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Ein Klassiker ist heimgekehrt: "The Sound of Music" in Salzburg

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Wietske van Tongeren (Maria) und Uwe Kröger (Georg von Trapp). Foto: Dominik Lapp
Wietske van Tongeren (Maria) und Uwe Kröger (Georg von Trapp). Foto: Dominik Lapp
03.11.2011 Rezension

Trautes Heim, Glück allein. 52 Jahre nach seiner Uraufführung ist das Musical "The Sound of Music" erstmals am Originalschauplatz in Salzburg zu sehen. Am dortigen Landestheater feierte das Stück aus der Feder von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein am 23. Oktober 2011 Premiere.

Das internationale Interesse an "The Sound of Music" ist riesig, sogar Fernsehsender aus Großbritannien und Japan berichteten über die Premiere. Und auch das Theater und die Salzburger Tourismusgesellschaft haben ordentlich die Werbetrommel gerührt - angefangen bei einem "Do-Re-Mi"-Flashmob in der Salzburger Altstadt bis hin zu einer Sonderausstellung im Salzburg Museum. Da der Film "The Sound of Music" mit Julie Andrews und Christopher Plummer in Salzburg gedreht wurde, sind auch Touren zu den Drehorten bei Touristen sehr beliebt. Vielleicht, weil sich die Österreicher selbst jedoch jahrzehntelang gegen die Verkitschung Österreichs sträubten, war das Rodgers/Hammerstein-Musical bislang noch nicht in der Stadt, in der es spielt, auf einer Bühne zu sehen.

Die Inszenierung, die Andreas Gergen und Christian Struppeck in Salzburg nun auf die Bühne gebracht haben, erinnert in ihren Grundzügen an die Londoner Inszenierung von "The Sound of Music" aus dem Jahr 2006. Dennoch ist in Salzburg keine bloße Kopie, sondern eine eigenständige Inszenierung zu sehen, die allerdings so aufwändig und liebevoll umgesetzt wurde, dass das Salzburger Regieteam den Vergleich mit der Londoner Großproduktion nicht zu fürchten braucht.

Die Regisseure und ihr Ausstatter Court Watson nutzen alle technischen Möglichkeiten der Bühne: Sie lassen Marias Fußmarsch vom Kloster zur Trapp-Villa durch den Einsatz der Drehbühne dynamisch wirken und die Trapp-Familie zum Finale mit einem Hubpodium vor der Silhouette der Alpen in die Höhe fahren - effektvoll unterstützt von Bühnennebel. Zentrales Element des Bühnenbildes jedoch ist ein Nachbau der Fassade der Trapp-Villa. Mithilfe der Drehbühne gibt die Fassade auf ihrer Rückseite das Innere der Villa frei. Aber auch der aus dem Film bekannte Gartenpavillon fehlt in Watsons Ausstattung genauso wenig wie der Berg, auf dem Maria zu Beginn das Titellied singt. Unterstützt werden die Bühnenelemente durch Videoprojektionen, in denen beispielsweise eine Rede Adolf Hitlers zu sehen ist - passend zur Zeit der Handlung, den 1930er Jahren.

Dabei dreht es sich um die Novizin Maria (Wietske van Tongeren), die dem Witwer Kapitän Georg von Trapp (Uwe Kröger) bei der Erziehung seiner sieben Kinder helfen soll. Schnell gewinnt sie mit Gesang die Herzen der Kinder. Nach der Hochzeit von Maria und dem Kapitän feiert die Familie schließlich als Familienchor Erfolge und flüchtet vor den Nationalsozialisten in die USA.

Für die Hauptrollen wurden mit Wietske van Tongeren und Uwe Kröger zwei im Musicalbereich äußerst bekannte Darsteller als Gäste engagiert, die sich allen Unkenrufen zum Trotz als glückliche Wahl erwiesen haben. Vor allem van Tongeren hat als Maria ein großes Päckchen zu tragen. Denn mit ihr steht und fällt die gesamte Show. Doch keine Spur von Lampenfieber oder Anspannung. Sie verkörpert die junge Novizin mit Leichtigkeit und großer Spielfreude und schafft es, den Zuschauer von der ersten Szene an mitzureißen. Gesanglich glänzt sie mit ihrem glasklaren Sopran. Musikalische Höhepunkte sind ihre Eröffnungsnummer "The Sound of Music" sowie "Do-Re-Mi", das sie gemeinsam mit den Kinderdarstellern hervorragend interpretiert.

An der Seite von Wietske van Tongeren steht Uwe Kröger, der seinen Part solide gibt. Als Georg von Trapp ist er Edelmann und strenger Vater zugleich, was er schauspielerisch überzeugend über die Rampe bringt. Gesanglich liefert er eine emotionale Interpretation des Songs "Edelweiß", im Duett mit van Tongeren geht er stimmlich jedoch gelegentlich etwas unter.

Während Frances Pappas als Mutter Oberin mit ihrem sehr eindringlichen "Climb every Mountain" das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt, können Franziska Becker und Hubert Wild als Elsa Schrader und Max Dettweiler hauptsächlich schauspielerisch überzeugen, da sie buchbedingt gesanglich nicht sehr gefordert sind.

Die Rolle der Liesl hat Hanna Kastner übernommen, die die älteste Tochter im Hause Trapp mit jugendlicher Unbekümmertheit mimt, aber zum Ende hin eine schöne Entwicklung zu einer gereiften jungen Frau durchmacht. Auch das Zusammenspiel mit Sebastian Smulders als Rolf Gruber gelingt ihr exzellent, was besonders im klangschön dargebotenen Duett "Sixteen going on Seventeen" erkennbar wird. Besonders spielfreudig zeigen sich auch die sechs Kinderdarsteller, die aus mehreren Hundert Bewerbern ausgewählt wurden.

Sehenswert sind auch die Kostüme, für die ebenfalls Court Watson verantwortlich zeichnet. Vor allem für Maria und die Kinder hat er zahlreiche zeitgemäße Outfits geschaffen. Choreografin Kim Duddy ist bei einem Stück wie "The Sound of Music" zwar nicht so stark gefordert, doch hat sie besonders aus der "Do-Re-Mi"-Szene eine hübsch choreografierte Nummer gemacht.

Gelungen sind zudem auch die neuen deutschen Texte aus der Feder von Heiko Wohlgemuth und Kevin Schroeder. Denn obwohl laut Aussage des Salzburger Landestheaters mehr als 80 Prozent der bislang für "The Sound of Music" verkauften Eintrittskarten aus dem nicht deutschsprachigen Ausland bestellt wurden, wird das Stück auf Deutsch gespielt. Aus Textstellen wie "Schnitzel and Noodles" wurde jetzt "Schnitzel und Strudel" (wobei hier nicht der süße Strudel, sondern Grieß- oder Gemüsestrudel gemeint ist) – die Adaption erfolgte also zwar nicht wortgetreu, aber durchaus sinngemäß und melodisch. Für die ausländischen Gäste gibt es zusätzlich englische Übertitel. Ein wahrer Ohrenschmaus ist auch das Orchester des Landestheaters unter der Leitung von Peter Ewaldt, der seine Musiker mit Drive durch die Partitur von Richard Rodgers jagt.

Letztendlich darf es als längst überfällig bezeichnet werden, "The Sound of Music" am Originalschauplatz in Salzburg aufzuführen. Die Inszenierung von Andreas Gergen und Christian Struppeck ist in sich schlüssig, zeitgemäß und mit viel Liebe zum Detail umgesetzt worden. Die Handlung, die zeitlose Musik, die sehenswerte Ausstattung und die starke Darstellerriege machen einen Besuch im Salzburger Landestheater lohnenswert.

Text: Dominik Lapp

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Hanna Kastner (Liesl) und Sebatian Smulders (Rolf). Foto: Christina Canaval
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Wietske van Tongeren (Maria). Foto: Christina Canaval
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Uwe Kröger (Georg von Trapp), Wietske van Tongeren (Maria) und die Kinder. Foto: Christina Canaval
Artikel vom 03.11.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  sound  of  music  tongeren  kroeger  salzburg 
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