REZENSION | Elton Johns Popmusical "Aida" ist in den Stadttheatern angekommen. Nach der Ensuite-Produktion in Essen und einer anschließenden Tournee tauchte die tragische Liebesgeschichte in den vergangenen Jahren zunächst auf den Freilichtbühnen auf. Nun hält das Stück in den Stadttheatern Einzug - so wie im Opernhaus Chemnitz.
Dort sind mit Judith Lefeber (Aida), Christian Alexander Müller (Radames) und Bettina Mönch (Amneris) drei Hauptdarsteller zu sehen, die ihre jeweiligen Rollen bereits in Essen oder auf Tournee gespielt haben, was der Inszenierung von Matthias Winter durchaus zugutekommt. Vor allem Judith Lefeber hat sich, seit sie die Rolle der Aida 2005 zuletzt gespielt hat, wunderbar weiterentwickelt. Die gewichtige Rolle verkörpert sie schauspielerisch emotional und mit starker Stimme. Mit ihr steht und fällt die gesamte Inszenierung, doch leistet sie sich keinerlei Ausfälle. Als versklavte nubische Prinzessin ist sie trotzig, vorlaut, frech und stark. Ein echtes Highlight ist ihre Interpretation des Songs "So einfach, so schwer".
Das ganze Gegenteil von der taffen Aida ist die ägyptische Pharaonentochter Amneris, gespielt von Bettina Mönch. Die für ihr gutes humoristisches Timing bekannte Darstellerin hat eine wunderbare Interpretation gefunden, ihre Amneris nicht nur als wasserstoffblondes Dummchen, sondern auch als ehrlich Liebende und zum Ende hin - nach dem Tod des Pharaos - als sehr weise ägyptische Herrscherin darzustellen. Ihr Solo "Sinn für Stil" intoniert sie äußerst kräftig, während sie "Die Wahrheit" mit samtweicher Stimme gibt.
Zwischen Aida und Amneris steht der Heerführer Radames, der eigentlich mit Amneris verlobt ist, sich aber recht schnell in Aida verliebt. Christian Alexander Müller macht in dieser Rolle nicht nur eine gute Figur, sondern ist auch in seinem Schauspiel glaubwürdig und singt mit klangschöner Stimme. Er bringt ein stimmiges “"Wer viel wagt, der gewinnt" und ein sehr emotional interpretiertes "Durch das Dunkel der Welt" über die Rampe und harmoniert auch im Duett “Sind die Sterne gegen uns“ und im Terzett “Einen Schritt zu weit“ ganz wunderbar mit den beiden Damen an seiner Seite.
Steffen Friedrich in der Rolle des Zoser trachtet herrlich fies nach dem Leben des Pharaos (Roland Glass) und singt mit charaktervoller Stimme, während Fehmi Göklü als Mereb wundervoll singen und von einem besseren Morgen träumen darf.
Das Bühnenbild von Walter Schütze fällt im Gegensatz zu der "Aida"-Originalproduktion von Disney wesentlich schlichter aus, ist für die Verhältnisse eines Stadttheaters mit einer gelungenen Mischung aus orientalischem Flair und Moderne aber dennoch beeindruckend. In Verbindung mit den lichttechnischen Effekten gelingen hier tolle Szenenbilder, die dem Zuschauer so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen dürften. Besonders beeindruckend: Ein überdimensionaler Sarkophagdeckel, der Aida und Radames zum Schluss unter sich begräbt. Doch auch die Kostüme, für die ebenfalls Walter Schütze verantwortlich zeichnet, gefallen sowohl mit erdtöniger Schlichtheit (Sklaven) als auch in aufwändiger Glitzeroptik (Amneris und ihre Gefolgschaft).
Aus dem Orchestergraben ertönt die eingängige Musik von Elton John in sattem Popsound von einer Band, die aus Mitgliedern der Robert-Schumann-Philharmonie und Gästen besteht. Mit Präzision und Drive führt Heiko Lippmann seine Musiker dabei durch die rockig-poppige Partitur.
Insgesamt eine äußerst gelungene Inszenierung von "Aida", die Matthias Winter in Chemnitz auf die Bühne gebracht hat. Die eingängige Musik, die tragische Story und die mitreißenden Hauptdarsteller machen die Reise nach Chemnitz durchaus lohnenswert.
Text: Ursula Adler & Dominik Lapp







