Nach einer umjubelten ersten Spielzeit wurde "Jekyll & Hyde" in der Inszenierung von Andreas Gergen und Christian Struppeck im Oktober 2009 am Magdeburger Theater wiederaufgenommen. Neben Yngve Gasoy-Romdal in der Titelrolle und Katharine Mehrling als Lucy steht Leah Delos Santos in der Rolle der Lisa auf der Bühne. Das großartige Trio lässt die sehenswerte Inszenierung zu einem wahren Genuss werden.
Nachdem sich schon so ziemlich jedes Stadttheater an "Les Misérables" versucht hat, taucht in letzter Zeit immer häufiger "Jekyll & Hyde" auf den Spielplänen der Theater auf. Doch die Inszenierung am Magdeburger Theater ist wahrscheinlich eine der gelungensten Produktionen des Musicalthrillers. Das Regieteam Andreas Gergen und Christian Struppeck hat das Stück frisch und mit einigen Neuerungen auf die Bühne gebracht. Nicht nur, dass die Rolle des Zuhälters Spider und der Song "Mädchen der Nacht" komplett gestrichen wurden - einige Szenen wurden auch sehr gelungen gestrafft, wodurch die Inszenierung an Drive gewinnt.
Mit Yngve Gasoy-Romdal wurde ein erfahrener Darsteller für die anspruchsvolle Doppelrolle des Henry Jekyll und Edward Hyde gefunden, der diese Rolle bereits von 2003 bis 2004 in der Kölner Großproduktion verkörperte. In der kleineren, aber dadurch nicht minder aufwändigen Inszenierung von Gergen und Struppeck kann Gasoy-Romdal noch viel mehr Feinheiten in seine Rolle legen als damals in Köln. Schauspielerisch gelingt ihm die Wandlung zwischen Jekyll und Hyde sehr überzeugend und fesselnd, während er mit seinen Soli "Ich muss erfahr'n" und "Dies ist die Stunde" akustische Glanzleistungen abliefert. Ein weiterer Höhepunkt der Show ist seine Interpretation der Konfrontation zwischen Jekyll und Hyde am Ende des zweiten Akts.
Ihm zur Seite steht Leah Delos Santos als Lisa, die aus der buchbedingt eher blassen Figur alles herausholt und auch dank des neuen Songs "Könntest du versteh'n, wie sehr ich dich liebe" ihrer Lisa viel mehr Tiefe verleiht als verschiedene Darstellerinnen vor ihr. Sicherlich ist es zudem ein glücklicher Umstand, dass Delos Santos und Gasoy-Romdal auch im wahren Leben ein Paar sind - auf der Bühne kommt ihnen das in ihrer Glaubwürdigkeit als Bühnenpaar nur zugute.
Die Dritte im Bunde ist eine grandiose Katharine Mehrling, die nicht nur barbusig die Aufmerksamkeit auf sich zieht, sondern vor allem durch ihre kräftige Stimme und ihr dramatisches Schauspiel überzeugt. Abgesehen von dem erstklassigen Führungstrio zieht jedoch auch das stimmstarke Ensemble in Massenszenen wie "Fassade" oder "Mörder" das Publikum in seinen Bann.
Nach "Der Graf von Monte Christo" und vielen anderen Bühnenstücken haben Andreas Gergen und Christian Struppeck mit der Magdeburger Inszenierung von "Jekyll & Hyde" erneut bewiesen, dass die beiden ehemaligen Musicaldarsteller ein perfektes Regieteam abgeben, das den Geschmack des Publikums trifft - eine Eigenschaft, die andere Regisseure inzwischen fast gänzlich verloren haben. Was Gergen und Struppeck in Magdeburg zeigen, ist Musical im Broadwayformat - absolut sehenswert!
Autor: Dominik Lapp


