Bereits anderthalb Stunden vor der Show eine lange Schlange am Einlass, schon 14 Tage vor der Premiere ausverkauft: Die Erwartungen an die Musicalgala "Best of Grusical 5" in der Stadthalle Kamp-Lintfort waren hoch - offensichtlich hat sich der Verein Stage Focus in der Region einen Namen gemacht.
23 junge Leute stehen auf der Bühne, die allesamt sehr ambitioniert sind. Einige von ihnen nehmen Gesangsunterricht, spielen nebenher in Bands oder wollen auf eine Musicalschule. Was sie auf die Bühne bringen, ist optisch alles andere als amateurhaft. Unter der Leitung von Inga Herder und Laura Sundsgaard sind die Darsteller selbst dafür verantwortlich, ihre Kostüme zusammenzustellen. Und das machen sie mit großem Geschick: Oft erinnern die Kleider an die Originalinszenierungen, ohne sie zu kopieren.
Gleiches gilt für die Choreografien von Franziska Polten und Jan Peter Müller, die sich anlehnen an das, was man von den bekannten Inszenierungen im Kopf hat, aber dennoch eigenständig sind. Neben ein paar Requisiten ist es vor allem das stimmungsvolle Licht, das den guten Gesamteindruck abrundet.
Der Künstlerische und Musikalische Leiter Philipp Maurer verlangt seinen Darstellern in der mehr als dreistündigen Show viel ab. Insgesamt werden Highlights aus 14 Shows gezeigt. Vor jedem Block gibt es eine kleine inhaltliche Zusammenfassung, die an die hintere Bühnenwand projiziert wird.
Immer dann, wenn das gesamte Ensemble auf der Bühne steht und mit sichtbarer Freude schnell die richtige Stimmung entstehen lässt, wird es richtig gut. So war es eine kluge Wahl, mit "Milch" aus "Elisabeth" zu beginnen. Sofort ist das Publikum ganz auf der Seite der Darsteller. Fesselnd auch der "Time Warp" aus der "Rocky Horror Show", "Mörder, Mörder" aus "Jekyll & Hyde", "Nur ein Tag" aus "Wicked" und als Zugabe der Titelsong aus "The Addam's Family".
Bei den Solonummern, die meist durch das Ensemble mit Schauspiel oder Choreografie unterstützt werden, beeindruckt vor allem Phillip Maurer, als er "Wie wird man seine Schatten los" aus "Mozart!" anstimmt. Der wohl längste Applaus ist ihm sicher. Aber auch Andrea Eurich als Glinda aus "Wicked" ist herrlich, wenn sie ihrer Elphaba beibringt, wie man die Haare wirft, um bei den Herren der Schöpfung Eindruck zu schinden. Gerrit Simons hat unter anderem als Zahnarzt aus "Der kleine Horrorladen" die Lacher auf seiner Seite.
Erwähnenswert ist insgesamt die Songauswahl. Oft sind es eben nicht die Songs, die man aus einer Show erwartet, sondern andere Perlen wie "Heut Nacht verzauber ich die Welt" aus "Rebecca", "Die Welt ist völlig irr" aus "Jekyll & Hyde" oder einige Nummern aus Frank Wildhorns "Dracula".
Sicher wäre es besser gewesen, die Show um eine halbe Stunde zu kürzen. So hätte man die wenigen Nummern umschiffen können, die noch ein wenig unsauber waren. Doch nach der Show hörte man an der Garderobe lauter zufriedene Zuschauer, die für einen Eintrittspreis von 17 Euro einen durchweg kurzweiligen Abend erlebt haben.
Zu wünschen ist der Truppe, dass sie weiterhin mit so viel Spaß und der notwendigen Ernsthaftigkeit an den Shows weiterarbeitet - dann werden sie die Stadthalle in Kamp-Lintfort bald noch öfter ausverkaufen.
Text: Thorsten Wulf







