Nachdem "Grease" - die Show um die Liebesgeschichte zwischen Danny und Sandy - bereits 2010/2011 auf Deutschland-Tournee war, gibt es nun eine Neuauflage, die auch im deutschsprachigen Ausland zu Gast sein wird.
Dabei handelt es sich um die identische Inszenierung von Regisseur David Gilmore, die mehr Gewicht auf die Songs und die tollen Tanzeinlagen (Choreografie: Melissa Williams) legt, als auf die Entwicklung der Charaktere oder gar die Handlung. Selbst Rizzos Problem, eventuell schwanger zu sein, löst sich innerhalb weniger Minuten in Wohlgefallen auf.
Die sieben Musiker sitzen (oft sichtbar) integriert in das Bühnenbild oberhalb der Spielfläche. Die Show lebt von der spielfreudigen Cast. Alle haben sichtlich Spaß, singen und tanzen, was das Zeug hält, und reißen das Publikum mit. Immer wieder gibt es Szenenapplaus und Lachsalven.
Allen voran Lars Redlich als Danny und Joana Fee Würz als Sandy kommen beim Publikum gut an. Redlich ist mal der verliebte Teenager, mal der coolste Typ der Schule. Er nutzt die wenigen Möglichkeiten, seiner Rolle Tiefgang zu verleihen, voll und ganz aus. Joana Fee Würz ist neu in der Rolle der Sandy. Sie spielt süß, niedlich und verklemmt, und auch gesanglich meistert sie ihren Part mit Bravour. Zusammen sind die beiden ein wirklich ungleiches Paar, das am Ende doch ganz hervorragend zusammenpasst.
Doch auch die anderen Rollen sind wunderbar besetzt. Stefan Rüh, der erst 2011 seine Ausbildung an der Universität der Künste in Berlin abschloss, hat als Kenickie mit "Greased Lightnin'" einen Höhepunkt der Show zu singen, was er bravourös meistert. Ohnehin ist diese Szene genauso ein optischer Höhepunkt: Das Cabrio, das den Namen "Greased Lightnin'" trägt, leuchtet und blinkt, und die Herren tanzen in und auf dem Auto.
Doody wird für einige Vorstellungen während der Tourstation in Köln von Michael Heller gespielt, der sonst eigentlich als Alfred im Berliner "Tanz der Vampire" auf der Bühne steht, wo er ab Ende März 2012 auch wieder zu sehen ist. Er genießt sichtlich jeden Augenblick auf der Bühne - auch in den Momenten, in denen er nur Gitarre übt oder still überlegt, wie er Frenchy (gutherzig gespielt von Jennifer Pöll) um ein Date bitten könnte, ist er immer präsent. Seine Nummer "Those Magic Changes" gibt er mit großer Stimme.
Tim Edwards als Roger steht den bereits genannten Kollegen in nichts nach. Seine Freundschaft mit Jan (Bettina Schurek), dem leicht übergewichtigen aber vorlauten Mädchen, sorgt wiederholt für Lacher: Der kleine Roger fällt immer wieder hin und ist hoher Verletzungsgefahr ausgesetzt, da seine Freundin ihre Kräfte nicht ganz so im Griff hat. Bei den Damen ist es Rizzo, die Anführerin der Pink Ladies, gespielt von Denise Obedekah, der man besonders gern zuschaut. Sie ist taff, sarkastisch, hat eine große Klappe und ist doch auf der Suche nach der großen Liebe. Für ihren Song "There are worse things I could do" erntet sie zu Recht Szenenapplaus.
Ebenfalls zur Cast gehört Alexander di Capri als Vince Fontaine. Schade nur, dass die Rolle regiebedingt recht langweilig ist. Im ersten Akt hört man di Capris Stimme nur aus dem Radio (aus dem Off), im zweiten Akt dient er dann lediglich als Moderator des Tanzwettbewerbs. Immerhin lässt er letztendlich aber noch als Teen Angel mit dem Song "Beauty School Dropout" aufhorchen.
Insgesamt ein großes Vergnügen mit lustigen Perücken, viel Schmiere im Haar, farbenfrohen Kostümen und einem hervorragenden Ensemble. Gute Laune ist garantiert - unbedingt hingehen!
Text: Thorsten Wulf







