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Neue Cast überzeugt: "Tarzan" in Hamburg

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Alexander Klaws (hier an der Liane) teilt sich die Titelrolle in "Tarzan" mit John Vooijs. Foto: Stage Entertainment
Alexander Klaws (hier an der Liane) teilt sich die Titelrolle in "Tarzan" mit John Vooijs. Foto: Stage Entertainment
31.10.2011 Rezension

Auch nach drei Jahren sorgt Disneys "Tarzan" in Hamburg noch immer für ein volles Haus. Zum dritten Geburtstag des Musicals kam kürzlich sogar Phil Collins nach Hamburg, und auch ein Castwechsel stand mittlerweile wieder an. Zeit also für eine kurze Bestandsaufnahme.

Eindrucksvoll beginnt das Stück bereits, obwohl es noch gar nicht wirklich begonnen hat. Denn auf dem Vorhang ist ein projiziertes Schiff zu sehen, dass vor der afrikanischen Küste treibt. Wellen- und Dschungelgeräusche stimmen das Publikum bereits vor der Vorstellung darauf ein, was es in den kommenden zweieinhalb Stunden zu sehen bekommt. Im Vergleich mit anderen Disney-Musicals hat “Tarzan“ zwar nicht das aufwändigste Bühnenbild. Doch das ist auch gar nicht nötig, da das Ensemble so vor allem viel Platz für die akrobatischen Einlagen hat. Insgesamt ist das Bühnenbild in giftgrün gehalten und ragt, ähnlich wie bei "Cats", in den Zuschauerraum hinein.

Die Musik stammt von Phil Collins, der zu den aus dem Film bekannten Liedern neun neue Songs komponiert hat, die sich bestens in den bereits bekannten Songkatalog einfügen. "Tarzan" bietet musikalisch zwar nichts Neues, dafür aber immerhin eingängige Popmusik, die schnell ins Ohr geht. Von gefühlvollen Balladen wie "Dir gehört mein Herz" bis hin zu starken Ensemblenummern wie "Zwei Welten" hat Collins solide Arbeit geleistet.

Die Handlung bietet eine gelungene Balance aus lustigen wie auch dramatischen Momenten. So erlebt der Zuschauer, wie Tarzans Eltern durch einen Leoparden getötet werden und das Waisenkind von der Gorilladame Kala (neue Erstbesetzung: Melanie Ortner) großgezogen wird, was ihrem Mann Kerchak (neue Erstbesetzung: Ethan Freeman) nicht gefällt. Spaßig wird es immer dann, wenn der junge Tarzan (Julius Störmer) mit seinem Gorillabruder Terk (seit drei Jahren Erstbesetzung: Rommel Singson) durch den Dschungel zieht. Dramatik kommt auf, wenn der erwachsene Tarzan (neue Alternativbesetzung: John Vooijs) gegen einen Leoparden kämpft oder Kerchak durch eine Gewehrkugel tödlich verwundet wird. Und romantisch wird es dann, wenn Jane (verlässt nach drei Jahren im November 2011 die Cast: Elisabeth Hübert) auf Tarzan trifft.

Alexander Klaws spielt nach wie vor die Titelrolle in "Tarzan", will künftig aber weniger Shows pro Woche bestreiten, um sich nebenbei seinen Soloprojekten widmen zu können. Als alternierender Tarzan ist deshalb der Niederländer John Vooijs zur Cast gestoßen, der diese Rolle bereits im niederländischen Scheveningen gespielt hat. In seiner Heimat übernahm er außerdem Hauptrollen in Musicals wie "Mamma Mia!" (Sky) und "We Will Rock You" (Galileo).

Als Tarzan kann Vooijs vollends überzeugen: Sein Schauspiel ist detailliert, aber nicht überzogen, und auch stimmlich begeistert er unter anderem mit einem sehr gefühlvoll gesungenen "Wer ich wirklich bin". Auch mit seiner Bühnenpartnerin Elisabeth Hübert als Jane harmoniert er wunderbar. In ihr romantisches Duett "Auf einmal" legen beide viel Gefühl. Und auch die erste Begegnung von Tarzan und Jane im Song "Unbekannt" gelingt ihnen nicht nur gesanglich bestens, sondern auch schauspielerisch sehr witzig. In ihrem Spiel harmonieren sie so perfekt miteinander, dass man meinen könnte, das Knistern zwischen dem ungleichen Paar hören zu können. Doch auch solo überzeugt Hübert, was sie vor allem in ihrem Lied "Auf diesen Tag hab ich gewartet" mit unschuldiger, klarer Stimme unter Beweis stellt.

Ebenso wie Hübert und Vooijs harmonieren auch Melanie Ortner (Kala) und Ethan Freeman (Kerchak) sehr gut miteinander. Ortner, die früher Zweitbesetzung war und mittlerweile zur Erstbesetzung aufgestiegen ist, zieht die Aufmerksamkeit des Publikums in der Rolle der Gorilladame schnell auf sich. Ein Höhepunkt der Show ist ihre Interpretation des Songs "Dir gehört mein Herz". Diese sehr eingängige Popballade bietet sie mit emotionaler Eindringlichkeit und unglaublicher Bühnenpräsenz dar, wofür sie lautstarken Szenenapplaus erntet. Ihr zur Seite steht mit Ethan Freeman ein starker Kerchak, der den Silberrücken Respekt einflößend verkörpert. Sein Solo "Gar keine Wahl" gibt er exzellent mit kräftiger Stimme. Schauspielerisch gelingt es ihm sehr gut, seinem Charakter Tiefe und Kontur zu verleihen.

Während Rudi Reschke als fieser Clayton und Jeff Shankley als Janes liebevoller Vater buchbedingt etwas blass bleiben, kann sich Rommel Singson in der Rolle des Terk durch seine komödiantische und akrobatische Leistung positiv hervorheben. Das Ensemble präsentiert sich nicht nur mit seinen tänzerischen wie akrobatischen Leistungen, sondern sorgt auch gesanglich für ein stimmstarkes "Zwei Welten" während der sehr aufwändig gestalteten Eröffnungssequenz.

Letztendlich ist "Tarzan" auch nach dreijähriger Spielzeit noch immer eine gute Show und dürfte für Stage Entertainment ein echter Publikumsmagnet in Hamburg sein. Das Disney-Musical bietet eine gelungene Mischung aus Comedy, Drama und Romantik und wird durch die eingängigen Popsongs von Phil Collins getragen. Die - vor allem am Wochenende - sehr hohen Eintrittspreise sind zwar recht überzogen, doch empfehlen sich für "Tarzan" ohnehin die günstigeren Karten in den hinteren Reihen, da von diesen Plätzen aus die Gesamtübersicht hervorragend ist und die Flugszenen im Zuschauerraum besser beobachtet werden können.

Text: Dominik Lapp

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Das Ensemble von "Tarzan" überzeugt mit ausgeklügelter Akrobatik. Foto: Stage Entertainment
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Elisabeth Hübert (Jane) verlässt "Tarzan" im November 2011 nach mehr als drei Jahren. Foto: Stage Entertainment
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"Krach im Lager" ist die stimmige Eröffnungsszene des zweiten Akts. Foto: Stage Entertainment
Artikel vom 31.10.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  disney  tarzan  hamburg  neue  flora  freeman  huebert  ortner 
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