Nach der Spielzeit in Deutschland, wo "Wicked" in Stuttgart und Oberhausen zu sehen war, feierte das Musical aus der Feder von Stephen Schwartz und Winnie Holzman nun im Circustheater in Scheveningen/Niederlande Premiere.
Das Bühnenbild von Eugene Lee ist in Scheveningen dasselbe, das zuletzt in Oberhausen zum Einsatz kam. Jedoch ist die Bühne und damit auch die bespielbare Fläche im Circustheater größer, was sich vor allem in den Ensembleszenen positiv bemerkbar macht. Gerade in der Szene "Dans Door de Dag" ("Tanz durch die Welt") haben die Darsteller so wesentlich mehr Platz für die Umsetzung der Choreografie.
Die niederländische Übersetzung orientiert sich stark an der englischen Originalversion. Was in der deutschen Fassung manchmal etwas holprig wirkt, ist bei der Produktion in Scheveningen runder und homogener. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass in der niederländischen Sprache auch viele englische Begriffe verwendet werden. So sagt der Zauberer zu Elphaba zum Beispiel „The sky is unlimited“ und Madame Akaber zum Zauberer „Mission accomplished“.
Musikalisch gibt es durch die Übersetzung ein paar kleine Änderungen, Töne sind mal kürzer und mal länger. Der Musikalische Leiter René op den Camp führt das Orchester sicher durch die komplexe Partitur des Stücks, und auch die Tonabstimmung ist während der ganzen Vorstellung sehr gelungen. Einzig bei der Zaubererkopf-Szene dürfte die Lautstärke ein wenig reduziert werden, da an dieser Stelle sogar der Boden im Zuschauerraum bebt.
Für "Wicked" in den Niederlanden konnten einige namhafte Künstler verpflichtet werden. Willemijn Verkaik, die die Rolle bereits in Deutschland verkörperte, zeigt eine ganz hervorragende Leistung. Sie hat die Rolle bis auf die kleinste Nuance verinnerlicht. Der Zuschauer spürt, wie sehr es ihr Spaß machen muss, die Elphaba in ihrer Muttersprache zu spielen. Mit ihrer starken Bühnenpräsenz harmoniert sie wunderbar mit Chantal Janzen, die eine entzückende Glinda spielt. Gesanglich ist letztere nicht ganz so klassisch wie die Glinda-Darstellerinnen aus Deutschland, allerdings hat sie in der Darstellung eine überzeugende Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor gefunden. Ihr Song "Populair" ("Heißgeliebt") kommt beim Publikum sehr gut an und ist einer der Höhepunkte des Abends.
Fiyero wird von Jim Bakkum gespielt, der mit seiner Interpretation von "Dans Door de Dag" ("Tanz durch die Welt") zeigt, wie stark er stimmlich ist. In der Darstellung fehlt ihm jedoch noch ein wenig die nötige Lockerheit. Als Zauberer steht Bill van Dijk auf der Bühne, der gesanglich ebenfalls eine hervorragende Leistung zeigt, aber in seinem Schauspiel die fiese und durchtriebene Art des Zauberers vermissen lässt. Pamela Teves gelingt in ihrer Interpretation der Madame Akaber die Steigerung von der netten Schulleiterin zur machtgierigen Pressesprecherin des Zauberers ganz hervorragend. In ihrer Hetzrede gegen Elphaba kann sie an Boshaftigkeit noch etwas zulegen.
Christanne de Bruijn als Nessarose, Nils Jacobs als Moq und Jochem Feste Roosemond als Professor Dillamond agieren im Rahmen ihrer Rollen, schaffen es aber noch nicht, ihren Charakteren den eigenen Stempel aufzudrücken. Auch das Ensemble ist großartig und kann durch hervorragende Leistung überzeugen. Das Zusammenspiel macht einen sehr harmonischen Eindruck, die Ensemblenummern werden stimmgewaltig umgesetzt.
Insgesamt ist "Wicked" in den Niederlanden sehr gut gelungen. Die Produktion orientiert sich wieder mehr an der Broadwayversion, was einen durchweg positiven Eindruck hinterlässt. Das Publikum in der besuchten Preview zeigte sich begeistert und spendete stehende Ovationen.
Text: Iris Steger







