Großen Spaß garantiert Max Messlers Inszenierung von "Eine Hochzeit zum Verlieben", die auf der Waldbühne in Kloster Oesede im Osnabrücker Land zu sehen ist. Die Waldbühne - ursprünglich als reines Laientheater gestartet - hat sich in den letzten Jahren immer stärker hin zur semiprofessionellen Bühne entwickelt. Dies liegt vor allem auch daran, dass man mit Max Messler (Regie) und Brady Harrison (Choreografie) zwei Profis engagiert hat, die schon 2010 "Betty und ihre Schwestern“ und 2011 "Gypsy" auf die Bühne gebracht haben.
In diesem Jahr haben sich Messler und Harrison also an die deutsche Erstaufführung des Musicals "Eine Hochzeit zum Verlieben" von Matthew Sklar (Musik) und Chad Bequelin (Texte) gewagt, das auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1998 basiert und 2006 unter dem englischen Titel "The Wedding Singer" am Broadway uraufgeführt wurde.
Die Story, die in den 1980er Jahren spielt, ist schnell erzählt: Robbie Hart ist Hochzeitssänger, wird auf seiner eigenen Hochzeit jedoch von seiner Braut Linda versetzt. Als er wieder auf einer Hochzeit singt, lernt er die Kellnerin Julia kennen und verliebt sich in sie. Julia allerdings ist bereits an den erfolgreichen Glen vergeben, der sein Geld an der Börse macht und Julia regelmäßig mit anderen Frauen betrügt. Doch letzten Endes gibt es - wie könnte es bei einer Komödie auch anders sein - ein Happy End.
Für die Rolle des Robbie Hart wurde Yannik Gräf verpflichtet. Der Musicalstudent der Fachhochschule Osnabrück, der zuletzt in "Frühlings Erwachen" am Osnabrücker emma-theater zu sehen war, empfiehlt sich in seiner neuen Rolle als großartiger Nachwuchsdarsteller. Schauspielerisch gibt er einen sympathischen und authentischen Hochzeitssänger, und auch gesanglich lässt er keine Wünsche offen. Seine Songs bietet er mit starker, sicher geführter Stimme dar.
Der Star der Show ist jedoch die erst 16-jährige Gymnasiastin Annika Wesselkamp in der Rolle der Julia. Sie hat die große Herausforderung zu meistern, als Laiendarstellerin die weibliche Hauptrolle zu mimen, was ihr von Anfang bis Ende aufs Beste gelingt. Ihren Job auf der Bühne macht sie so souverän wie ein Profi: Ohne merkbare Nervosität und Texthänger, mit starker Bühnenpräsenz, glaubwürdigem Schauspiel und ihrer klaren Stimme gelingt ihr die Darstellung der Julia absolut perfekt.
An Wesselkamps Seite steht Patrick Mai, der Julias Verlobten Glen wunderbar schmierig und berechnend gibt. Mit der Treue nimmt er es nicht so ernst, Geld und Gadgets sind ihm wichtiger. Dennoch hat er es zum Schluss ganz eilig, Julia in Las Vegas vor den Traualtar zu zerren. Mai, der in Osnabrück Musical studiert, bringt schauspielerisch wie gesanglich eine durchweg souveräne Leistung.
Doch auch Laura Trompetter - ebenfalls Musicalstudentin aus Osnabrück - steht ihren Kollegen in nichts nach. Als Julias Freundin Holly kann sie ihr großes komödiantisches Talent voll ausspielen. In ihren knappen Outfits dürfte sie außerdem so manches Männerherz im Publikum höher schlagen lassen. Ein Höhepunkt gelingt ihr mit der Interpretation des Songs "Saturday Night in the City". Absolut rollendeckend agieren auch Uschi Körner als Angie und Bernold Kamp als Sammy, während Dominik Gerlach als George und Karina Linnemann als Linda mit ihren starken Auftritten für etliche Lacher sorgen - genauso wie Silke Röwekamp als rappende Oma Rosie.
Unterstützt werden die starken darstellerischen Leistungen durch ein mehr als nur funktionales Bühnenbild, das in erster Linie aus einer riesigen Lichterwand besteht, wie sie schon im vergangenen Jahr bei "Gypsy" zum Einsatz kam. Innerhalb dieser Wand befinden sich kleine Räume, die als Julias Brautzimmer genauso wie als Flugzeugkabine dienen. An der linken Bühnenseite fährt in einigen Szenen außerdem das Auto von Glen heraus, während sich auf der rechten Seite Robbies Zimmer im Keller seiner Oma befindet. Durch fahrbare Kulissenteile entstehen außerdem viele weitere Szenen wie ein Haushaltswarengeschäft, ein Laden für Brautmode, ein WC oder die zahlreichen Hochzeitslocations, auf denen Robbie auftritt. Hier hat der Bauausschuss der Waldbühne ganze Arbeit geleistet.
Neben der gelungenen Personenregie von Max Messler ist es vor allem die fetzige Choreografie von Brady Harrison, die der Show Tempo verleiht. Auch hier zeigt sich, dass die Laiendarsteller gemeinsam mit den musicalerfahrenen Darstellern eine Einheit bilden. Niemand fällt aus dem Rahmen, jeder Schritt sitzt. Und last but not least bringt die Band unter der Leitung von Georgi Gürov mit einer ordentlichen Portion Drive den Discosound der 1980er Jahre, aber auch berührende Balladen auf die Waldbühne. Insgesamt also eine durchweg gelungene Inszenierung, die jeden Cent des Eintrittspreises von 14 Euro wert ist.
Text: Dominik Lapp










