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Interview mit Rory Six: Man muss sich selbst treu bleiben

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Rory Six. Foto: Privat
Rory Six. Foto: Privat
07.11.2011 Interview

Rory Six wurde in Belgien geboren und ließ sich an der Stage School im niederländischen Tilburg zum Musicaldarsteller ausbilden. Im deutschsprachigen Raum stand er in Musicals wie "Les Misérables" (Berlin), "Elisabeth" (Stuttgart), "Dracula" (Graz) und "Rudolf" (Wien) auf der Bühne. Nebenbei komponiert Six und schreibt eigene Musicals. Erst kürzlich wurde sein viel gelobtes Musical "Wenn Rosenblätter fallen" in mehreren deutschen Städten und in Wien aufgeführt. Über dieses Musical spricht Rory Six im Interview.

Wie gingen Sie die Thematik Krebs und Sterbehilfe musikalisch an, um sie für ein Musical wie "Wenn Rosenblätter fallen" umzusetzen?
Über die musikalische Umsetzung wurde lange diskutiert. Man hätte das ganze Stück schräg komponieren können. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Wir wollten für dieses Stück Songs schreiben. Der Grundgedanke war, dass jeder Song eine kleine Geschichte für sich erzählt.

Welche Gesichtspunkte mussten beim Schreiben der Musik berücksichtigt werden, um das Thema musikalisch so umzusetzen, dass dabei auch die Emotionen richtig rüberkommen?
Das ist eine Gefühlssache. Es gibt Komponisten, die setzten sich hin und denken sich etwas aus. Persönlich funktioniert diese Herangehensweise für mich nicht. Ich muss immer wissen, wo wir in der Geschichte sind: Was braucht diese Person, worüber soll es handeln? Und dann fange ich an zu schreiben. Es ist durchaus möglich, dass der Text schon komplett vorhanden ist oder nur Gedanken vorhanden sind. Durch solche Gedanken ist zum Beispiel auch das neue Frauenduett “Teil von dir“ im Stück entstanden.

Wie beschreiben Sie die Musik von "Wenn Rosenblätter fallen"?
Vom Stil wurden die Lieder von Rose (Tills Mutter) eher im Chansonbereich angeordnet. Till hat eher die stärkeren Lieder bekommen, Iris die typischen Uptempo-Songs.

Um dieses Thema umzusetzen, braucht es starke Darsteller, da das Stück emotional sehr fordernd ist. Worauf achtet man also bei der Zusammensetzung der Cast?


Die Auswahl der Darsteller erfolgt nach ganz viel Gefühl. Carin Filipčić hatte bereits unseren Workshop in Wien gemacht. Wir wussten, dass Carin diese Rolle spielen kann. Daher musste sie keine Audition mehr machen. Jana Stelley konnte ich mir gut in der Rolle der Iris vorstellen, weshalb ich sie gefragt, ob sie eine Audition für die Rolle machen möchte. Stefanie Köhm und Dirk Johnston mussten ebenfalls eine Audition machen. Es kommt auch darauf an, ob die Darsteller, die zu einer Audition kommen, zum Typ der Rolle passen.

Manche Menschen verbinden Musical mit seichtem Amüsement. Nicht so bei dem Thema dieses Stücks. Was erwartet den Zuschauer bei "Wenn Rosenblätter fallen"?
Die Zuschauer sollen mit der Geschichte oder mit Grundgedanken mitgenommen werden. Unser Ziel war es, die Leute zu berühren. Ich glaube, dass uns das mit diesem Stück gelungen ist. Wichtig war Kai Hüsgen (Co-Autor, Anm. d. Redaktion) und mir auch, die Fallhöhen in diesem Stück deutlich werden zu lassen. In der einen Szene ist man fröhlich und positiv (Iris: „Ich krieg dich rum“) und in der darauffolgenden Szene sieht man die extremen Folgen der Chemotherapie. Genau diese Achterbahnfahrt ist es, denke ich, die die Leute bewegt. Interessant waren auch die Rückmeldungen der Zuschauer, die wir erhalten haben. Fast jeder verbindet eine persönliche Geschichte mit diesem Stück. Viele sagten, dass ihnen die Geschichte ein Stück weit geholfen hat, diese Erlebnisse zu verarbeiten. Es ist schön, dass Theater so was erreichen kann. Zurzeit gibt es meiner Meinung nach kein Stück, aus dem die Leute rauskommen und sich erst mal zu Hause hinsetzen, runterkommen und ihre Gedanken sortieren müssen. Trotzdem sind die Reaktionen durchweg positiv.

Thema Kritiken: Werden sie gelesen? Und wenn ja, wie beeinflussen diese eine Produktion?
Man liest Kritik und man nimmt sie auch wahr. Kritiken sind immer Meinungen verschiedener Leute. Aber einen Einfluss auf die Arbeit haben Kritiken nicht. Wichtig ist, dass wir als Autoren mit der Arbeit zufrieden sind. Man muss sich selbst treu bleiben, sich gegenüber immer selbstkritisch sein und offen für Änderungen bleiben. Theater soll für das Publikum gemacht werden und nicht um der Kunst Willen.

Gibt es schon Pläne, wie es jetzt nach der kleinen Tour mit "Wenn Rosenblätter fallen" weitergeht?
Für weitere Schritte haben wir viele Gedanken. Wir möchten das Stück gerne weiter auf Tour schicken und würden gerne Theater wie das KATiELLi Theater in Datteln ansprechen, die das Stück gern einkaufen. Ein weiterer Gedanke ist eine englische Fassung des Stücks, um es in England aufzuführen. Das sind soweit mal die Pläne. Erste Kontakte sind geknüpft, alles Weitere bleibt abzuwarten.

Die Geschichte von "Wenn Rosenblätter fallen" basiert auf einem Jugendbuch. Könnte man da nicht auch Schulen ansprechen, die das Stück eventuell zur Unterrichtsbegleitung besuchen?
Schulklassen waren ja schon in unserer Generalprobe. Der erste Gedanke von Kai und mir war, dass das Stück nichts für Jugendliche ist. Komischerweise haben wir festgestellt, dass es genau deren Humor trifft und sie auch die Musik toll finden. Zwar waren die Jugendlichen nach dem Stück fix und fertig, aber auch total begeistert. Wir haben ihnen auch die entsprechende Begleitung angeboten und ihnen die Möglichkeit gegeben, nach der Aufführung mit uns zu sprechen und Fragen zu stellen. Wir wollen da im Bereich Schulförderung mal schauen, ob man in dieser Richtung etwas machen kann.

Interview: Iris Steger

Artikel vom 07.11.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  wenn  rosenblaetter  fallen  rory  six 
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