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Buddy Holly Story im Essener Colosseum

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Vinicius Gomes (Ritchie Valens), Dominik Hees (Buddy Holly), Patrick Stanke (The Big Bopper) im Finale der Buddy Holly-Story. (Foto: Stage Entertainment)
Vinicius Gomes (Ritchie Valens), Dominik Hees (Buddy Holly), Patrick Stanke (The Big Bopper) im Finale der Buddy Holly-Story. (Foto: Stage Entertainment)
10.10.2009 Drucken

Der Tod des Ausnahmemusikers Charles Hardin – besser bekannt als „Buddy“ – Holley jährt sich dieses Jahr zum 50. Mal. 30 Jahre nachdem Holly bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, öffnete sich in London zum ersten Mal der Vorhang für das Musical „Buddy – Die Buddy Holly Story“.

Dass das Musical seit nunmehr 20 Jahren in unterschiedlichen Inszenierungen gespielt wird, ist nur einer von vielen Indikatoren, welche das Fortleben des Rock’n’Roll über Generationen hinweg unter Beweis stellen. Denkt man an die Ursprünge des Musicals und seiner Herkunft aus der klassischen Operette zurück, hätte sich vermutlich niemand träumen lassen, dass der Rock’n’Roll einmal Einzug in die Musiktheater halten würde.

Auch die Essener Inszenierung, die am 08.10.2009 ihre Premiere im Colosseum-Theater feierte, lässt von der ersten Sekunde – genau genommen bereits vor Beginn des Stückes – erkennen, dass in den folgenden Stunden kein gewöhnliches Musical gezeigt wird. Schon beim Eintritt in den Theatersaal ist der Blick auf die Bühne freigegeben und ein Schlagzeug, verschiedene Kabel und Sitze sowie  Mikrofone sind zu erkennen. Während sich die Reihen allmählich zu füllen beginnen, erklingt leise Rock’n’Roll-Musik; aber nicht, wie erwartet, aus dem Orchestergraben, sondern aus einer Anlage.

Auf eine Ouvertüre im klassisch bekannten Sinn wartet der Zuschauer vergeblich: Buddy Holly and the Crickets treten bei Hipockets Duncan im Radio auf und verfallen nach launigen Country-Klängen in einen fetzigen Rock’n’Roll, weshalb sie der Bühne verwiesen werden. Doch die drei Jungs aus Texas geben nicht auf und erhalten die Möglichkeit, unter Buddys Namen für Decca-Records aufzutreten. Der einzige Haken an diesem Geschäft ist der Country-Schwerpunkt des Musiklabels, das für die Musik der jungen Generation nichts übrig hat und die Band um den rebellischen, aufmüpfigen Buddy wieder vor die Tür setzt.

Dennoch denken die drei Musiker nicht daran, aufzugeben und finden in Norman Petty einen Produzenten, der ihr Potenzial erkennt. Er fördert die Band und verhilft ihr zu einem kometenhaften Aufstieg, zu dessen Höhepunkten der erfolgreiche Auftritt im Apollo-Theater in Harlem als weiße Band vor schwarzem Publikum zu zählen ist.

Die Schattenseiten des Ruhms machen allerdings auch vor Buddy und den Crickets keinen Halt, sodass Holly nach einem Zerwürfnis mit Petty und der Band selbige verlässt. Mittlerweile verheiratet, spielt er mit Ritchie Valens und The Big Bopper eine Tournee und steigt, entgegen den Warnungen seiner Frau, in ein Flugzeug, das durch einen Absturz das Leben des erst 22 Jahre alten Talents beendet

Die bekannte, traurige Lebensgeschichte Buddy Hollys wird im Musical bis zu seinem Tod inszeniert. Dabei behandelt der erste Akt die anfänglichen Schwierigkeiten und den sensationellen Aufstieg der Gruppe bis zum spektakulären Auftritt im Apollo-Theater, während der zweite Akt die Solokarriere Buddys bis zu seinem Tod beleuchtet. Der Schwerpunkt der Inszenierung liegt hauptsächlich auf den Auftritten der Band, weshalb das Privatleben Hollys nur stark gerafft dargeboten wird.

Das Publikum fungiert allerdings nicht nur als passives Auditorium, sondern wird auf eine Zeitreise mitgenommen und verwandelt sich einmal in aufmerksame Radio-Hörer, ein anderes Mal in das Publikum des Apollo-Theaters oder in die begeisterten Massen im Surf Ballroom in Clear Lake, dem letzten Konzert von Buddy Holly, The Big Bopper und Ritchie Valens.

Matthias Bollwerk, der, wie die Stage Entertainment als Produzentin mitteilte, für den verletzten Dominik Hees in der Rolle Buddy Hollys eingesprungen war, sorgte vor allem als junger, wilder Musiker für einige Lacher im Publikum, berührte jedoch als erwachsener Mann mit ruhigen Klängen der Akustik-Gitarre und sanfter Stimme bei einem ruhigen Stück, das Buddy für seine Frau sang und animierte zum Klatschen und Tanzen bei fetzigen Rock’n’Roll-Stücken wie „Oh Boy“.

Lewin Blümel (alias Jerry Allison, Schlagzeug), Caron Pomp (alias Joe Mauldin, Kontrabass) und Dominik Schwarzer (alias Tommy Allsup, Gitarre) war der große Spaß beim Spiel anzusehen und sie vermittelten das Gefühl, man befinde sich direkt auf einem Gig. Ebenfalls begeisterten sie mit hin und wieder angesungenen A-capella-Versionen der Stücke Buddy Hollys.

Patrick Stanke gelang allerdings die ausgewogene Balance zwischen Animation und Gesang nicht sehr überzeugend. Während er überwiegend damit beschäftigt war, das Publikum in seiner Rolle des Big Bopper zu „Ah“- und „Ey“-Rufen zu bewegen, verfiel er in seinen Gesangparts leider etwas zu häufig ins Schreien.
Anastasia Bain, Myrthes Monteiro und Sidonie Smith erhielte für ihre beeindruckende Darbietung der Sängerinnen im Apollo-Theater langen und begeisterten Zwischenapplaus.

Wie schafft es eine Inszenierung, eine Geschichte mit solch traurigem Ausgang zu erzählen, die das Auditorium aber immer wieder mitreißt und zum Klatschen und Tanzen animiert, ohne dass selbiges nach Beendigung des Stückes verstimmt das Theater verlässt? Zweifelsohne ein riskanter Spagat, welcher der Essener Inszenierung jedoch sehr gut gelungen ist, weshalb er abschließend hervorgehoben werden soll.

Nach dem Tod von Buddy Holly, The Big Bopper und Ritchie Valens stimmt das Ensemble eine langsame, bluesig-jazzige Version des Chuck-Berry-Klassikers „Johnny B. Goode“ an, zu der nach und nach, Bopper, Ritchie und schließlich Buddy wieder aus der Dunkelheit des Zuschauerraums hinzutreten. Beim Erscheinen Buddys wechselt das Ensemble in einen schnellen Rock’n’Roll und bringt so das Stück zu einem in sich schlüssigen Ganzen zusammen:

Kein Anfang und kein Ende. Diesem Inszenierungsmuster bedient sich „Die Buddy-Holly-Story“ und verdeutlicht die bis heute gültige Tatsache, dass die Musik ihre Schöpfer lange Jahre überleben kann. Auch wenn Buddy Holly schon 50 Jahre tot ist, so lebt seine Musik weiter, beeinflusst viele Musiker bis heute und begeistert selbst innerhalb eines Musicals unterschiedliche Generationen. Demnach können die Zuschauer gar nicht anders, als wippenden, tänzelnden Schrittes das Theater zu verlassen. Also absolut sehenswert.


Autor: Anna-Lena Noll

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Patrick Stanke als The Big Bopper. (Foto: Stage Entertainment)
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"True Love Ways": Yara Hassan (Maria Elena) und Dominik Hees (Buddy Holly). (Foto: Stage Entertainment)
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Myrthes Monteiro, Anastasia Bain und Sidonie Smith als Apollo-Sängerinnen im gleichnamigen Theater. (Foto: Stage Entertainment)
Artikel vom 10.10.2009    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  buddy  holly  story  colosseum  essen 
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