Als am Samstagabend das Musical „Der Graf von Monte Christo“ in der Schweizer Kantonshauptstadt St. Gallen umjubelte Weltpremiere feierte, gehörte der gebürtige Rekener Carsten Axel Lepper zu den gefeierten Stars der Bühne. Als einer der drei Gegenspieler der Titelfigur zog er als Bösewicht mimisch alle Register seines Könnens. Bei der anschließenden Premierenfeier sprach thatsMusical-Redakteurin Stephanie Tatenhorst mit dem Musicalstar über seine Rolle, Glücksmomente bei der Premierenshow und seinen Wunsch, nicht immer nur den Bösewicht spielen zu müssen.
Können Sie Ihre Eindrücke so kurz nach der Premiere überhaupt schon sortieren?
Ja, sortieren geht schon. Wir hatten natürlich ein Premierenpublikum, das heißt Familie, viele Freunde und Verwandte, aber auch Kritiker und Co. Wir haben vor sieben Wochen hier mit den Proben angefangen und viele haben mit dem Erfolg gerechnet – viele aber auch nicht. Jetzt sind wir einfach nur überwältigt – auch im Ensemble – von dem Erfolg und dass sich das Stück so trägt. Wenn man sieben Wochen lang auf etwas hinarbeitet, dann steckt man so drin, dass man irgendwann nicht mehr weiß, ob das noch gut ist, was ich da mache oder was die Kollegen machen. Wir sind jetzt sehr glücklich über das Ergebnis und vor allem, wie es heute Abend angenommen wurde.
Was ist für Sie persönlich die Herausforderung im Stück?
Die Schauspielerei und das Gefecht am Ende. In anderen Musicals habe ich schon viel, viel, viel mehr gesungen. Als ich hier am Haus „Der Kuss der Spinnenfrau“ gemacht habe, hatte ich fast 30-mal so viel zu singen. Vor allem viele Solo-Songs. Das ist diesmal nicht so. Aber ich muss sagen, das Fechten war hier für mich die Herausforderung. Das Gefecht am Ende ist 1,30 Minute lang – und auch wenn das gerade nicht nach viel klingt, das ist schon hart. Wir haben das in zehn Passagen aufgeteilt und jeder Teil hat einen Namen, damit wir wissen, wo wir gerade sind. Und es hat noch nie so gut geklappt wie heute Abend. Thomas (Hauptdarsteller Thomas Borchert, Anm. der Redaktion) und ich haben uns an einer Stelle nur angeschaut und wussten, wir sind genau auf dem Punkt. Bei den ganzen Proben, wir waren nie dort. Wir waren nie auf der eins. Das ist genau dann der Fall, wenn sich die Musik von dem einen Thema ins nächste ändert. Wir waren nie dort – aber heute Abend. Wir schauten uns an und das hieß nur: „Weiter! Weiter kämpfen!“ Das war so ein Glücksmoment – und das sind Momente, die man natürlich auch behält.
Bei den Fechtproben hat es auch richtig Spaß gemacht, mit Jochen Schmidtke (Fechttrainer und Fight Director, Anm. der Redaktion) zu arbeiten. Das ist so ein geduldiger Mensch. Uns beiden Nicht-Fechtern beizubringen, dass es auch noch irgendwie elegant aussieht. Bei mir muss es mehr militärisch ausschauen, bei Thomas muss es mehr elegant. Das war wirklich…. Junge, Junge. (lacht)
Das war auch das erste Mal, dass Sie auf der Bühne fechten mussten, oder?
Ja. Wir hatten es zwar an der Schauspielschule, aber das ist ja auch über zehn Jahre her. Das war ein Workshop. Da ging es um Grundlagen. Wie halte ich einen Degen, was ist eine Parade, was ist eine Finte. Aber das war keine Choreographie.
„Der Graf von Monte Christo“ war eine Uraufführung. Sie wussten vorher eigentlich nicht, worauf Sie hinarbeiten. Wie ist das Stück selbst bei Ihnen angekommen? Ist es etwas Neues oder ein Abklatsch anderer Musicals geworden?
Ich will nicht sagen, dass es etwas Neues ist. Es ist ein Abenteuer-Musical, aber auch die gibt es schon. Man denke nur an „Drei Musketiere“. Aber das Gesamtwerk funktioniert für mich. Natürlich hört man manchmal Melodien heraus und denkt „Ah, das könnte jetzt auch etwas aus Jekyll & Hyde“ sein. Ja, das könnte jetzt was aus dem und dem Stück sein.“ Aber ich glaube, es wäre unfair, das zu bemängeln. Der Komponist ist der Komponist und der hat eben seinen Stil.
Sind Sie denn noch manchmal in Ihrer Heimatstadt Reken oder ist das Kapitel für Sie abgeschlossen?
Nein, eigentlich bin ich nicht mehr dort, denn meine Eltern sind mittlerweile auch weggezogen. Zwar ist mein ältester Bruder noch dort, aber wir telefonieren meist. Ich habe noch Schulkameraden in Reken, mit denen man auch mal telefoniert, aber ein enger Kontakt besteht nicht mehr. Wobei neulich habe ich mal lange mit meinem damals besten Kumpel telefoniert - aus Klein-Reken. Er hat inzwischen zwei Kinder und ein Haus und ich dachte nur „Oh Gott, oh Gott. Bin ich spät dran.“ (lacht) Das ist dann schon schön, aber eigentlich habe ich keinen Kontakt mehr. Aber das ist in der Theaterwelt auch schwer, denn wir haben einen komplett anderen Tagesablauf. Da ist es sehr schwer, Freundschaften zu pflegen oder Freunde zu finden – außerhalb dieser „Bretter, die die Welt bedeuten“. Aber trotzdem habe ich Freunde gefunden. Aber immer an ungewohnten Orten. Letztes Jahr zum Beispiel bei einem Lehrgang.
Was war das für ein Lehrgang?
„Film- und Fernsehschauspiel“ – und der hat mir viel gebracht. Kleiner spielen, aber trotzdem auf den Punkt. Das war für mich schon eine tolle Sache und ich möchte jetzt auch mal in die Richtung gehen. Ich möchte nicht fest fahren.
Gibt es denn irgendwelche konkreten Pläne diesbezüglich?
Leider kann man bei Film und Fernsehen gar nicht planen. Das ist wirklich so, dass wenn die heute anrufen, wollten sie dich gestern. Aber es gibt halt auch so viele Kollegen. Dazu muss man aber auch noch sagen, dass ich fürs Fernsehen am falschen Ort wohne. Ich wohne in Stuttgart – und da ist relativ wenig. Es gibt zwar mal einen Tatort in Stuttgart oder Soko Stuttgart, aber das sind dann kleine Dinge. Da muss man mal anders schauen, vielleicht in Richtung Berlin.
Ich habe mal gelesen, dass Sie gerne bei Rosamunde Pilcher mitspielen würden.
Ja! (bekommt glänzende Augen) Ich will unbedingt mal nach Cornwall oder nach Schottland. Aber da kommt man ja so eigentlich nicht hin. Wenn man so in den Urlaub fährt und seine zwei Wochen Zeit hat, dann fährt man irgendwie zum Strand oder sonst wohin, aber nicht nach Schottland, wo es regnet. (lacht) Also es ist schon wegen der Gegend, aber eine kleine Kitsch-Nudel bin auch. (grinst)
Mit Kitsch haben sie ja auch als Lucheni-Darsteller ihre besondere Erfahrung.
Ja, im Herbst habe ich mein zehnjähriges Bühnenjubiläum – mit Kitsch. Da schließt sich irgendwie der Kreis wieder.
Wenn man sich Ihre Rollen der Vergangenheit anschaut: Lucheni, Jack Farwell, jetzt Mondego. Das ist die Bösewicht-Schiene, die Sie fahren. Ist das Absicht oder ergibt es sich so?
Das ist mit Sicherheit nicht absichtlich. Hier war es natürlich klar, weil Thomas Borchert von vornherein fest war für die Partie des Grafen von Monte Christo. Und dann gab es an Rollen eigentlich nur noch die Bösewichter. Aber ich würde gerne den Tony spielen oder andere, wichtige, schöne Rollen. Aber Musical entwickelt sich immer mehr in Richtung Fernsehen. Das wird immer schlimmer. Da wird immer mehr auf den Typ geachtet: dunkel – also Bösewicht. Blond – der lyrische Held. Das ist leider so. Gleichzeitig fragen die Regisseure aber auch immer „Ja warum spielst Du denn immer nur die bösen Rollen?“ und ich sag dann immer „Ja, das liegt an Euch! Ich besetze mich nicht. Ihr besetzt uns.“ Und wenn man mich als Bösewicht besetzt und ich keine Alternative habe – und ich muss auch meine Brötchen verdienen – dann hat man keine andere Chance.
Ist es denn nicht eigentlich spannender, einen Charakter zu spielen, der dem eigenen Naturell widerspricht?
Ja, natürlich. Es macht ja auch Spaß, diese Rollen zu spielen. Aber ich möchte auch gerne mal wieder was anderes machen. Komischer Weise sagen die Regisseure, die mich dann in die anderen Rollen gesteckt haben, sie würden mich so gerne mal aus dieser Schublade herausholen. Aber das kommt halt immer hinterher.
Gibt es schon Pläne, wie es nach dem Engagement in St. Gallen weitergehen wird?
Nein. Wir spielen hier so sporadisch, da ist es schwierig, etwas anderes anzunehmen. Die Rolle ist körperlich so anstrengend, dass man da mit seinen Kräften haushalten muss. Und auch die Verletzungsgefahr ist vorhanden. Heute hat mich Thomas beim fechten mit dem Degen am Finger erwischt. Das tut schon weh. Und wir haben hier keine Zweitbesetzung. Selbst für Thomas nicht. Da muss man auch mit der Kirche im Dorf bleiben und das Schicksal nicht herausfordern. Immer unter der Prämisse, dass man finanziell damit klar kommt.
Autor: Stephanie Tatenhorst


