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Sehenswertes Spektakel: "Zorro" auf Niederlande-Tournee

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Es wird gefochten: Zorro (Tommie Christiaan, re.) kämpft gegen Ramon (René van Kooten, li.). Foto: Stefan Ammerlaan
Es wird gefochten: Zorro (Tommie Christiaan, re.) kämpft gegen Ramon (René van Kooten, li.). Foto: Stefan Ammerlaan
06.09.2011 Rezension

Helden und Schurken sind ein mehr als dankbares Thema für ein Musical. Diesem Thema widmet sich das Musical "Zorro", das sich derzeit in den Niederlanden auf Tournee befindet und zu einem späteren Zeitpunkt auch in Korea, Italien und Deutschland auf die Bühne kommen soll. "Zorro" wurde 2008 im englischen Eastbourne uraufgeführt und noch im selben Jahr in überarbeiteter Form ins Londoner West End transfertiert, wo es bis 2009 im Garrick Theatre zu sehen war.

In den Niederlanden ist nun eine nochmals leicht überarbeitete Fassung zu sehen, die sich vor allem durch drei neu geschaffene Kinderrollen von der Londoner Inszenierung unterscheidet. Sie fungieren als kindliche Pendants der drei Hauptprotagonisten Diego, Ramon und Luisa und tauchen während der ganzen Show immer mal wieder im Hintergrund oder am Bühnenrand auf. Während sich der erwachsene Diego mit dem erwachsenen Ramon in einem erbitterten Kampf befindet, sieht man im Vordergrund die Kinder mit Holzschwertern gegeneinander kämpfen. Ein schöner Einfall (Regie: Christopher Renshaw), der die Handlung jedoch nicht voranbringt und auch nicht auf einem psychologischen Fundament aufbaut wie beispielsweise das Porzellankind Amadé in "Mozart!".

"Zorro" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Isabel Allende, deren Buch sich allein in den Niederlanden 75.000-mal verkauft hat. Erzählt wird die Geschichte von Diego (Tommie Christiaan), der sich einer Zigeunergruppe anschließt und mit ihr durchs Land zieht. Als er durch seine Jugendfreundin Luisa (Michelle Splietelhof) erfährt, dass sein Bruder Ramon (René van Kooten) die Bürger von Los Angeles schikaniert, verwandelt er sich in Zorro, kämpft für Gerechtigkeit, erledigt seinen machthungrigen Bruder, der sogar den eigenen Vater in ein Verlies gesperrt hat, und wird mit Luisa glücklich.

Die Musik stammt von den Gipsy Kings, die ihre größten Hits wie "Bamboleo" und "Djobi Djoba" in dem Musical zweitverwertet haben. Doch ist "Zorro" keine bloß Compilation-Show, die auf bekannten Hits aufbaut. Den Großteil der Songs haben die Gipsy Kings extra für das Bühnenstück geschrieben – und der Mix aus Flamenco-Rhythmen, Rumba und Pop kann sich wirklich hören lassen.

Für die Rolle des Diego/Zorro wurde Tommie Christiaan verpflichtet, der sich – wie es in den Niederlanden mittlerweile üblich ist – im Rahmen einer TV-Castingshow gegen etliche Mitbewerber durchgesetzt hat. In seiner Rolle ist er nicht nur sympathisch, sondern macht auch eine gute Figur, wenn er sich an einem Seil über die Bühne schwingt. Als Diego erinnert er – sehr zur Belustigung des Publikums – zeitweise an Jack Sparrow aus dem Film "Pirates of the Caribbean", doch sobald er sich seine schwarze Maske übers Gesicht zieht, gibt er überzeugend den Freiheitskämpfer Zorro. Seine Songs intoniert er mit starker Stimme, sein sehr gefühlvoll dargebotenes Solo "Hoop" (dt. "Hoffnung") erweist sich als einer der Höhepunkte der Show.

René van Kooten, der in den Niederlanden mitunter schon den Radames in "Aida" und Jean Valjean in "Les Misérables" gab, ist in der Rolle des Ramon wahrlich ein Bilderbuch-Schurke. Er gibt den Bruder Diegos als machtbesessenes und widerwärtiges Scheusal. Die Szene, in der Ramon über Luisa herfällt und sie brutal zu vergewaltigen versucht, lässt den Puls höher schlagen. Die Degenkämpfe zwischen Ramon und Diego sind weitere Höhepunkt der Inszenierung.

Michelle Splietelhof, die im "Schuh des Manitu" in Berlin die Uschi spielte, bleibt als Luisa neben den beiden Herren schauspielerisch etwas blass, singt aber tadellos. Weitaus rassiger zeigt sich Lone van Rosendaal in der Rolle der Zigeunerin Inez, während Rop Verheijen als liebenswerter Garcia die Lacher des Publikums auf seiner Seite hat.

Das Bühnenbild von Tom Piper hat sich seit der Londoner Inszenierung nicht verändert. Es ist klein und schlicht, aber äußerst funktional. Durch Bretterwände werden die Häuser von Los Angeles angedeutet, die örtliche Kirche wird durch einen Altar, Beichtstuhl und Kreuz dargestellt. Ein Verlies entsteht durch das bloße Aufklappen einer Luke im Bühnenboden, und die Zigeuner sind mit einem hübsch verzierten Planwagen unterwegs. Genauso sehenswert wie das Bühnenbild sind auch die farbenfrohen Kostüme von Cocky van Huijkelom, allen voran die Kleider der spanischen Tänzerinnen.

Die Choreografie von Rafaël Amargo ist ein wichtiger Bestandteil der Show, die heißen Flamenco-Einlagen ziehen sich durch die gesamte Handlung und bringen den Saal zum Kochen. Das Publikum honoriert die Tanzeinlagen mit Jubel und Szenenapplaus. Sehenswert sind auch die Kampfszenen von Terry King: Es wird gefochten und geschossen, und dabei wird selbst der Zuschauerraum nicht verschont. Schon zum Prolog betreten die Darsteller die Bühne durch das Auditorium, bei einer Schießerei verschanzen sie sich hinter den Zuschauerreihen und zum Finale wird gemeinsam mit den Zuschauern getanzt. Wann und wo auch immer Zorro auftaucht oder verschwindet – es ist meist mit einem illusorischen Effekt verbunden (Illusionen: Paul Kieve).

So bietet "Zorro" letztendlich alles, was das Herz begehrt: Eine glaubwürdige Handlung, spannende Kampfszenen, fetzige Choreografien, große Melodien und eine gelungene Mischung aus Leidenschaft, Romantik und Humor. Insgesamt also ein großartiges Musical, auf das wir uns im deutschsprachigen Raum freuen dürfen.

Text: Dominik Lapp

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Luisa (Michelle Splietelhof) wird von Zorro (Tommie Christiaan) in der Badewanne erwischt. Foto: Stefan Ammerlaan
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Ramon (René van Kooten) wurde von Zorro verletzt, doch Inez (Lone van Rosendaal) hat kein Mitleid. Foto: Stefan Ammerlaan
Artikel vom 06.09.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  zorro  niederlande  gipsy  kings 
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