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Licht und Schatten: "Die Päpstin" in Fulda

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Alexandra Farkic ist eine starke Zweitbesetzung für die Rolle der Päpstin Johanna. Foto: Dominik Lapp
Alexandra Farkic ist eine starke Zweitbesetzung für die Rolle der Päpstin Johanna. Foto: Dominik Lapp
15.07.2011

REZENSION | Mit Spannung wurde in Fulda die Uraufführung des Musicals "Die Päpstin" erwartet - ein Musical, dem der gleichnamige Roman von Donna W. Cross als Vorlage diente, der 2009 von Sönke Wortmann für die Leinwand adaptiert wurde. Da damals schon am Film bemängelt wurde, dass darin einige wichtige Stellen des Buches keine Berücksichtigung fanden, gilt dies für die Bühnenfassung erst recht.

Die Buchvorlage bietet sehr viel Stoff, vielleicht zu viel Stoff für ein Musical: Die kleine, sehr intelligente Johanna wird von ihrem Vater unterdrückt. Denn Frauen gelten im Mittelalter als minderwertig. Getrieben von ihrer Gier nach Wissen, nimmt Johanna die Identität ihres ermordeten Bruders Johannes an, zieht ins Kloster Fulda und wird ein angesehener Arzt. Durch einige glückliche Umstände steigt sie in der Gunst des Papstes immer weiter auf und wir nach dessen Tod selbst in dieses Amt berufen.

Der Handlungsverlauf, der sich über mehr als 20 Jahre erstreckt, springt in der Musicalversion sehr stark. Dies kündigt sich bereits zu Beginn an, da das Stück an einer späteren Stelle als das Buch oder der Film in die Geschichte einsteigt. Während der erste Akt relativ ausführlich erzählt wird, nehmen die Ereignisse besonders im zweiten Akt sehr schnell ihren Lauf. Die Ernennung Johannas zum Papst und ihre fast dreijährige Amtszeit werden holterdiepolter in wenigen Minuten abgehandelt.

Von all ihren guten Taten erfährt der Zuschauer dabei nur aus Erzählungen. Entsprechende Szenen dazu werden nicht gezeigt (Regie: Stanislav Moša). Dafür wird viel Zeit aufgewendet, um Johanna von zwei Raben begleiten zu lassen, die wie eine Kopie der Todesengel aus dem Kunze/Levay-Musical "Elisabeth" wirken. Und zur Glaubwürdigkeit der Geschichte trägt auch nicht der Umstand bei, dass sämtliche Rollen - mit Ausnahme von Johanna und Johannes - optisch nicht altern.

Ein echter Hingucker ist jedoch das sehr opulente Bühnenbild von Christoph Weyers, der auf einer laut knarrenden Drehbühne eine doppelseitig nutzbare Treppenkonstruktion geschaffen hat, die durch fahrbare Prospekte und Bühnenteile viele verschiedene Szenenbilder entstehen lässt, wie zum Beispiel das Haus von Johannas Eltern in Dorstadt, die Domschule, das Kloster zu Fulda, den Vatikan und einen Marktplatz in St. Denis.

Das Lichtdesign von David Kachlir trägt allerdings nur wenig zur Unterstützung des Bühnenbildes bei. Stattdessen verlieren Szenen durch viel zu bunte Lichteinstellungen an Stimmung sowie Intensität, und einige Darsteller stehen teilweise sogar im Dunkeln. Die Kostüme von Andrea Kucerova sind dafür umso gelungener. Wenn auch historisch sicherlich nicht ganz korrekt, so spiegeln sie dennoch das Lebensbild des Mittelalters, wie wir es uns heutzutage vorstellen, sehr gut wider. Auch die Choreografien von Julia Poulet sind sehr schön anzusehen, doch der Story nicht angemessen. Tanzende Priester und Nonnen wirken in einer im Mittelalter angesiedelten Handlung völlig fehl am Platz, ein Gute-Laune-Tanz bei dem düsteren Thema des Stücks ebenfalls.

Für die Titelrolle wurde mit Sabrina Weckerlin eine charismatische und stimmstarke Darstellerin verpflichtet, die vom Publikum gefeiert wird. In der besuchten Vorstellung jedoch wurde der Part der Johanna von Weckerlins Zweitbesetzung Alexandra Farkic übernommen, die zwar stimmlich nicht ganz an die Erstbesetzung heranreicht, aber dennoch eine starke Leistung abliefert.

Schauspielerisch überzeugt Farkic als wissbegieriges junges Mädchen genauso wie später als Mann. Sie versteht es, das Publikum mit ihrer Mimik, Gestik und mit sehr viel Gefühl auf Johannas Weg mitzunehmen. Den Höhepunkt ihres Schauspiels findet sie passenderweise im Finale, wenn Johannas Tarnung auffliegt, sie bestürzt über den Tod Gerolds auf der Treppe des Petersdoms zusammenbricht und eine Fehlgeburt erleidet. Diese Szene spielt sie so glaubwürdig, dass es zu Tränen rührt und für Gänsehautstimmung sorgt. Ihre zahlreichen Songs wie beispielsweise die gefühlvoll interpretierten Balladen "Wer bin ich, Gott?" und "Einsames Gewand" singt sie mit ihrer warmen Stimme äußerst solide, wenn auch in den Höhen stellenweise etwas zittrig.

Als Gerold ist Mathias Edenborn zu sehen, der zugleich Edelmann, Johannas Unterstützer und Geliebter ist. Von Anfang an nimmt man ihm die Zuneigung zu Johanna ab und merkt schnell, dass er sich mit seiner Gattin Richild (Jenny Schlensker) lediglich arrangiert hat, aber wahre Liebe nur für Johanna empfindet. Stimmlich harmoniert er in dem Duett "Wehrlos" ganz wunderbar mit Alexandra Farkic, und auch in seinem Solo "Ein Traum ohne Anfang und Ende" trifft er alle Töne mit Gefühl.

Christian Schöne gibt den Anastasius nicht nur als Johannas Gegenspieler, sondern als wahngetriebenen Patriarchen, der selbst vor Mord nicht zurückschreckt, um auf den Papststuhl zu gelangen. Schauspielerisch gelingt ihm das zwar recht gut, doch neigt er dabei gelegentlich zum Overacting. In dem Lied "Zum Ruhme der Familie" ist er gesanglich sicher bis in die Höhen, dürfte aber gern etwas weniger schreien.

Nikolas Gerdell in der Rolle des Aeskulapius ist ein sympathischer Fürsprecher Johannas, der sich als Erzähler schnell in die Herzen des Publikums spielt. Isabel Dörfler darf im ersten Akt als Johannas Mutter das Solo "Boten der Nacht" singen, das sie mit klangschöner Stimme intoniert. Schade nur, dass der Song die Handlung nicht voranbringt und somit entbehrlich erscheint - genauso wie der Titel "Cäsarin von Rom", den sie im zweiten Akt in der Rolle der römischen Kurtisane Marioza singt. Norbert Conrads spielt Johannas Vater als gewalttätigen Tyrann, während die beiden Kinderdarsteller Denise Stüß (Kleine Johanna) und Johannes Uth (Kleiner Johannes) nicht wie die Kinder in anderen Musicals nur einen Niedlichkeitsfaktor haben, sondern schauspielerisch wirklich sehr gut agieren.

Und die Musik? Der musicalerprobte Komponist Dennis Martin hat für "Die Päpstin" sehr eingängige Melodien geschrieben, die einerseits gut ins Ohr gehen und die Stimmung des Stücks hervorragend transportieren. Andererseits klingt die Musik austauschbar und könnte genauso aus den Musicals "Bonifatius" oder "Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" stammen, für die er ebenfalls die Musik schrieb. Dass die Musik vom Band kommt und nicht live von einem Orchester gespielt wird, tut der Show jedoch keinen Abbruch und ist angesichts der relativ günstigen Eintrittspreise vertretbar.

Letzten Endes ist "Die Päpstin" ein Musical mit Licht und Schatten, mit Stärken wie Schwächen. Wer schon "Bonifatius" und "Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" mochte, wird auch "Die Päpstin" mögen. Wer diese Musicals nicht mochte oder gar nicht kennt, dafür aber mit dem Roman von Donna W. Cross oder dem Film von Sönke Wortmann durchaus etwas anfangen konnte, dürfte seinen Spaß an der "Päpstin" haben. Die hochkarätige Darstellerriege, das sehenswerte Bühnenbild, die schönen Kostüme und vor allem die spannende wie ergreifende Handlung in Verbindung mit der eingängigen Musik lohnen einen Besuch. Und an den Schwächen des Stücks kann ja noch gearbeitet werden.

Text: Dominik Lapp

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Das Bühnenbild von Christoph Weyers ist sehr gelungen, die Choreografien von Julia Poulet dagegen sind eher unpassend. Foto: Spotlight Musical
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Christian Schöne als Johannas Gegenspieler Anastasius. Foto: Spotlight Musical
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Isabel Dörfler als Mutter und Denise Stüß als kleine Johanna. Foto: Spotlight Musical
Artikel vom 15.07.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  paepstin  fulda 
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