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Ironisch gut: "Der Tod und die Mädchen" in Berlin

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"Der Tod und die Mädchen". Foto: Stammzellformation
"Der Tod und die Mädchen". Foto: Stammzellformation
15.11.2011 Rezension

„Triff den Tod, sonst trifft er dich“, heißt es seit kurzem im Kesselhaus der Kulturbrauerei Berlin, in dem die mittlerweile stadtbekannte Stammzellformation mit ihrer neuesten Musicalinszenierung "Der Tod und die Mädchen - Das Ende des Musicals" das Thema Selbstmord aufgreift und eine sonst so ernste Problematik mit viel Ironie und Witz in ein helleres Licht rückt. Hier wird gesungen, getanzt, gesteppt, improvisiert und vor allem gespielt - die Stammzellformation beweist erneut vielseitiges Bühnentalent.

Kara und Sunny treffen sich zufällig auf der Brücke und warten auf den Acht-Uhr-Zug. Doch vor allem zum Ärger von Kara kann man sich auf die Deutsche Bahn einfach nicht verlassen. Nicht mal, wenn man sich vor den Zug werfen will, kommt dieser pünktlich - eine Unverschämtheit! „Das suizidale Gewerbe ist echt kein Spaß“, heißt es wortwörtlich, und so sehr sich die beiden Freundinnen auch bemühen, wird die langersehnte Erlösung durch den Tod letztlich immer wieder verhindert. Stattdessen taucht wiederholt der gut aussehende Todd auf - jedes Mal mit einem anderen Namen, jedoch immer in gleicher Mission.

Seit ihrer offiziellen Gründung im Jahr 2009 zeigt die Berliner Stammzellformation - gegründet von Tom van Hasselt, Nini Stadlmann und Hendrik Weber - mit "Der Tod und die Mädchen" wiederholt, was sich außer der einfachen Darbietung einer Geschichte aus Theater sonst noch machen lässt. Hier wird nicht nur eine Story erzählt. Vielmehr findet eine Vermischung verschiedener erzählerischer Ebenen statt, sehr zur Unterhaltung und Überraschung der Zuschauer. So steigen die Darsteller in regelmäßigen Abständen aus dem Stück aus, um sich in der scheinbar wirklichen Welt als die Schauspieler, die sie sind, gegenüberzutreten. Sie konkurrieren dann mit Schnick-Schnack-Schnuck um die Rollenvergabe ihrer nächsten Produktion, suchen die Textblätter zum aktuellen Stück auf der Bühne zusammen und streiten über alternative Enden. Mit einem kurzen musikalischen Signal steigen sie daraufhin wieder in ihre Rollen - das Publikum ist sofort wieder bei Kara und Sunny und die Darstellerinnen Nini Stadlmann und Melanie Haupt sind vergessen.

Das so genannte "Ende des Musicals" macht es sich zur Aufgabe, die klassische Form des Musicals zu reformieren. Und wer sagt, dass dieses grundsätzlich kitschig, pompös und eindeutig sein muss? Die Stammzellen bieten jedenfalls eine unterhaltsame und frische Alternative. Musik gibt es hier vom Keyboard, Gitarre, Quer- und auch Panflöte. Die Songs reichen vom Kanon bis zur rührenden Ballade wie "Geh bitte nicht vor mir", in dem Haupt und Stadlmann gesanglich überzeugen. Ein großes Bühnenbild ist hier nicht nötig. Stattdessen wird der Schauplatz mit Talent und Abwechslung gefüllt. Spätestens wenn die drei Darsteller auch noch eine Stepp-Performance abliefern, wird klar, dass es bühnentechnisch kaum etwas gibt, was die drei nicht beherrschen.

Begleitet wird das Ganze von einer herrlichen Ironie, die das Thema Tod und Romantik, aber vor allem die musicaltypische Dramatik gehörig auf die Schippe nimmt. So sind die Gesten teilweise mit Absicht ein wenig zu ausladend, die Figuren zu verzweifelt und die Geschichte zu abgedreht. Diese Komik führt trotz des ernsten Themas zu einer entspannenden Leichtigkeit im Publikum, das sichtlich froh erscheint, Theater hier einmal nicht so ernst nehmen zu müssen.

Wer Themen wie Tod und Selbstmord also zur Abwechslung mal auf die leichte Schulter nehmen mag und sich auf ein sehr musikalisches Nicht-Musical einlassen kann, wird viel Spaß mit "Der Tod und die Mädchen" haben haben: „Ein Stück für gebildete Menschen, Schubertkenner, Feuilltionleser - für alle, die mit Selbstmord was anfangen können“, heißt es in der Geschichte selbst. Aber keine Angst: Eigentlich sind es vor allem die mutigen Lebenshungrigen, die hier auf ihre Kosten kommen.

Text: Julia Hoffmann

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"Der Tod und die Mädchen". Foto: Stammzellformation
Artikel vom 15.11.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  der  tod  und  die  maedchen  stammzellformation  berlin 
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