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Gelungen: "The Phantom of the Opera" als Kino-Liveübertragung

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Bühnenbildmodell der Katakomben des Phantoms. Foto: Really Useful Group
Bühnenbildmodell der Katakomben des Phantoms. Foto: Really Useful Group
03.10.2011 Rezension

REZENSION | Mit der Liveübertragung in Kinos aus der Londoner Royal Albert Hall konnte das 25-jährige Jubiläum des Musicals "The Phantom of the Opera" auch in Deutschland mitverfolgt werden. Die Produzenten Cameron Mackintosh und Andrew Lloyd Webber entschieden sich dabei nicht wie bei derartigen Events üblich für eine konzertante Fassung, sondern realisierten mithilfe des Bühnenbildes von Matt Kinley eine an die Originalinszenierung angelehnte szenische Darstellung.

Mit Ramin Karimloo (Phantom), Sierra Boggess (Christine) und Hadley Fraser (Raoul) waren die Hauptrollen mit erfahrenen Darstellern besetzt. Vor allem Sierra Bogges konnte mit einer intensiven darstellerischen Umsetzung und exzellenter Stimme überzeugen. Ihr "Wishing you were somehow here again" sorgte nicht nur bei den Zuschauern in der Royal Albert Hall für Begeisterung; die Emotionen, die der Song mit ihrer Interpretation vermittelt, kamen auch bei den Zuschauern im Kinosaal an. Ramin Karimloo gab ein gespaltenes Phantom zwischen Selbstmitleid und damit einhergehender, für Christine gefährlicher, Liebe. Gerade im Finale "Down once more / Track down this murderer" wurde deutlich, welch Pathos Karimloo der Rolle verleiht. Hadley Fraser überzeugte, sicher auch buchbedingt, gerade in den Szenen, in denen er mit Ergriffenheit gegen das Phantom vorzugehen versucht. Gesanglich waren nicht nur die Hauptrollen exzellent besetzt, sondern die gesamte Cast. Auch das große Orchester überzeugte durchgängig mit einer stringenten Umsetzung der Partitur. Dank des Surround-Sounds fühlte sich das Kinopublikum direkt in die Szenerie hineinversetzt.

Das an die Royal Albert Hall angepasste Bühnenbild, das auf den Originalplänen Maria Björnsons basierte, war für eine nur dreimal live aufgeführte Jubiläumsveranstaltung äußerst beeindruckend. Allein durch die Dimensionen, die der Veranstaltungsort im Gegensatz zu einem Theater bot, wirkte Matt Kinleys Adaption pompös. Dabei setzte er vor allem auf Videoprojektionen. Das über der eigentlichen Spielebene positionierte Orchester war dabei umgeben von großflächigen Videoprojektionen auf Leinwand und LED-Wänden. Auf diese Weise wurden Videos und Fotos des Originalbühnenbildes gelungen integriert und teils Livebilder eingespielt, die die Aussage der Handlung unterstützten. So konnte man nach "Think of me" hinter einem sich öffnenden Vorhang das Publikum in der Royal Albert Hall als Livebild, quasi aus Sicht der Christine, applaudieren sehen.  Die bekannten Kandelaber, der Friedhof oder aber der Spiegel in der Garderobe Christines wurden auf diese Art und Weise auf die Bühne geholt. Andere Elemente, wie das Boot des Phantoms, der Schreibtisch im Direktorenzimmer der Oper oder eine kleine Treppe bei "Masquerade" ergänzten die Videos und Bilder als Bühnenelemente.

Die an Harold Princes Regie angelehnte Jubiläumsfassung von Laurence Conner versuchte erst gar nicht, allzu viele neue Elemente einzubringen oder aber neue Ansätze zu liefern. Vielmehr verstand Conner seine Regiearbeit offensichtlich als Adaption. Vor dem Hintergrund der durchdachten und bewährten Originalinszenierung sicher kein Kritik-, sondern eher Pluspunkt.

Vor der Liveübertragung konnten die Zuschauer in den Kinos eine knapp dreißigminütige Dokumentation zur Entstehungsgeschichte des Musicals sehen, die mit Interviews, Originalfilmaufnahmen und Ausschnitten der Inszenierung eine Retrospektive bot. Zwar erinnerten diese Einspielungen an mancher Stelle eher an ein Promotionvideo, als an eine sachliche Dokumentation; doch auch hier waren interessante Beiträge zu sehen, die auf die spätere Übertragung einstimmten. Unter anderem wurde hier bereits auf eine in Kürze erhältliche DVD zum Phantom-Nachfolger "Love never dies" und eine Phantom-UK-Tournee als Neuinszenierung im kommenden Jahr verwiesen.

Im Anschluss an die Jubiläumsfassung begrüßte Komponist Lloyd Webber unter anderem Michael Crawford, das erste Phantom, und Sarah Brightman, die erste Christine. Letztere gab mit vier ehemaligen Phantom-Darstellern, unter ihnen Colm Wilkinson und Anthony Warlow, den Titelsong des Musicals.

Am 14. November 2011 soll der Mitschnitt des Events auf DVD erscheinen. Noch Zeit für einige Überarbeitungen, die bei der Liveübertragung an einigen Stellen auffielen und für eine DVD nicht sonderlich akzeptabel wären: Vor allem ist hier die für Deutschland untertitelte Textfassung zu nennen. Die lyrischen Originaltexte von Charles Hart wurden stellenweise äußerst unpoetisch übersetzt. Aus "Strange Duet" wurde hier beispielsweise "Seltsames Duett", aus "Passion Play" das "Passionsspiel". Eine Mischform aus Übersetzung und Übertragung wäre hier erfreulicher. Auch die Interpunktion sollte dringend überarbeitet werden. An einigen wenigen Stellen der Liveübertragung litt die Sprachverständlichkeit der Solisten. Sicher ein Problem, das bei der tontechnischen Nachbearbeitung des Materials behoben werden kann.

Als gelungen darf nicht nur das grundlegende Konzept der Jubiläumsfassung gewertet werden, sondern auch die Art und Weise der Zweitverwertung: Eine Liveübertragung in Kinos, das zeigte auch ein Blick in den gut gefüllten Saal in Oldenburg, stößt auf großes Interesse. Und auch Rückmeldungen von Kinobesuchern aus ganz Deutschland zeigen: Internationale Musicalvorstellungen live in Kinosäle zu übertragen, scheint auf reges Interesse zu stoßen. Bleibt also zu hoffen, dass das Musical im Kino nicht einmalig bleibt. Das Opernpublikum hingegen ist es bereits seit ein paar Jahren gewohnt, beispielsweise Liveübertragungen aus der New Yorker Metropolitan Opera im Kino zu verfolgen.

Text: Michael Potthast

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Bühnenbildmodell der "Maskenball"-Szene. Foto: Really Useful Group
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Bühnenbildmodell des Daches der Paris Oper. Foto: Really Useful Group
Artikel vom 03.10.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  phantom  london 
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