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Keine Panik! - Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont" feiert Weltpremiere

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Jessy und Udo gestehen sich ihre Liebe. (Foto: Brinkhoff/Mögenburg)
Jessy und Udo gestehen sich ihre Liebe. (Foto: Brinkhoff/Mögenburg)
14.01.2011

Ausgerechnet auf dem Potsdamer Platz, dort, wo einst die Mauer Berlin teilte, beginnt am 13. Januar 2011 ein brandneues Musicalspektakel. Vor dem Theater stehen unzählige Herren mit unverkennbarem Hut und Sonnenbrille und ziehen nervös wartend an ihrer Zigarette. Dann ein freudiges Aufatmen. Ein weiterer Herr dieses Outfits schlendert dazu, eine innige Umarmorgie beginnt und endet mit diversen genussvoll geschlürften Eierlikörchen. Ist er es oder ist er es nicht? Dann knurrt der Neuankömmling: „Keine Panik, Freunde!" Ja, er ist da. Der Echte. Der Udo Lindenberg! Er will hier auf dem Potsdamer Platz seine Geschichte erzählen. Eine Liebesgeschichte mit einem Mädchen aus Ostberlin.

Das Musical „Hinterm Horizont" erzählt eine filmreife Liebesgeschichte von und mit Udo Lindenberg. 1983 gibt er in Ostberlin ein von Fans frenetisch gefeiertes und der Stasi ängstlich beobachtetes Konzert. Dort lernt er das FDJ-Mädchen Jessy, das „Mädchen aus Ostberlin", kennen und lieben. Doch die Liebe erweist sich, wie bei allen tragischen Romeo und Julia-Geschichten, als schwierig. Udo muss zurück in den Westen und Jessy bleibt im Osten. Während die Stasi hektisch versucht, einen eigenen „Ost-Udo" zu casten, treffen sich die beiden Verliebten in Moskau und verbringen eine leidenschaftliche Liebesnacht zusammen. Zurück in Berlin ist schnell klar, dass Jessy schwanger ist. Doch ein weiteres Zusammentreffen mit Udo scheint unmöglich. Jessy fügt sich ihrem Schicksal und heiratet auf Drängen ihrer Eltern und der Stasi einen anderen Mann. Erst 23 Jahre später, als Deutschland wieder vereint ist, macht sie sich gemeinsam mit ihrem rebellierenden Sohn auf die Suche nach Udo, ihrer großen Liebe. Ob diese filmreife Geschichte wahr ist? Ob es das Mädchen aus Ostberlin wirklich gab? Udo Lindenberg sagt ja. Aber er gibt keine näheren Auskünfte, um seine Lieben zu schützen.

 

Udo Fans kommen auf ihre Kosten!

Über 26 Hits wie „Andrea Doria", „Sonderzug nach Pankow", „Ich lieb dich überhaupt nicht mehr" und „Wenn du durchhängst" werden mit vollem Sound (Musikalischer Supervisor: Andreas Herbig) performt und fügen sich wunderbar in die Handlung ein. Es scheint fast, als wären die Songs nur für dieses Werk geschrieben. Wie kann das sein? Ganz einfach: Die Songs wurden passend gekürzt. Teilweise wird nur eine Strophe gesungen, die gerade zur Szene  passt. Leider verhindert dies, dass man sich in die Musik hineinfallen lassen kann. Jedoch bügeln die vielen Originalfilmaufnahmen von Udo und einem aufgewühlten DDR-Volk diesen musikalischen Atmosphärekiller wieder aus. Das simpel gehaltene und äußerst geschmackvolle Bühnenbild (Raimund Bauer) wird von einem drei Tonnen schweren Lindenberg Hut dominiert.  Die nachgebaute Mauer, umfunktioniert als Leinwand ist dabei sehr effektvoll.

Die liebevoll gecasteten Darsteller geben dem Musical hier die nötige Seele. Josephin Busch spielt die junge Jessy fantastisch unmusicalhaft. Sie wirkt wie ein ganz normales Mädchen, ohne viel Tamtam. Serkan Kaya hat seine Hausaufgaben sehr gut gemacht und wagt sich mutig an die Udo-Rolle heran. Ähnlich nuschelnd und schlackernd wie der Echte tänzelt er lässig über die Bühne und versprüht Charme und Coolness. Aber er hat es schwer. Denn er wird in jeder Sekunde auf der Bühne mit dem echten Udo verglichen. Und dass niemand den wahren „Lindi" kopieren kann, ist den Fans von vornherein klar. Gut, dass das restliche Ensemble mit seiner überzeugenden schauspielerischen Leistung diesen Druck konstant ablässt.

Das Libretto von Thomas Brussig („Helden wie wir", „Sonnenallee") ist humorvoll und lässt keine Ostklischees aus. Wer also auf  wir-machen-Witze-über-die-DDR-Kalauer steht, ist hier genau richtig. Regisseur Ulrich Waller setzt die Szenen humorvoll um und lässt den Mauerfall mit gemeinsam tanzenden Ost- und Westampelmännchen noch einmal Revue passieren. Da wird einem trotz des absurden Kitsch kurzzeitig ganz warm ums Herz.

Auch Udo Lindenberg selbst bekommt da leicht nasse Augen hinter der dicken Sonnenbrille, sagt er. Dabei ist nicht klar, ob ihm die Umsetzung so gut gefällt oder die Hommage an sich selbst. Denn ein klassisches Musical ist „Hinterm Horizont" nicht. Eher eine fulminante Lindenberg-Revue für echte Fans. Aber keine Panik: Wenn den Zuschauern das bewusst ist, bleiben keine Wünsche offen!

Text: Sarah Kurze

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Udo rockt das Atlantic Hotel. (Foto: Tina Acke)
Artikel vom 14.01.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
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