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Interview mit Matthias Davids: Neues und Ungewöhnliches entdecken

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Matthias Davids. Foto: Privat
Matthias Davids. Foto: Privat
11.01.2012 Interview

Der Regisseur Matthias Davids ("Miss Saigon") übernimmt künftig die Leitung des neuen Musicalensembles am Landestheater im österreichischen Linz (wir berichteten). Im Interview spricht Davids über erste Pläne für die Linzer Musicalsparte.

Ab Dezember 2012 werden Sie Leiter des Musicalensembles am Landestheater Linz. Wie kam es dazu?
Ich habe schon eine Menge - ich glaube, acht - Produktionen in Linz inszeniert, so dass man das Landestheater fast schon als mein Stammhaus bezeichnen kann. Darunter waren nicht nur Musicals wie "West Side Story", "Crazy for You" und Gershwins "Of Thee I sing", sondern auch viele Opern, von der Barockoper über "La Bohème" und "Das schlaue Füchslein" bis zur österreichischen Erstaufführung von Siegfried Matthus' "Die unendliche Geschichte". So habe ich die Stadt Linz und ihr Theater lieben gelernt, und offenbar ist die Liebe nicht völlig einseitig geblieben, so dass man mir die Leitung der neuen Musicalsparte angeboten hat. Die Etablierung des Musicalensembles als fünfte Sparte am Landestheater geht darauf zurück, dass sich mit dem Bau des Neuen Musiktheaters am Volksgarten bei gleichzeitigem Erhalt aller anderen Spielstätten das Theater und die Zahl der täglich zu füllenden Sitzplätze erheblich vergrößern.

Während ein Stadttheater in der Regel ein Musical pro Spielzeit in seinem Opernspielplan unterbringt, soll das Musical am Landestheater Linz nun als eigenständige Sparte etabliert werden. Wie genau soll das aussehen? Wie viele Musicalinszenierungen sind pro Spielzeit geplant? Welche Art von Stücken ist vorgesehen?
Je nach Größe der Produktionen planen wir drei bis fünf Premieren pro Spielzeit. Wir werden mit unserer Sparte alle Spielstätten vom Neuen Musiktheater am Volksgarten über das alte Opernhaus, das zum Schauspielhaus umgebaut wird, und die Kammerspiele bis hin zum Black-Box-Theater im neuen Haus bespielen. Das relativ kleine Musicalensemble wird bei allen größeren Produktionen von hauseigenen Kräften aller Sparten und von Gastdarstellern unterstützt. Konkret will ich über die Stückauswahl noch nichts sagen – das muss bis zur offiziellen Pressevorstellung des Eröffnungsspielplans warten. Allerdings darf man sich auf Produktionen aller Couleur freuen, Klassiker und Erstaufführungen, große Produktionen im Musiktheater und Kammerstücke im Studio, Tanz-, Konzept-, Familien- und Comedy-Musicals. Sie merken schon, festlegen lassen will ich mich nicht.

Werden Sie alle Musicals in Linz selbst inszenieren oder auch mit Gastregisseuren zusammenarbeiten?
Ich werde natürlich die Eröffnungsproduktion in meine eigenen Hände nehmen und in jeder Saison zwei bis drei Inszenierungen übernehmen. Daneben werden wir aber auch andere Inszenierungsteams ans Linzer Landestheater holen. Sonst wäre die Gefahr, im eigenen Saft zu schmoren, viel zu groß.

Wie groß wird das Musicalensemble sein, und können Sie die Darsteller eigenverantwortlich aussuchen?
Das Stammensemble, für das Anfang des Jahres Auditions abgehalten werden, wird voraussichtlich sieben Darsteller umfassen. Je nach den Erfordernissen der Produktion werden wir natürlich weitere Musicalgäste und Ensemblemitglieder des Schauspiels, des Balletts und der Oper verpflichten können. Wir haben die Größe des Stammensembles absichtlich relativ klein gehalten, damit sich jeder Darsteller adäquat präsentieren und entwickeln kann. Aus dem gleichen Grund konzentrieren wir uns bei der Spielzeitplanung auf Werke, bei denen das Ensemble statt einer einzigen Hauptfigur die Handlung trägt.

Gibt es schon spruchreife Pläne für Ihre erste Spielzeit? Wird es einen Schwerpunkt, wie zum   Beispiel österreichische Erstaufführungen, geben?
Wir haben bereits Pläne bis ins Jahr 2015, aber spruchreif ist bis zur offiziellen Pressepräsentation gar nichts. Da bitte ich um Verständnis.

Das TfN in Hildesheim war das erste Stadttheater mit einer eigenen MusicalCompany, deren Gründer Christian Gundlach das Haus zum Ende der Spielzeit 2011/2012 verlässt. Gundlach ist selbst Musicalautor. Könnten Sie sich künftig eine Zusammenarbeit mit ihm in Linz vorstellen?
Natürlich ist die Entwicklung eigener Stücke auch Teil unserer Planung. Mit welchen Autoren und Komponisten diese Uraufführungen in Angriff genommen werden, soll selbstverständlich erst dann in die Öffentlichkeit getragen werden, wenn das Projekt ausreichend Potenzial verspricht.

Das Musical als eigene Sparte an einem Mehrspartenhaus zu etablieren bedeutet auch, dass das Musical repertoirefähig ist. Warum ist es das?
Die Frage müsste wohl eher lauten: Warum wurde das Musical bisher - abgesehen von der einen Ausnahme am TfN Hildesheim - nicht als repertoirefähig, wie Sie es bezeichnen, angesehen? Die Antwort liegt wohl in der historischen Entwicklung der deutschsprachigen Theaterlandschaft. Aufgabe des subventionierten Theaters ist in erster Linie und völlig zu Recht, ein vielfältiges Theater von Oper über Schauspiel bis zum Tanz zu ermöglichen, das ohne staatliche Unterstützung undenkbar ist. Und wenn man auch zuweilen über eine gewisse Beamtenmentalität an den subventionierten Häusern klagen mag - was für wundervolle Dinge sind in diesem System doch möglich! Welche Orchideen gibt es da zu bestaunen, die niemals blühen könnten, wenn sie für eine gut gefüllte Kasse eines kommerziell orientierten Produzenten sorgen müssten. Das Musical dagegen galt in diesem System als eine Form von Volkstheater, das sich selbst finanzieren kann oder das gar die Uraufführung einer modernen Oper mit vier halb verkauften Vorstellungen mittragen soll. Der Vielfalt des Genres Musical konnte man auf diese Weise natürlich nicht gerecht werden. Die Zahl der gespielten Stücke belief sich ungefähr auf ein Dutzend, die Orchideen des Musicals, um im Bild zu bleiben, verdorrten oder fristeten ihr kümmerliches Dasein an wenigen und eher kleinen Bühnen, die sich an auch weniger bekannte Stücke wagten. Mit der Linzer Musicalsparte hoffen wir nun, beides vereinen zu können. Wir wollen populäre Stücke spielen, aber dem interessierten Linzer Publikum auch die Möglichkeit geben, Neues und Ungewöhnliches zu entdecken.

Interview: Dominik Lapp

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Der Vorplatz des neuen Musiktheaters in Linz (Animation). Foto: Terry Pawson Architects
Artikel vom 11.01.2012    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  matthias  davids  landestheater  linz 
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