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Revue mit Frauenpower: "Sekretärinnen" in Berlin

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Das Ensemble der "Sekretärinnen". Foto: Neue Berliner Scala
Das Ensemble der "Sekretärinnen". Foto: Neue Berliner Scala
23.12.2011 Rezension

Büroalltag einmal ganz anders - in Berlin lassen fünf junge Damen die Sau raus, sobald der Chef nicht hinschaut. "Sekretärinnen" heißt das musikalische Spektakel der Neuen Berliner Scala, die im Coupé Theater beheimatet ist. Die eher handlungsarme Revue aus alten und neuen Radiohits lädt zum Mitsingen, Mitschunkeln und Spaßhaben ein.

Frau Schäfer, Frau Sturm, Frau Arndt, Frau Pabst und Frau Reinhard sind keine gewöhnlichen Sekretärinnen. Statt nämlich gepflegt bei der Arbeit einen Kaffee zu trinken, kippen sie einen Wodka. Statt die Schreibmaschine zum Schreiben zu verwenden, nutzen sie diese als Lustobjekt, und anstelle von Gehorsamkeit und Disziplin legen diese Damen eher Zügellosigkeit und Quirligkeit an den Tag. Die Freundinnen und Feindinnen nutzen ihren Achtstundentag weniger zum Arbeiten als dafür, die kleinen und großen Sorgen des Lebens musikalisch zu verpacken und wegzulachen. Gute Laune beim Publikum ist garantiert.

Im Großraumbüro der Sekretärinnen stapeln sich Kaffeetassen, Schreibmaschinen, Nagellackfläschchen, Zeitschriften und Telefone. Schnell entsteht der Eindruck, die fünf Angestellten würden hier tatsächlich ihre gesamte Arbeitswoche verbringen - jede hat ihren Tisch, jede die Persönlichkeit betonenden Utensilien, jede ihre Funktion.

Unter der Musikalischen Leitung von Steven Desroches, der am Klavier begleitet, erhält das Publikum feinste musikalische Unterhaltung mit Musik von Aretha Franklins "R.E.S.P.E.C.T." über Herbert Grönemeyers "Männer" bis hin zu Chansons der 1930er Jahre wie 2Bei mir bist du schön" - allesamt gesungen und performt von gesanglich starken und schauspielerisch überzeugenden Darstellern.

Daniel Pabst nimmt als einziger Mann in der Runde gleich zwei Rollen ein. So spielt er gekonnt komisch die Travestierolle der Frau Pabst, während er in anderen Szenen durchaus männlich den in Frau Sturm verliebten Postboten mimt. Hier überzeugt er vor allem mit Xavier Naidoos “Sie sieht mich einfach nicht“. Besonders auffällig ist auch der Auftritt und vor allem die Erscheinung von Stephanie Sturm, die in ihrer Kostümierung der bereits verstorbenen Amy Winehouse zum Verwechseln ähnlich sieht und dementsprechend die trinkende, rauchende und verruchte Angestellte verkörpert. Sie spielte bereits die Rebecca in "Tanz der Vampire" oder Eponine in "Les Misérables", bevor sie an die Neue Berliner Scala kam.

Verrucht ist auch Frau Schäfer. Gespielt von Judith Schäfer ist sie mit Augenklappe und Weste vordergründig der strenge Bürodrachen, während sie später zur Überraschung aller ihre bisexuellen Neigungen offen zur Schau stellt. Claudie Reinhard ist als Frau Reinhard die Mutti in der Runde. Hochschwanger versucht sie, ihre Kolleginnen zu trösten und für Harmonie zu sorgen, während sie in regelmäßigen Abständen die Wehen verkündet, die letztlich doch noch nicht eintreten. Als Letzte im Bunde überzeugt Bianca Arndt als unglückliche Geliebte des Chefs. Als Frau Arndt versteht sie etwas vom Kokettieren und findet dennoch nicht genügend Anklang bei ihrem angebeteten Vorgesetzten - sehr zur Schadenfreude ihrer Kolleginnen. Frau Arndts "Dann heirat' doch dein Büro" wird ein Ohrwurm, der selbst bei der Zugabe das Publikum mitreißt.

"Sekretärinnen" ist definitiv ein Stück, das Spaß macht. Die Power und die gute Stimmung, die die fünf Darsteller verbreiten, übertragen sich schnell auf das Publikum. Während die Sprechanteile im Stück auf ein Minimum beschränkt sind, reiht sich dafür ein bekanntes Lied ans andere. Die Mischung aus Schlager, Chanson und Pop und sogar deutschen Volksgedichten sorgt für eine gute Abwechslung - so wird es in der rund 90-minütigen Show kaum langweilig. Einzig die Handlung ist etwas flach, wenn nicht sogar kaum vorhanden.

Text: Julia Hoffmann

Artikel vom 23.12.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  sekretaerinnen  berlin  coupe  theater 
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