REZENSION | Der erstmals in den 1980er Jahren veröffentlichte Roman "Märchenmond" von Wolfgang und Heike Hohlbein ist inzwischen ein Fantasy-Klassiker und Autor Wolfgang Hohlbein einer der erfolgreichsten Buchautoren Deutschlands, der mittlerweile über 150 Bücher geschrieben und davon insgesamt rund 40 Millionen Exemplare verkauft hat.
Am Theater für Niedersachsen in Hildesheim wurde "Märchenmond" nun als Musical von Christian Gundlach uraufgeführt, der den Roman für die Bühne adaptiert hat. Dabei herausgekommen ist ein Familienstück, das sich in großen Teilen von Hohlbeins Roman unterscheidet. Gundlach legt den Fokus in seinem Stück auf die Kerngeschichte: Kims Suche nach seiner Schwester Rebekka, die in der Fantasiewelt namens Märchenmond gefangen ist. Der im Lande Märchenmond herrschende Krieg bleibt dabei fast völlig unerwähnt, so dass sich das Musical hervorragend für Familien eignet. Auch die Spielzeit von rund 100 Minuten inklusive Pause zielt besonders auf die kleinen Zuschauer ab.
Erzählt wird die Geschichte von dem kleinen Kim (Navina Heyne), der sich aufmacht, um die Seele seiner Schwester Rebekka (Michaela Linck) aus Märchenmond zurückzuholen, die dort von Boraas (Jens Krause) gefangen gehalten wird, seit Rebekka nach einer Operation ins Koma gefallen ist. Dabei trifft er auf die Bewohner Märchenmonds, die ihm bei seiner Suche helfen. Letzten Endes siegt Kim über Boraas und rettet dadurch nicht nur seine Schwester, sondern auch das Land Märchenmond.
Regisseur Dirk Schmeding zeigt die fantasievolle Handlung im Bühnenbild von Monika Frenz, das hauptsächlich aus verschiebbaren Elementen besteht, die in verschiedenen Konstellationen all die fantastischen Handlungsorte wie das Schattengebirge oder die Festung Gorywynn darstellen. Auch für die Kostüme zeichnet Monika Frenz verantwortlich, die zwar einerseits detailreiche und farbenfrohe Gewänder - wie zum Beispiel für Ado oder den Regenbogenkönig - geschaffen hat, andererseits aber auch schlichte schwarze Roben für Boraas und seine schwarzen Reiter entwarf. Die Fantasiewelt spiegelt sich somit wunderbar in den Kostümen wider.
Da Christian Gundlach die komplexere Handlung der Romanvorlage für die Bühnenadaption stark kürzen und vereinfachen musste, springt die Geschichte entsprechend schnell. Für Erwachsene ist durch die kindgemäße Überarbeitung möglicherweise der Anspruch verloren gegangen, doch für die kleinen Zuschauer bietet das Stück beste Unterhaltung. Der größte Pluspunkt ist ohnehin Gundlachs eingängige Musik, die sich erheblich von üblichen Kindermusicals unterscheidet. Klassische Musicalballaden wie "In dieser Welt" und "Mein Bruder und ich" kommen genauso zu Gehör wie Rock, Pop und Rap.
Auch die Cast ist durchweg stark besetzt. Schade allerdings, dass die Rolle von Kim mit einer Frau besetzt wurde. Navina Heyne kann trotz des Kurzhaarschnitts und der Jungenkleidung einfach nicht als Junge überzeugen. Michaela Linck überzeugt dagegen vor allem mit ihrer klaren Gesangsstimme und führt als Rebekka gelungen durch die Handlung. Jonas Hein gibt den Tümpelprinzen Ado äußerst sympathisch und spielt sich so schnell in die Herzen der Zuschauer. Der Star in der Darstellerriege ist jedoch Jens Krause, der bislang in fast jeder TfN-Musicalproduktion zum Publikumsliebling avancierte - so auch in "Märchenmond". Hier ist er nicht nur der liebenswürdige Themistokles, sondern hat als fieser Boraas eine wahre Paraderolle übernommen. Mit starker Stimme meistert er seine rockigen Songs und spielt durchweg souverän den dunklen Herrscher, der die Bewohner Märchenmonds tyrannisiert.
Insgesamt ist dem TfN und vor allem Christian Gundlach mit "Mächenmond" ein wunderbar kurzweiliges und fantasievolles Musical gelungen, das gute Unterhaltung für Groß und Klein verspricht und somit uneingeschränkt empfohlen werden kann.
Text: Dominik Lapp







