Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 hat die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) einen besonderen Beitrag geleistet: Mit dem Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ von Michael Kunze und Dieter Falk, welches am 17. Januar 2010 in der Dortmunder Westfalenhalle uraufgeführt wurde, wurde die biblische Geschichte in zeitgemäßer Form erzählt. Mit riesigem Chor, Band, Orchester und Solisten.
Es ist schon ein beeindruckendes Bild: Auf den Rängen der ausverkauften Dortmunder Westfalenhalle hat hinter der großen Bühne ein Chor aus 2.555 Sängerinnen und Sängern Platz genommen. Davor positioniert sich das Junge Orchester NRW und eine eigens zusammengestellte Band. Mit dem Pop-Oratorium „Die 10 Gebote“ von Michael Kunze und Dieter Falk geht man unbestritten neue Wege. Erzählt wird die biblische Geschichte des Volkes Israel aus dem zweiten Buch Mose, die hier mit dem Empfang der Gebote am Berg Sinai endet: „Liebe ist das Gebot. Was wir auch tun, alles ist gut, wenn der eine den anderen liebt“, heißt die hier zusammengefasste Botschaft, die Kunze dem stimmgewaltigen Chor und den Solisten schließlich zu den mitreißenden Rhythmen von Dieter Falk in den Mund legt. Überhaupt ist dem Autorengespann ein insgesamt äußerst beeindruckendes Werk gelungen. Schon der Prolog reißt mit gewaltigen und ohrwurmverdächtigen Klängen von Orchester, Chor und Band mit. Zwei Kinder stimmen als Erzähler (Yosefine Buohler und Paul Falk) ausgehend von der Schöpfungserzählung in die Geschichte ein. Mit konstanter Bühnenpräsenz und hervorragenden musikalischen Leistungen überzeugen die beiden Jugendlichen den Abend über immer wieder in ihren wichtigen Parts. Mit einigen bekannten Namen der Musicalszene sind die historischen Figuren besetzt. Allen voran natürlich Mose, der von Michael Eisenburger dargestellt worden ist und der neben Stefan Poslovski (Pharao) auch mit den überzeugendsten Leistungen in diesem Segment aufwarten konnte. Das heißt jedoch sicher nicht, dass die übrigen Rollen nicht gut besetzt oder dargestellt worden sind. Insgesamt bot sich hier ein homogenes Bild.
Doris Marlies liegt mit ihrer dezenten, aber mit einigen tollen Einfällen gespickten Regie und Choreographie genau richtig. Während sie die szenische Darstellung dezent anlegte, lenkte sie in entscheidenden Szenen, wie zum Beispiel der Teilung des Meeres, die Aufmerksamkeit der Zuschauer unter Zuhilfenahme des riesigen Chores auf den Rängen über der Bühne auch auf die visuelle Umsetzung. Mit einfachen weißen Papieren, die von den Sängerinnen und Sängern hochgehalten und mittels der Lichttechnik blau illuminiert wurden, vermittelt sie ein beeindruckendes Bild. Die auf der Bühne spielenden Szenen sind grundsolide und angenehm unaufdringlich in Szene gesetzt.
Unter dem versierten Dirigat von Heribert Feckler (Co-Dirigent Christoph Spengler) spielen und singen alle Musiker als voluminöser Klangkörper auf. Mit beeindruckender Präzision gelingt es ihm, die auf verschiedensten Ebenen verteilten agierenden Musiker sicher und exakt durch die Partitur zu führen. Sicher ist das auch ein Verdienst ausgeklügelter Technik, die dafür sorgt, dass alle Mitwirkenden synchron agieren konnten.
Schade, dass dieses Spektakel nur an insgesamt zwei Abenden in der Dortmunder Westfalenhalle zu sehen gewesen ist. Schon - aber nicht allein - der riesige Chor hinterließ einen bleibenden Eindruck, der so nur live erfahrbar werden kann. Den Agierenden und Kreativen hinter den Kulissen kann man zu diesem Erfolg nur gratulieren. Gespannt darf da der DVD-Mitschnitt (ab März erhältlich) erwartet werden.
Autor: Michael Potthast


