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Ein Sommernachts(alb)traum: "Shakespeare's Musical Comedy" in Berlin

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Henryk Reimann als Shakespeare. Foto: Estrel Festival Center
Henryk Reimann als Shakespeare. Foto: Estrel Festival Center
16.08.2011

REZENSION | „Aufrichtig und ehrlich sein, bringt Gefahr“, sagte William Shakespeare selbst einmal und findet mit seinen Weisheiten und Geschichten auch rund 500 Jahre nach seinem Tod noch Einzug in die Theater der deutschen Hauptstadt. Im Estrel Festival Center Berlin ist noch bis zum 4. September 2011 "Shakespeare's Musical Comedy" zu sehen. Des Meisters Klassiker wie "Hamlet", "Romeo und Julia", "Othello" und "Ein Sommernachtstraum" werden hier mit Pophits der letzten 50 Jahre vermischt. Eine gewagte Kombination.

Shakespeare wird auf der Bühne des Estrels zum Leben erweckt und ist dazu angeleitet, zusammen mit einer untalentierten Schauspieltruppe drei seiner eigenen Werke aufzuführen. Seine Auftraggeberin und schärfste Kritikerin ist dabei keine geringere als Thalia, die Göttin der Künste und Beschützerin der Sänger und Dichter, die von ihrem Schützling Großartiges erwartet und nur durch einen gut durchdachten Plot aus Liebe, Intrigen und Leidenschaft zufrieden zu stellen ist. Kein Problem für den größten Dichter aller Zeiten! Wären da nicht die kaum zu bändigenden Schauspieler, die seine Kunst zunächst so gar nicht verstehen und erst vom Charme der Dramatik Shakespeares überzeugt werden müssen.

So schnell die Handlung hier auch erzählt ist, so braucht der Zuschauer leider den gesamten ersten Akt, um die Geschehnisse auf der Bühne zu entwirren und sich auf das Shakespeare-Spektakel einzulassen. Die Verwirrung ist einerseits den manchmal schlecht zu verstehenden Dialogen und andererseits auch der zusammenhangslosen Kombination aus Musik und Text geschuldet. Es ist kaum zu verstehen, warum sich die Schauspieltruppe ausgerechnet mit einer Aneinanderreihung von Discoklassikern wie Aretha Franklins "Think" oder Abbas "Waterloo" dem Publikum vorstellt und welchen Bezug diese Songs zum Geschehen haben sollen. Eine große bunte Truhe fungiert dabei als einziges Bühnenelement und lässt Shakespeare und seine Sekretärin Miranda regelmäßig aus unerfindlichen Gründen in ihr verschwinden und wieder neu hervortreten. Dieses szenische Durcheinander, gespickt mit einfachen Choreografien, erinnert mehr an eine Mischung aus Varieté und Animationsprogramm im Clubhotel; leider wenig an Musical. Der Plot bleibt nebensächlich, von Shakespeare hat das nicht viel – und das ständig als Komödie betonte Stück kann bis hierhin leider kaum einen Lacher ernten.

Doch wer noch ein bisschen aushält, darf einen weitaus besseren zweiten Akt erleben. Hier beginnt nun die eigentliche Prüfung Shakespeares‘ und damit eine ordentliche Vorführung seiner Klassiker im zum Teil tatsächlich komischen Monthy-Python-Stil. Songs wie James Browns "I Feel Good" oder Elvis' "Suspicious Minds" sind nun besser eingebettet, und spätestens wenn Romeo und Julia sich in der Balkonszene zu "Can't Help Falling in Love" anschmachten, kommt doch kurz Gänsehaut auf.

Unabhängig der fehlenden Kohärenz des Stückes darf der Zuschauer hier begabten Sängerinnen und Sängern lauschen, die ihre Songs zwar zusammenhangslos, jedoch mit Power und Stimme darbieten. Marion Welch – Sängerin des berühmten Barcadi-Rum-Songs – fällt als Julia mit der Ballade "True Love Will Never Die" deutlich auf, und auch ihre Kolleginnen Denise Norton, unter anderem in der Rolle der Sekretärin Miranda, und Rachel Hiew als Othellos Geliebte Desdemona singen ihre Stücke ohne Zweifel mit Bravour. Unter den Männern fällt vor allem Daniel Pabst ins Auge. Der Musicaldarsteller stellt vor allem in der Rolle des verhängnisvollen Taschentuchs des Othello sein komödiantisches Talent unter Beweis. Er ist es letztlich auch, der es schafft, dem Publikum einige Lacher zu entlocken.

Alles in allem ist die unter der Regie von Hans Neblung aufgeführte Musicalkomödie eher weniger für den klassischen Musicalfan. Die Songs entstammen einem anderen Genre, die Choreografien sind lau, die Handlung etwas flach. Wer jedoch ein wenig schunkeln und mitsingen möchte, ist bestens aufgehoben. Und wie formulierte es Shakespeare selbst? „Der Rest ist Schweigen!“

Text: Julia Hoffmann

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"Shakespeare's Musical Comedy" in Berlin. Foto: Estrel Fetical Center
Artikel vom 16.08.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  shakespeare  berlin  estrel 
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