Lange haben nicht nur seine Fans darauf gewartet, sondern auch er selbst: Als Alex Melcher am 31. März 2012 die Bühne im Oberhausener Ebertbad betrat, war ihm anzumerken, wie sehr er sich darauf gefreut hatte, endlich seine Musik vor einem größeren Publikum live spielen zu können.
Insgesamt 13 Songs aus seinen beiden Alben "No more Excuses" (zusammen mit "The Tune") und "Man in the Moon" präsentierte er, die zumeist rockig, kräftig und voll Energie daherkamen. Unterstützt wurde er dabei von vier Musikern an Klavier, Schlagzeug, E-Bass und Gitarre, die er allesamt bei “We Will Rock You“ kennen gelernt hatte. Einige Stücke - vor allem Balladen, die gut platziert waren - erhielten außerdem noch Unterstützung durch eine Geige. Hervorzuheben ist hier der Song "Time stands still" über einen Vater, der sein Kind verliert. Es wäre für ihn als Vater, so sagte Melcher, das Schlimmste, was er sich vorstellen könne. Bei dieser Nummer saß er selbst am Klavier und sorgte für einen der zahlreichen Gänsehaut-Momente des Abends.
Neben seinen eigenen Stücken, die mit großem Applaus gefeiert wurden, spielte Melcher auch immer wieder Songs aus den Musicalproduktionen, bei denen er mitgewirkt hatte. Genial gelang ihm die Interpretation von "Heaven on their Minds" aus "Jesus Christ Superstar", "Wasted" aus "Rockville", "Kitsch" aus "Elisabeth", aber auch "Nessaja" aus "Tabaluga & Lilli". Letzteren Song präsentierte er ebenfalls im rockigen Gewand, was das Publikum zu Beifallstürmen hinriss. Ruhig wurde es dagegen, als er "Für Sarah" aus "Tanz der Vampire" anstimmte und sich dabei gefühlvoll auf der Akustik-Gitarre mit sanftem Groove begleitete.
Zuvor folgte eine von seinen Geschichten, von denen das Publikum sicher gern noch mehr gehört hätte. So erzählte er von Ende 1998: Er war Zweitbesetzung des Alfreds in "Tanz der Vampire" in Wien und Roman Polanski kam, um die Show zu sehen. Am nächsten Morgen klingelte das Telefon und Melcher wurde gebeten, ins Theater zu kommen. Seine Angst war unbegründet, denn Polanski hatte sich einen halben Tag Zeit genommen, um mit ihm zu arbeiten und ihn noch besser zu machen. Erst im Nachhinein wurde ihm klar, welche Ehre das war. Mit solchen Geschichten verlieh Alex Melcher seinem Konzert eine besondere persönliche Note.
Unterstützt wurde Melcher von drei Gästen. Den Anfang machte sein "Beutekind" (Zitat) Moritz Bolten, mit dem er zusammen den Udo-Lindenberg-Song "Wozu sind Kriege da" sang. Stehende Ovationen waren der Lohn vor allem für den Sohn von Vera Bolten.
David Michael Johnson sang zunächst "You've got a Friend in me" aus dem Disney-Film "Toy Story". Er und Melcher hatten sich zur deutschen Erstaufführung von "Rent" in Düsseldorf Ende der 1990er Jahre kennen gelernt und sind seitdem eng befreundet. So war fast klar, dass beide auch den "Rent"-Song "What you own" interpretierten, was sich als weiterer Höhepunkt des Abends herausstellte.
Last but not least war da noch Willemijn Verkaik. Ob sie ihm Gesangsunterricht geben würde, fragte Melcher und unterstrich damit, dass es immer etwas Besonderes ist, wenn Verkaik singt. Mit "Don't give up" von Peter Gabriel im Duett mit Alex Melcher und "Skinny Love" von Justin Vernon gelangen Verkaik zwei besonders schöne Momente an dem Abend.
Bei der Zugabe mit "We Will Rock You" und "Pinball Wizard" hielt es die Zuschauer letztendlich nicht mehr auf den Plätzen. Alle Künstler standen hier noch einmal gemeinsam auf der Bühne und Alex Melcher schloss das dreistündige Konzert mit der Nummer "Who cares" ab.
Text: Thorsten Wulf







