thatsMusical - Das Musical-Magazin. Wir lieben Musicals.

thatsMusical ist das kompetente Musicalmagazin für Deutschland, Österreich und die Schweiz mit Musicals, Tickets, Infos und Hintergründen.

thatsMusical - das Musicalmagazin - News über Musicals

Interview mit Holger Hauer: Friedrich als Mensch kennen lernen

30.05.2012 Interview Drucken

Der gebürtige Münsteraner und Wahl-Berliner Holger Hauer hat sich als Regisseur, Musicaldarsteller, Schauspieler, Autor und Übersetzer einen Namen gemacht. Für die Uraufführung des Musicals "Friedrich - Mythos und Tragödie" in Potsdam wurde er als Regisseur verpflichtet. Im Interview spricht er über die Probenvorbereitung, über die Proben selbst, aber auch über Friedrich den Großen und das Musical am Originalschauplatz und gewährt so einen kleinen Blick hinter die Kulissen einer großen Musical-Uraufführung.

Herr Hauer, wie sind Sie an den Regieauftrag für "Friedrich - Mythos und Tragödie" gelangt?
Als es sich konkretisiert hatte, dass das Stück kommen wird, bin ich durch verschiedene Menschen ins Gespräch gebracht worden - zum einen durch den Komponisten Marc Schubring, mit dem ich auch gut befreundet in, und zum anderen durch den Bühnenbildner Christoph Weyers und die Geschäftsführerin vom Gallissas Theaterverlag, Bettina Migge. Gerade Christoph Weyers ist ja quasi so etwas wie mein Haus- und Hof-Bühnenbildner. Diese Menschen standen alle in Kontakt mit den Jungs von Spotlight (Produktionsfirma des Musicals, Anm. d. Redaktion), und so kam es zu dem Kontakt. Ich war dann einmal in Fulda, habe mir dort "Die Päpstin" angesehen und mich mit den Produzenten unterhalten. Im Gespräch hat sich relativ schnell herausgestellt, dass ich für die "Friedrich"-Proben nur vier Wochen Zeit haben würde, weil ich zuvor "Kiss me, Kate" in Dresden mache. Das zog sich dann eine ganze Weil hin. Aber irgendwann kam man doch wieder auf mich zu und sagte mir, dass man mich als Regisseur für "Friedrich" verpflichten möchte. Und mich hat dieser Stoff sehr interessiert. Bei einer entsprechenden Planung und Vorbereitung stellt eine Probenzeit von nur vier Wochen auch kein Problem dar. In Tecklenburg habe ich 2009 "Evita" mit 120 Leuten in nur dreieinhalb Wochen einstudiert, und das ist auch geglückt.

Haben Sie Christoph Weyers als Bühnenbildner für "Friedrich" mitgebracht?
Nein, das stand schon vorher fest, dass er das Bühnenbild entwerfen wird. Das kam dadurch, dass Christoph und Spotlight sowieso schon in Kontakt waren, da er das Bühnenbild für "Die Päpstin" entworfen hatte. So war also schon im Vorfeld klar, dass er bei "Friedrich" eingesetzt wird.

Was für ein Bühnenbild wird uns bei "Friedrich" erwarten?
Wir haben ein sehr klares Bühnenbild. So will ich es mal nennen. Wir haben einen großen leeren Raum, drei fahrbare Treppen und einen großen Soldatenrock, der über den Szenen schwebt und wie eine Marionette mit verschiedenen Bewegungen zum Einsatz kommt. Das wird dann noch mit statischen wie beweglichen Projektionen illuminiert. Letztendlich haben wir ein recht stilisiertes Bühnenbild.

Inwiefern hatten Sie als Regisseur bei Bühnenbild und Kostüme denn Mitspracherecht?
Bei Christoph Weyers und mir geht das sehr gut Hand in Hand. Mal hat er eine zündende Idee für ein Bühnenbild und mal habe ich sie. Wir hatten auch schon die Situation, dass ich eine ganz tolle Idee hatte, aber seine noch viel besser war. Also wurde seine Idee auch umgesetzt. Wir gehen da gar nicht eitel miteinander um, gottseidank. Das, was letzten Endes dem Stück und meiner Inszenierung am besten dient, nehmen wir. Also das ist dann quasi der Ideenprozess. Aber die Details und die Ausarbeitung des Bühnenbilds ist natürlich seine Arbeit.

Wann sind Sie als Regisseur in die Vorbereitungen für "Friedrich" eingestiegen?
Ich bin schon relativ früh eingestiegen - noch bevor ich im April 2012 "Kiss me, Kate" in Dresden inszeniert hatte. Aber das Stück war zu dem Zeitpunkt noch nicht fertig. Es gab die Problematik, dass es bereits einen Bühnenbildentwurf gab, in dem ich schon Teile vorinszeniert und Szenen vorbereitet hatte. Allerdings wurden dann einige Teile des Bühnenbilds gestrichen, so dass diese Vorbereitungen hinfällig waren. Anschließend habe ich ja "Kiss me, Kate" gemacht und konnte mich in der Zeit kaum mit "Friedrich" beschäftigen. Ich muss aber dazu sagen, dass ich in solchen Dingen relativ schnell bin und immer versuche, einen klaren Kopf zu bewahren. Und gerade bei "Friedrich" habe ich den Vorteil, dass ich mit Darstellern arbeiten darf, die mich auch mit Ideen füttern. So kann man Dinge natürlich sehr schnell und klar entwickeln. So setzte ich mich zum Beispiel abends hin und mache mir Gedanken über den Probentag. Denn es kommt ja immer mal wieder was Neues dazu bei so einer Uraufführung, es wird Musik gestrichen, neue Musik kommt, es gibt Veränderungen. Das erfordert oftmals schnelle Reaktionen.

Das Musical "Friedrich - Mythos und Tragödie" behandelt ein historisches Thema. Gehen Sie an so ein Thema anders heran als beispielsweise an ein Stück wie "Kiss me, Kate"?
Letztlich versuche ich immer, eine gute Geschichte zu erzählen. Und letztlich versuche ich, das mit guten Leuten umzusetzen, so dass es die Zuschauer berührt. Das ist erst mal bei jedem Stück gleich. Bei einem historischen Thema denke ich natürlich auch daran, wie sich die Leute in der damaligen Zeit bewegt haben. Eher Handkuss oder Handschlag? Das sind Fragen, die ich mir stelle und beantworten muss. Es sind also zeitspezifische Dinge, auf die ich mich vorbereite - zumindest dann, wenn man es klassisch macht. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten, einen historischen Stoff zu inszenieren. Wenn man "Friedrich" zum Beispiel völlig verfremdet auf die Bühne bringen wollte, alle Darsteller dabei auf einem Bein hüpfen und Kikeriki rufen sollen, dann würde ich mich natürlich anders vorbereiten (lacht).

Da Sie gerade die Verfremdung eines Stoffes ansprechen: Wie viel Wahrheit und Fiktion steckt denn eigentlich im Musical "Friedrich"?
Es ist viel Wahres dabei. Die grundsätzliche Geschichte von Friedrich dem Großen ist im Musical vorhanden. So ist es für den Zuschauer möglich, Friedrich als Mensch - gerade auch psychisch - kennen zu lernen. Es steckt aber auch Fantasie in die Stück, beispielsweise ein Liebesverhältnis zwischen Hans Hermann von Katte und Friedrichs Schwester Wilhelmine. Das haben die Autoren frei erfunden, um auch eine kleine Liebesgeschichte in dem Musical erzählen zu können.

Haben Sie sich selbst denn schon im Vorfeld mit Friedrich dem Großen beschäftigt?
Vor dem Musical, muss ich zugeben, habe ich mich so gut wie gar nicht mit Friedrich dem Großen beschäftigt. Ich kann nicht behaupten, die preußische Geschichte sei ein Steckenpferd von mir. Aber es ist wie so oft im Leben: Sobald man sich mit Dingen beschäftigt, werden sie auch interessant und spannend. Und so ging es mir mit Friedrich dem Großen.

Sind Musicals am Originalschauplatz, also Musicals mit lokalem Bezug, eigentlich zukunftsträchtig, so dass sie sich auch für Aufführungen an anderen Orten eignen? Oder sind das Musicals mit Eventcharakter, die - wenn überhaupt - nur am Originalschauplatz funktionieren?
Ich glaube nicht, dass man anfangen wird, ein Elvis-Musical nur noch in Las Vegas zu spielen. Aber ich finde, es ist grundsätzlich eine gute Idee, Musicals am Originalschauplatz zu spielen. Vor allem in Potsdam ist Friedrich an allen Ecken, zahlreiche Touristen kommen deshalb in die Stadt. Man muss ganz klar sagen, dass so ein Musical auch Eventcharakter hat. Aber das ist ja überhaupt nichts Negatives. Ich finde es richtig, dass man sich zu Friedrichs 300. Geburtstag auch mit dem Genre Musical beschäftigt und versucht, den Leuten diese Figur so auf eine ganz andere Art näher zu bringen.

Was erwartet die Zuschauer beim Musical "Friedrich - Mythos und Tragödie"?
Zum einen ein gewisses Maß interessanter Informationen zu Friedrich dem Großen und seiner Zeit. Zum anderen aber ein musikalisch und optisch sehr schönes und opulentes Stück Musiktheater. Ich persönlich finde das Stück sehr pfiffig und mag die Musik von Marc Schubring und Dennis Martin. Und ich denke, wer sich bislang noch nicht mit Preußen und Friedrich beschäftigt hat, kann durch das Musical Lust darauf bekommen. So kann man nicht nur ein schönes Musical erleben, sondern vielleicht auch sein Interesse an einem Thema entdecken, so dass man hinterher eventuell noch etwas darüber liest oder eine Ausstellung zum Thema besucht. Ich finde, das ist eine schöne Sache. Das Musical bietet also eine andere besondere Art, sich mit Preußen und Friedrich dem Großen zu beschäftigen.

Interview: Dominik Lapp

 

Lesen Sie zu diesem Thema auch:
Proben-Reportage "Friedrich - Mythos und Tragödie" (24.05.2012)
Rezension "Friedrich - Mythos und Tragödie" (04.06.2012)
Fotogalerie der Premiere (06.06.2012)
Interview mit "Friedrich"-Hauptdarsteller Chris Murray (25.06.2012)
CD-Rezension "Friedrich - Mythos und Tragödie" (23.07.2012)
Ausstellungsbesprechung "Friederisiko" (demnächst)

© Copyright thatsMusical Verlagsgesellschaft bR, thatsmusical.de. Alle Rechte vorbehalten.
Artikel vom 30.05.2012    |    Musicalmagazin    |    Startseite

Beliebte Meldungen aus dem Musicalmagazin, die für Sie interessant sein können:




Musicalkarten gibt es auch auf das-musical.de
Suche
Musicals & Tickets
redaktionell gepflegt, erscheint unregelmäßig
Anzeige
Facebook Fan
thatsMusical Facebook Seite - Sie verlassen thatsmusical.de
Twitter
thatsMusical bei twitter - Sie verlassen thatsmusical.de
youtube
thatsMusical TV auf youtube.com - Sie verlassen thatsmusical.de
Anzeige
Nach dem Musical ins Hotel!
Musical CDs und DVDs
Die thatsMusical App
thatsMusical gratis für das Smartphone:
thatsMusical App
thatsMusical App
RSS Feed
thatsMusical rss feed
Anzeige
© Copyright by thatsMusical Verlagsgesellschaft bR - das Medienhaus für Musical und Entertainment, Germany. Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt.
thatsMusical ® ist eine eingetragene Marke der thatsMusical Verlagsgesellschaft bR beim Deutschen Patent- und Markenamt.
Die Rechte einschließlich © Copyright aller abgebildeten Musical-Cover, -Titel, -Logos, -Bilder und -Fotos liegen beim jeweiligen Produzenten, Vermarkter bzw. Rechteinhaber.
Musicalnetzwerk: Musical, Musicaltickets, Musicalverlag