Das Theater für Niedersachsen in Hildesheim kann also auch anders. Das Haus, das sich vornehmlich mit deutschsprachigen und europäischen Erstaufführungen sowie mit Uraufführungen einen Namen gemacht hat, zeigt in der Spielzeit 2011/2012 mit "Der Mann von La Mancha" einen mehr als 40 Jahre alten Klassiker - und zwar in einer erfreulich konventionellen Inszenierung ohne große Überraschungen, mit kleiner Orchesterbesetzung (Musikalische Leitung: Andreas Unsicker).
Regisseur Klaus Seiffert ist kein Risiko eingegangen, sondern hat seine Inszenierung buchgemäß im Spanien des 16. Jahrhunderts angesiedelt. Dort sitzen der Dichter Cervantes und sein Diener wegen Gotteslästerung in einem Kerker der spanischen Inquisition, wo sie zusammen mit Räubern und Mördern auf ihre Anklage warten. Um ein Manuskript vor dem Verbrennen zu retten, spielen Cervantes und sein Diener die Geschichte vor und beziehen alle Mitgefangenen in die Handlung mit ein.
Obwohl die gesamte Handlung des zweieinhalbstündigen Musicals am selben Ort - in einem spanischen Kerker - spielt, kommt keine Langeweile auf, was durchaus auch dem optisch überzeugenden Bühnenbild und den zeit- und landesgemäßen Kostümen von Steffen Lebjedzinski zu verdanken ist. Durch den Einsatz verschiedener Requisiten entstehen in dem detailgetreu dargestellten Verlies immer wieder neue Szenen: Aus Holzkisten entstehen Bänke, Tische und ein Bett. Zwei mit Stoff bespannte Karren stellen die Pferde von Don Quixote und Sacho dar.
In einer Doppelrolle als Cervantes und Don Quixote ist Jens Krause zu sehen, der dem Ritter von der traurigen Gestalt gelungen Kontur verleiht. Schauspielerisch gibt er den Dichter Cervantes überzeugend visionär und Don Quixote als den von seinem unmöglichen Traum geleiteten Ritter. Auch gesanglich liefert er wie gewohnt eine solide Leistung ab. Der schönste musikalische Moment gelingt ihm mit seinem Solo "Der unmögliche Traum".
Ihm zur Seite steht Sebastian Strehler als Cervantes' Diener und Sancho. Vor allem als Letzterer - den er mit einem um den Bauch gebundenen Kissen darstellt, um dessen kleines Übergewichtsproblem zu visualisieren - hat er etliche Lacher auf seiner Seite. Eine sehr ruppige, vorlaute und freche Aldonza gibt dagegen Michael Linck ab. Sie spielt die Dirne, in der Don Quixote ein edles Fräulein sieht, mit starker Bühnenpräsenz und klassisch geführter Stimme.
Vor allem schauspielerisch stark sind auch Frank Brunet (Governeur / Gastwirt) und Jens Plewinski (Herzog / Dr. Carrasco), genauso wie Jonas Hein, der das Publikum besonders durch seine Mimik zum Lachen bringt, als ihm eröffnet wird, dass er in Cervantes' Theaterstück für die Rolle des Padre vorgesehen ist. Szenenapplaus erntet zudem Annika Dickel für ihre sinnliche Bauchtanzeinlage.
Insgesamt betrachtet, ist "Der Mann von La Mancha" zwar kein spektakuläres Musical, aber dennoch ein Musical, das man - zumindest in der Inszenierung von Klaus Seiffert in Hildesheim - einmal gesehen haben sollte. Denn die Handlung ist kurzweilig, die spanisch angehauchte Musik eingängig und die Inszenierung in sich schlüssig und herrlich zeitgemäß, ohne dabei angestaubt zu wirken. Einziger Wermutstropfen: Es gibt sehr lange Sprechszene und für ein Musical relativ wenig Musik.
Text: Dominik Lapp







