Graf von Krolock Sarah, Alfred und Co. sind zurück - ganz Berlin erschaudert wieder, wenn die Vampire in das Theater des Westens zum Tanz einladen. Nachdem das Musical bereits 2006 in der Bundeshauptstadt zu sehen war, soll diese nun der vorerst letzte Schauplatz der Blutsauger sein, bevor voraussichtlich Ende August 2012 der Vorhang endgültig fällt. Wer die Show noch immer nicht gesehen hat, sollte dies nun dringend nachholen. Und wer "Tanz der Vampire" schon kennt, darf gern wiederkommen - es lohnt sich.
Bevor "Tanz der Vampire" nach Berlin zurückkehrte, begeisterte die Gruselkomödie bereits die Zuschauer in zahlreichen anderen Städten wie Wien, Stuttgart, Hamburg sowie Oberhausen und wurde auch nach Polen, Japan, Ungarn und Russland transferiert.
Aus der Feder von Michael Kunze und Jim Steinman vereinigt das Stück witzige und vor allem tiefgängige Texte mit unvergesslicher Musik, die vielen vertraut erscheint, weil sie an Songs von Rockgrößen wie Bonny Tyler und Meat Loaf angelehnt ist. Gerade wegen der Verbindung zu kommerziellen Künstlern ist die Musik wahrscheinlich umso eingängiger. Selten hat man ein Musical gehört, indem sich so viele Ohrwürmer finden lassen.
Nicht weniger fulminant ist das atemberaubende Bühnenbild von William Dudley, der vor allem ein unvergessliches Vampirschloss schuf, das sich mittels neuester Technik innerhalb von Sekunden in das Chagals Wirtshaus oder einen schaurigen Friedhof verwandeln lässt. Jede Kulisse bietet eine wunderbare Plattform für das perfekt tanzende und singende Ensemble, das entweder in barocken Ballkleidern und Perücken oder auch in rockigen Lack- und Lederoutfits das Gesamtbild perfektioniert.
Auch die Cast überzeugt auf allen Ebenen: Amelié Dobler verkörpert eine zarte und doch durchaus sturköpfige Sarah. Die Schweizerin machte erst zwei Jahre zuvor ihren Abschluss am Konservatorium in Lausanne, bevor sie nun eine der wohl beliebtesten weiblichen Musicalrollen antreten darf. Sie harmoniert wunderbar mit Michael Heller in der Rolle des Alfred. Charmant und charismatisch ist Alfred zur Abwechslung mal nicht nur leicht naiv und einfältig, sondern zweitweise tatsächlich ein ernst zu nehmender Konkurrent für den Grafen.
Fast immer an Alfreds Seite ist Professor Abronsius, gespielt von Veit Schäfermeister, der diese Rolle schon 2006 in Berlin verkörperte. Dementsprechend perfekt ist seine Darbietung des verwirrten Professors, der so unheimlich viel Wert auf Logik legt, dass die reale Welt einfach an ihm vorbeizieht.
Die Rolle des Grafen von Krolock spielt Drew Sarich wie schon in Wien äußerst eindrucksvoll. Sein Schauspiel ist auf den Punkt genau, er singt mit kräftigem Rocktenor und hat insgesamt eine wunderbar schaurige Interpretation seiner Rolle gefunden.
Die Riege der Haupt- und Nebendarsteller wird vervollständigt durch Kai Hüsgen als Chagal, Barbara Raunegger als Rebecca, Goele de Raedt als Magda und Marc Liebisch als Krolocks schwuler Sohn Herbert. Hervorzuheben ist auch Stefan Büdenbender in der Rolle des buckligen Hausdieners Koukol, der diese Rolle bereits in Stuttgart, Hamburg, Oberhausen und in Berlin verkörperte.
Doch noch so viele Worte können einen Abend mit den Kreaturen der Nacht kaum wiedergeben. Bleibt nur festzuhalten, dass "Tanz der Vampire" auch nach mehrjähriger Spielzeit noch immer eines der empfehlenswertesten Musicals in Deutschland ist. Ein Besuch lohnt sich definitiv!
Text: Julia Hoffmann







