Wietske van Tongeren absolvierte ihre Musicalausbildung im niederländischen Tilburg. Anschließend wurde die Niederländerin vor allem in Deutschland und Österreich bekannt, wo sie unter anderem die Titelrolle in "Elisabeth" und Rollen wie die "Ich" in "Rebecca", Kronprinzessin Stephanie in "Rudolf" sowie Königin Anna in "3 Musketiere" übernahm. Seit Oktober 2011 ist sie am Landestheater Salzburg als Maria in "The Sound of Music" zu sehen. Im Interview spricht Wietske van Tongeren über dieses Musical, ihren Bezug zur Rolle der Maria und das gute Verhältnis zu ihrem Bühnenpartner Uwe Kröger.
Wann sind Sie mit "The Sound of Music" erstmals in Berührung gekommen?
Als ich ein kleines Mädchen war, habe ich im Fernsehen den Film "The Sound of Music" gesehen. Es hat mich fasziniert. Die Musik und die Stimme von Julie Andrews fand ich wunderschön. Damals habe ich alle Lieder mitgesungen, und bis heute kann ich alle Lieder auf Englisch auswendig. Mit "The Sound of Music" verbinde ich schöne Erinnerungen an meine Kindheit.
"The Sound of Music" ist nach 52 Jahren erstmals in Salzburg zu sehen. Wie erklären Sie sich, dass es so lange gedauert hat?
In Holland und eigentlich fast überall auf der Welt ist dieser Film sehr bekannt. Ich wusste nicht, dass der Film im deutschsprachigen Raum gar nicht so bekannt ist. Aber eine Erklärung dafür ist schwierig. Wir haben während der Probenzeit auch oft darüber geredet. Vielleicht hat es mit dem Thema Krieg zu tun. Damals hat ein Großteil Salzburgs mit den Nazis kooperiert. Das ist natürlich nach dem Krieg sehr schwierig gewesen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, warum der Film hier nicht so wirklich ankam. Und ich denke, der Film ist für viele Leute auch zu kitschig und hat sich von der wahren Geschichte etwas entfernt.
Was bedeutet Ihnen "The Sound of Music"?
Für mich steht "The Sound of Music" für Familien- und Heimatliebe. Durch die Musik findet eine Familie wieder zusammen - das finde ich sehr schön, da Musik auch in meiner Kindheit sehr prägend war. Dass dieses Stück jetzt endlich nach Salzburg gekommen ist, finde ich großartig. Und ich hoffe, dass wir durch unsere Inszenierung und die schöne Musik das Publikum für "The Sound of Music" begeistern können, so wie mich der Film damals begeisterte.
Haben Sie die Stadt Salzburg schon vor Ihrem Engagement mit "The Sound of Music" in Verbindung gebracht, oder haben Sie die Stadt vorher gar nicht bewusst wahrgenommen?
Ich war tatsächlich für die Audition zum ersten Mal in Salzburg. Zwar habe ich in der Nähe von Salzburg das Skifahren gelernt, aber hatte nie die Möglichkeit, mir die Stadt anzuschauen. Durch Erzählungen und Bilder wusste ich, dass Salzburg eine schöne Stadt ist. Aber erst als ich für die Proben angereist bin, wurde mir wirklich klar, wie viel diese Stadt eigentlich bietet. Ich hatte während der Proben zwar nicht viel Freizeit, aber ich war jeden Sonntag mit meinen Kollegen unterwegs in Salzburg und der Umgebung. Das schönste Erlebnis war der Tag, an dem wir den Untersberg hoch- und runtergelaufen sind. So viel schöne Natur, so ein freies Gefühl – das war herrlich. Und auch die Stadt ist einfach ein Traum.
Bei der Premiere von "The Sound of Music" in Salzburg waren auch Mitglieder der echten Trapp-Familie anwesend. Hat Sie das unter Druck gesetzt, und wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen?
Der Tag der Premiere war aufregend wie jede Premiere. Aber da meine Rolle so viel Lebensfreude, Wärme und Energie bringt, war ich zwar aufgeregt, aber positiv aufgeregt. Die positive Energie war so groß, dass ich es richtig genießen konnte. Es war eine Ehre, dass die Familie von Trapp da war. Ich hatte auch die Möglichkeit, im Vorfeld der Premiere mit der Familie zu sprechen, und sie waren alle so lieb und haben uns total unterstützt. Also Druck habe ich da überhaupt nicht gespürt. Ich war nur extrem motiviert.
Wie haben Sie sich auf die Rolle der Maria vorbereitet? Inwiefern haben Sie den Film für die Vorbereitung genutzt?
Da ich den Film schon so oft gesehen habe, wusste ich, was auf mich zukommen würde. Da ich aber Julie Andrews' Stimme im Kopf hatte, wollte ich etwas Abstand vom Film bekommen. Ich habe dann die Biografie der echten Maria von Trapp gelesen und viele Orte besucht, an denen die wahre Geschichte stattgefunden hat. Da mir die englischen Songtexte noch so sehr im Kopf waren, habe ich mich besonders auf die deutsche Übersetzung konzentriert. Dass die Rolle der Maria und ich uns sehr ähnlich sind, habe ich dann auch schnell herausgefunden. Die ehrliche und positive Kraft, die diese Rolle braucht, ist für mich mein Motor.
Wie ist es für Sie, in einem weltbekannten Musical die Hauptrolle zu spielen?
Das ist wirklich eine Ehre. Ich habe jede Rolle geliebt, die ich bisher gespielt habe. Aber bei Maria habe ich sehr schnell herausgefunden, dass wir uns sehr ähnlich sind. Die Rolle ist ehrlich und offen wie ein Kind - und sie ist sehr positiv. Es macht großen Spaß, diese Rolle zu spielen, und sie gibt mir auch sehr viel positive Energie.
Die englischen Songtexte von "The Sound of Music" sind weltweit bekannt. Warum ist es trotzdem richtig, dass die Inszenierung in Salzburg auf Deutsch ist?
Die Familie von Trapp war eine Salzburger Familie, ihre Sprache war Deutsch. Natürlich sind die Lieder auf Englisch weltbekannt. Aber wir spielen in Salzburg und haben auch eine sehr schöne deutsche Übersetzung. Ich glaube, durch diese Übersetzung bringen wir das Stück den Salzburgern etwas näher. Für das ausländische Publikum haben wir außerdem englische Übertitel, und zum Schlussapplaus singen wir eine Zugabe auf Englisch.
Nach "Rebecca" und "Rudolf" spielen Sie nun in "The Sound of Music" schon zum dritten Mal an der Seite von Uwe Kröger. Ist es für Sie ein Vorteil für das Zusammenspiel auf der Bühne, oder spielt das keine Rolle?
Uwe und ich hatten das Glück, schon in drei Produktionen miteinander spielen zu dürfen. Trotzdem ist jedes Stück anders, und in jedem Stück sucht man die Beziehung zueinander neu. Da wir uns aber auf und hinter der Bühne sehr gut verstehen, müssen wir manchmal nur einen Blick austauschen, um zu wissen, wie es dem anderen geht. Wir haben Vertrauen zueinander, was für eine Liebesgeschichte auf der Bühne sicher sehr wichtig ist.
Interview: Dominik Lapp







