Feenstaub, Schneeflocken, Sterne und vor allem funkelnder Glanz, wohin man schaut – im Friedrichstadt-Palast Berlin wird ab sofort Weihnachten eingeläutet. "Berlin erleuchtet" heißt das neue Revuespektakel, das bis zum 26. Dezember 2011 in der Bundehauptstadt bewundert werden kann. Mit großem Aufwand produziert, gibt es hier Akrobatik, Tanz und Musik, die Berlin tatsächlich weihnachtlich leuchten lassen.
Der kleine Paul wünscht sich zu Weihnachten nichts sehnlicher als, dass es schneit. Als plötzlich sein Kuscheltierhase zum Leben erwacht und zu sprechen beginnt, startet für die beiden eine abentuerliche Reise in die magische Weihnachtswelt, in der sich Tannenbäume, Engel, Rentiere und natürlich viele Weihnachtsmänner tummeln. Leider steigen die Temperaturen und Schnee lässt sich zunächst nicht finden. Aber an Weihnachten ist schließlich alles möglich.
Der Friedrichstadt-Palast - der letzte noch von der DDR errichtete Prunkbau - zeigt mit "Berlin erleuchtet" erneut eine der aufwändigsten, spektakulärsten, jedoch auch teuersten Shows, die die Hauptstadt zu bieten hat. Nachdem das Haus 2008 bereits kurz vor der Pleite stand, hat es sich unter Intendant Berndt Schmidt gut erholt und spielt nun vermutlich Rekordumsätze ein. Obwohl auch die Ticketpreise rekordverdächtig hoch sind, haben sich für die aktuelle Show bereits 80.000 Karten verkauft. Die Aussichten sind demnach gut.
Allein die imposante Bühnenfläche mit 2.200 Quadratmetern ist einen Besuch wert. Moderne Bühnentechnik erlaubt einen ständigen Wechsel der beeindruckenden Kulissen - von der Las-Vegas-Showtreppe bis zu einem fast vollständigen Rummelplatz samt Karussel ist hier alles möglich. Am Bühnenrand hängen singende Weihnachtskugeln, es wird mit Laser und Licht gearbeitet - einfach alles funkelt und leuchtet im richtigen Moment.
Mit der Kostümwahl tragen Uta Loher und Conny Lüders ihren Beitrag zur Show, indem sie die klassischen weihnachtlichen Elemente mit viel Erotik verbinden. So tanzen einerseits unschuldige Tannenbäume über die Bühne, während die Rentiere von Tänzerinnen in hautengen roten Lackkostümen mit an Teufelshörner erinnernden Geweihen verkörpert werden. Weibliche Engel in knappen Glitzerdessous mit überdimensionalen Flügeln lassen augenblicklich an die berühmte "Victoria's Secret Fashion Show" denken, bei der weltberühmte Topmodels knappe Unterwäsche präsentieren - für eine Weihnachtsshow fast zu lasziv, jedoch alles stilvoll und sinnlich. Insgesamt ein unvergessliches visuelles Erlebnis.
Musikalisch führen die Gesangssolisten Fabrizio Levita und Amber Schoop durch das Programm, wobei ihre Rollen in der Handlung eher unklar bleiben. Levita, ehemaliger Sieger der TV-Castingshow "Popstars", erinnert nicht nur visuell an einen Rockstar der 1980er Jahre - auch die von ihm performten Songs führen in Versuchung, die Weihnachtsshow beispielsweise mit Queens "We Will Rock You" zu verwechseln. Heiligere Töne hingegen stimmt Amber Schoop an. Mit kraftvoller und warmer Stimme interpretiert die Musicaldarstellerin Klassiker wie "Leise rieselt der Schnee" oder "Stille Nacht". Besonders eindrucksvoll ist der Auftritt, bei dem Schoop mit überdimensional langem Glitzerkleid allein über die Bühne schwebt und Bette Midlers "From a Distance" performt.
Nicht zuletzt glänzt "Berlin erleuchtet" vor allem durch seine aufregenden Akrobatik- und Tanzdarbietungen. Absolut professionell gibt sich das sechzigköpfige Ballettensemble des Friedrichstadt-Palastes. In Erinnerung bleibt vor allem ein Auftritt der Damen: In knappen glitzernden Bodys mit blonden Langhaarperücken und roten Lippen tanzen sie den berühmten Can-Can - auf den Punkt synchron und beneidenswert schön, erinnert dieser an erotisch tanzende Barbiepuppen. Der Weihnachtsbezug ist fraglich. Ein tadelloser Auftritt ist es trotzdem. Als Gäste beeindrucken beispielsweise die Gruppe Troupe Almas mit einer atemberaubenden Luftakrobatik oder die chinesische Zhengzhou Performance Company, die sich in einer so genannten Flying-Pole-Nummer an beweglichen Masten hin- und herschwingen.
Insgesamt ist "Berlin erleuchtet" vielmehr Revue als Musical und vielmehr Show als Theater ist. Eine wirkliche Story oder eindrucksvolle Charaktere fehlen. Für offene Münder und Gänsehaut sorgt die Show trotzdem. Wer noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, wird es nach einem Besuch im Friedrichstadt-Palast sicher sein.
Text: Julia Hoffmann







