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thatsMusical - das Musical Magazin am Freitag, den 03.09.2010

Bonifatius letzmalig in Fulda

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Reinhard Brussmann gibt den Bonifatius in Fulda. (Foto: Spotlight Musicalproduktion)
Reinhard Brussmann gibt den Bonifatius in Fulda. (Foto: Spotlight Musicalproduktion)

Zum letzten Mal ist nun das Musical „Bonifatius" im hessischen Fulda zu sehen. Nach den Spielzeiten 2004, 2005 und 2006 zeigt die Spotlight Musicalproduktion im Schlosstheater der Stadt das Musical um den Heiligen am Originalschauplatz noch einmal bis zum 8. August. Für das kommende Jahr ist bereits die Weltpremiere des neuen Musicals „Die Päpstin" angekündigt (Premiere 3. Juni 2011).

Die aktuelle Inszenierung, die zusätzlich vom 19. bis zum 22. August auch im Theater der Stadt Erfurt zu sehen ist, kommt mit zwei aktualisierten Szenen und Songs daher. So zeigen die Produzenten erneut, dass sie ihre Musicals stets pflegen. Bereits bei „Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" und auch bei „Bonifatius" wurden in den vergangenen Jahren im Sinne einer Entwicklung  Szenen umgeschrieben oder neu erdacht. Die auf diesem Wege in die Inszenierung gelangten Songs „Ein Leben lang" und „Es kommt der Tag" (2006) waren auch nun wieder zu hören. Von Reinfried Schießler (Regie) handwerklich solide umgesetzt gefielen die Titel wie in den Vorjahren besonders durch ihre inhaltliche Ausdruckskraft und die szenische Darstellung. Man merkt hier bereits die von den Machern beabsichtigte Entwicklung in Text und Musik im Gegensatz zu den „alten" Songs (2004).
Für die letzte Fulda-Inszenierung kamen nun die beiden Titel „Starke Frauen" und „Keinen Ausweg mehr" hinzu. Ordensschwester Lioba (Mara Dorn) singt den ersten Titel als Wegbegleiterin des Bonifatius und spielt hier sehr deutlich auf heutige Verhältnisse und die umstrittene Rolle der Frau - vorrangig in der katholischen - Kirche an. Musikalisch eine schwungvolle und hervorragend arrangierte Ohrwurm-Gospelnummer mit absolutem Showstopper-Charakter. Bei der Premiere bestätigte sich dieser Eindruck durch langanhaltenden Szenenapplaus. Auch wenn der Text sicher gelungen ist und trotz amüsanter Formulierungen kritisch Stellung nimmt, mag der Titel aber nicht so Recht in den Showkontext passen. Wie bei „Standesgemäß" (aus dem Musical „Elisabeth - Die Legende einer Heiligen") vom selben Autorengespann wirkt die Szene etwas aufgesetzt. Der bisher an dieser Stelle zu hörende Song „Schön, dich wieder zu sehn" war in jedem Falle mit Sicht auf das Gesamtpaket und Buch angemessener. Nicht nur, dass zur Zeit des Bonifatius´ derartige Gedankengänge tendenziell eher nicht im Raume standen -musikalisch wirkt die Nummer an dieser Stelle einfach etwas befremdlich. Wer etwa Herodes Song in „Jesus Christ Superstar" als Gelungen empfindet, dürfte jedoch auch mit „Starke Frauen" keine Probleme haben!

Ganz anders sieht das mit dem Titel „Keinen Ausweg mehr" aus: Hier wird die tragische Todesszene dramatisch, bühnenwirksam und mit neuer Intensität umgesetzt. Bonifatius (Reinhard Brussmann), Gewilip (Christian Schöne) und Radbod (Daniel Dodd-Ellis) lassen hier die Geschehnisse der Geschichte Revue passieren und beharren auf ihren Standpunkten - bis zum bitteren Ende. Die bisherige Szene (mit dem Song „Martyrium") wurde hier also vorbildlich ausgearbeitet und ergänzt.

Bonifatius ist und bleibt in jedem Falle ein sehenswertes Musical. Und auch in diesem Jahr steht in Fulda erneut ein gut ausgewähltes Ensemble auf der intimen Bühne des Schlosstheaters. Teils werden hierdurch den Rollen ein paar neue Facetten abgewonnen und andere Akzente als bisher gesetzt. So ist die Wiederaufnahme insgesamt betrachtet einen Besuch wert und macht - auch gerade vor dem Hintergrund der stetigen Entwicklung des Autorengespanns - neugierig auf das neue Musical in 2011: Auf Wiedersehen, Fulda.

Autor: Michael Potthast

 

Die Crew von "Bonifatius" 2010:

Bonifatius: Reinhard Brussmann/Ethan Freeman
Sturmius: Dirk Johnston
Alrun: Sabrina Weckerlin
Gewilip: Christian Schöne
Radbod: Daniel Dodd-Ellis
Lioba: Mara Dorn
Willibald: Artur Ortens
Luidger: Karl Grunewald
Pippin: Steffen Dargatz
Karlmann: André Haedicke
Papst/Karl Martell: Dietmar Ziegler

Regie: Reinfried Schießler
Buch: Zeno Diegelmann
Musik, Buch: Dennis Martin
Produktion: Peter Scholz
Choreografie: Julia Poulet
Kostüme: Claudia Kuhr
Bühne: Bernd-Heinrich Sogel
Maske: Elke Quirmbach
Licht: Sabine Wiesenbauer

 

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Großes Vertrauen setzt Bonifatius (Reinhard Brussmann) in seinen treuen Begleiter Sturmius (Dirk Johnston). Der jedoch ist verliebt in Alrun (Sabrina Weckerlin).  (Foto: Spotlight Musicalproduktion)
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Artur Ortens führt als Willibald wieder durch die Geschichte.  (Foto: Spotlight Musicalproduktion)

Artikel vom 25.07.2010    |    Musicalmagazin    |    Weiterempfehlen:  
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