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Cats zurück in Hamburg

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Myrthes Monteiro als Katze Sillabub. Foto: Dominik Lapp
Myrthes Monteiro als Katze Sillabub. Foto: Dominik Lapp
10.01.2011

REZENSION | Nach zehnjähriger Abstinenz heißt es in Hamburg wieder "Jellicle-Katz kommt raus heut' Nacht", denn Andrew Lloyd Webbers Musicalklassiker "Cats" ist an den Ort seiner deutschen Erstaufführung zurückgekehrt. Während die Katzen von 1986 bis 2001 über die Bühne des Hamburger Operettenhaus schlichen, sind sie nun mit einem eigenen Theaterzelt in die unmittelbare Nachbarschaft des Operettenhauses zurückgekehrt. Noch bis zum 6. März 2011 wird die Katzenschar auf dem Heiligengeistfeld an der Spitze der Reeperbahn gastieren, bevor es auf Tournee in weitere Städte wie Berlin, Hannover und Mannheim geht.

Obwohl Lloyd Webbers Katzen inzwischen rund 30 Jahre auf dem Buckel haben, kommt "Cats" in der aktuellen Inszenierung neuer und vitaler denn je über die Rampe. Dies liegt nicht zuletzt an der recht ungewöhnlichen Location, einem 25 Meter hohen Zelt mit 60 Metern Durchmesser. Schon wie bei der Uraufführung 1981 in London gibt es auch im Theaterzelt keine klassische Guckkasten- sondern eine Rundbühne, und das Publikum ist ähnlich wie im Zirkus um die Bühne herum angeordnet. So eröffnet sich selbst alten "Cats"-Fans ein völlig neuer Blickwinkel auf die Show.

Das detailreiche Bühnenbild von John Napier fügt sich wunderbar in das Zelt ein und lässt die bekannte Müllhalde mit dem alten Autoreifen und dem kaputten Backofen entstehen, auf der sich die Katzen treffen. Lichterketten ragen in das Auditorium hinein und verwandeln das Theaterzelt während des Jellice Balls in ein schillernd-buntes Szenario. Großartige Bilder eröffnen sich dadurch den Zuschauern, die so vollends in die zauberhafte Katzenwelt eintauchen können.

Nun kann "Cats" zwar nicht gerade mit einer herausragenden Storyline aufwarten, doch eine solche können auch die etlichen Compilation-Musicals, die heutzutage uraufgeführt werden, nicht für sich beanspruchen. "Cats" hingegen war von Anfang an eine revueähnliche Vertonung von T.S. Eliots Katzengedichten, überzeugt aber wie schon bei seiner Uraufführung vor allem mit den energiegeladenen Tanzszenen, die es in dieser Häufigkeit und Intensität in kaum einem anderen Musical zu sehen gibt. Denn in den neumodernen Musicals werden die drei ursprünglichen Sparten Tanz, Gesang und Schauspiel längst nicht mehr gleichberechtigt behandelt - oftmals kommt der Tanz dabei viel zu kurz.

Bei "Cats" hingegen liegt das Hauptaugenmerk auf der ausgeklügelten Choreografie von Gillian Lynne, die das Stück so besonders macht. Erfreulich, dass für die Tournee auch solch talentierte Darsteller verpflichtet wurden, die die schwierigen Tanzschritte mit Leichtigkeit zu meistern scheinen. Allen voran Mark John Richardson als Zauberkater Mr. Mistoffelees. Er reißt das Premierenpublikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Richardson, der bereits vor Jahren die Rolle des Mistoffelees in London und Hamburg spielte, beherrscht noch immer jeden seiner Tanzschritte perfekt. Für seine Pirouetten erntet er lautstarken Szenenapplaus, und ohnehin ist seine Szene, in der er das Katzenoberhaupt Alt Deuteronimus herbeizaubert, dank toller Licht- und Pyroeffekte eine der schönsten des ganzen Stücks.

Martin Berger gibt den weisen Kater Alt Deuteronimus mit erhabener Stimme und starker Bühnenpräsenz, singt ein überzeugendes "Momente des wahren Glücks" und sorgt für einen starkes Finale, wenn er auf dem Autoreifen stehend über das Ansprechen von Katzen singt und sich seine Katzenschar in Nebelschwaden um ihn herum versammelt.

Ebenso stimmstark zeigt sich Frank Logemann, der die Dreierrolle von Bustopher Jones, Asparagus und Growltiger verkörpert. Schauspielerisch überzeugt er vor allem als alternder Theaterkater Asparagus, doch die einst großartige "Growltigers letzte Schlacht" wird durch die neue Inszenierung dieser Szene völlig versenkt. Während in der Version, die fast 15 Jahre in Hamburg lief, eine große Opernszene zwischen Growltiger und seiner Griddlebone gezeigt wurde, ersetzte man diese nun - wie auch schon in anderen Inszenierungen - durch die Ballade von Billy M'Caw, die in den ersten Jahren auch in der Londoner Originalinszenierung gespielt wurde. Auch das Piratenschiff in dieser Szene existiert in seiner ursprünglichen Opulenz nicht mehr, sondern wird nur noch durch ein Steuerrad und einen Mast angedeutet.

Noch immer wunderschön ist die Szene von Skimbleshanks, dem Kater vom Nachtexpress, der von Paul Knights dargestellt wird. Unglaublich, wie schnell die Darsteller in Sekundenschnelle aus Schrottteilen eine Eisenbahn bauen und sie genauso schnell wieder verschwinden lassen. Die Frauenherzen höher schlagen lässt dagegen der Hüftschwung von Dominik Hees als Machokater Rum Tum Tugger, der mit seinem Rock'n'Roll-Song das Theaterzelt zum Kochen bringt.

Jack Rebaldi gibt einen stimmlich wie schauspielerisch großartigen Munkustrap, der mit angenehm rauer Stimme über die Gumbie Katze singt und vom Kampf zwischen den Pekinesen und Pollicles berichtet. Den großen Song der Show, das von gefühlt schon eintausend Sängern interpretierte "Erinnerung", hat Masha Karell als Grizabella zu singen. Und so verstaubt dieser vor Pathos nur so strotzende Song auch ist - das Premierenpublikum scheint auf diesen Song nur gewartet zu haben und honoriert Karells hervorragende Interpretation mit tosendem Applaus.

Weiter positiv aus der Cast hervorstechen können Ann Christin Elverum als wunderbar steppende Gumbie Katze und Anique Bosch in der Rolle der schneeweißen Victoria, die für ihre sauber getanzte "Einladung zum Jellicle Ball" bejubelt wird.

Auch 30 Jahre nach seiner Uraufführung hat "Cats" nichts von seinem Zauber verloren. Die Inszenierung orientiert sich stark an dem Original von 1981 und lässt somit keine großen Experimente zu. Hier wird auf Altbewährtes in frischem Gewand gesetzt, was beim Publikum gut anzukommen scheint. Trotz der recht dürftigen Handlung können die Zuschauer bei "Cats" in eine wunderschöne Fantasiewelt eintauchen und sich an den wundervollen Kostümen und großartigen Tanzszenen erfreuen. Und auch wenn "Cats" nicht gerade zu Andrew Lloyd Webbers größten musikalischen Ergüssen zählt, so ist seine Musik mit ihren verschiedenen Stilen dennoch sehr abwechslungsreich und eingängig.

Text: Dominik Lapp

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Matthew Huet als Kater Alonzo. Foto: Dominik Lapp
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Martin Berger als Katzenoberhaupt. Foto: Dominik Lapp
Artikel vom 10.01.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
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