werden, dass das Pop-Oratorium in Berlin nachgeholt wird. „Ich weiß ja nicht mal, ob ich den neuen Termin wahrnehmen kann“, so eine Teilnehmerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Ein anderer Teilnehmer, der ebenfalls nicht namentlich genannt werden möchte, will erfahren haben, dass der Nachholtermin für den 29. Dezember 2011 fixiert wurde. Der genaue Veranstaltungsort soll jedoch noch nicht feststehen. Es bleibt also abzuwarten, ob das Konzert in Berlin tatsächlich nachgeholt wird. Auf die Nachfrage der thatsMusical-Redaktion, wie ein Nachholtermin realisiert werden soll, obwohl die Creative Kirche für die musikalische Umsetzung nicht mehr zur Verfügung steht, hat der örtliche Veranstalter nicht geantwortet.
Text: Dominik Lapp








