Christian Gundlach verlässt das Theater für Niedersachen (TfN). Intendant Jörg Gade soll laut Aussage von Gundlach dessen Tätigkeiten nicht für stilbildend halten. Im Klartext heißt das: Der TfN-Intendant ist der Meinung, dass sein Musicaldirektor nicht dazu beiträgt, das TfN auf neuen Kurs zu bringen oder das Theater mit einem Alleinstellungsmerkmal im Markt zu positionieren. Das ist ein Irrtum.
Das Theater für Niedersachsen ist das einzige deutsche Stadttheater mit einer eigenen Repertoire-MusicalCompany. Christian Gundlach ist nicht nur der Leiter dieser Company, sondern auch deren Mitbegründer. In den vergangenen Jahren hat er nicht nur ein exzellentes Ensemble zusammengestellt, das in jeder Spielzeit mehrere Musicals zur Aufführung bringt. Nein, er hat auch dafür gesorgt, dass Musicals wie "Die Frau des Bäckers" und "44 Grad im Schatten" ihre deutschsprachigen Erstaufführungen in Hildesheim erlebten. Gundlach holte diese Stücke nicht einfach nur nach Deutschland, er zeichnete auch für die deutsche Übersetzung von Buch und Songtexten verantwortlich.
Christian Gundlach ist es zu verdanken, dass ein in Deutschland sehr selten gespieltes Musical wie "Children of Eden" erstmals in einer symphonischen Bearbeitung komplett in deutscher Sprache zur Aufführung kam und aufgrund der großen Nachfrage durch zahlreiche niedersächsische Kirchen tourte. Gundlach ist es zu verdanken, dass der bekannte Fantasyroman "Märchenmond" für die Musicalbühne adaptiert wurde. Er ist es auch, der mit "Das letzte Einhorn" einen weiteren Klassiker der Fantasyliteratur im November 2011 als Musical auf die Bühne bringt. Und ihm ist es zu verdanken, dass ein Musical wie "Side Show" im Frühjahr 2012 seine europäische Erstaufführung in Hildesheim feiern wird.
Christian Gundlach ist der geistige Vater der TfN-MusicalCompany, der die Musicalsparte am TfN nach anfänglichen Startschwierigkeiten – bedingt durch eine zu gewagte Stückauswahl – auf Erfolgskurs gebracht hat. Er und seine MusicalCompany haben bewiesen, dass das Musical in Deutschland repertoirefähig ist.
Und all das, was Gundlach für das TfN getan hat, soll nicht stilbildend sein? Unsinn. Vielleicht waren zwei Führungspersönlichkeiten für das Theater in Hildesheim auf Dauer einfach zu viel. Vermutlich gab es immer wieder Differenzen zwischen Gade und Gundlach. Und da der Intendant nun mal am längeren Hebel sitzt, wird der Musicaldirektor kurzerhand vor die Tür gesetzt. Gundlach verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit 2011/2012. Es bleibt abzuwarten, ob das TfN auch ohne den Spirit seines Musicaldirektors weiterhin einen so innovativen Musicalspielplan gewährleisten kann wie bisher. Wünschenswert ist es allemal. Doch der Abgang Gundlachs schmerzt.
Text: Dominik Lapp







