Studenten des Instituts für Musik an der Hochschule Osnabrück sowie der German Musical Academy (GMA) zeigen im intimen emma-theater das Musical "Frühlings Erwachen". Passend zum Raum kommt dabei auch die gesamte Ausstattung eher spartanisch daher. Ein Umstand, der dem Stück wie auch dem Regiekonzept durchaus zu Gute kommt.
In dem Musical von Duncan Sheik (Musik) und Steven Sater (Buch), welches auf dem Drama "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind basiert, wird am Beispiel einiger Jugendlicher die gesellschaftlich nicht akzeptierte Neugier an sexuellen Erfahrungen im Kaiserreich thematisiert. Besonders deutlich wird das an dem Aufeinanderprallen der von Moral und Indoktrination geprägten Erwachsenenwelt und des demgegenüber stehenden und seinerzeit verpönten sexuellen Interesses der pubertierenden Jugendlichen.
Das Bühnenbild auf der kleinen Spielfläche wurde von Regisseur Sascha Wiehnhausen, als Professor auch Studienleiter für Musical und Gesang an der Hochschule Osnabrück, in Zusammenarbeit mit dem Theater Osnabrück entworfen. Auf der rechteckigen Spielfläche werden lediglich sechs Stühle als variable Elemente in unterschiedlichen Szenen verwendet. Geschickt eingesetzt symbolisieren sie eine Kanzel oder einen Baumstamm. Der eigentliche Clou ist ein aufklappbares Bühnenelement, das einen Bach zum Vorschein bringt und so die ansonsten schwarze Kulisse um ein farbliches Element erweitert. Selbst ein Regenschauer lässt sich mithilfe des Wasserbassins realisieren. Nicht weniger wirkungsvoll kommen hier durch Scheinwerferlicht transparent werdende Stoffe an den Seiten der Spielfläche daher, die in einigen Szenen die Erwachsenen, in anderen Szenen die verstorbenen Jugendlichen erscheinen lassen. Der Blick auf die Hinterbühne wird in einer amüsanten Klavierunterrichtsszene gewährt. Die Lichttechnik des Hauses unterstützt die Szenerie durchgängig unaufdringlich und schafft so mit dem Bühnenbild eine homogene Einheit. Leider konnte sich die Tontechnik am Premierenabend nicht in dieses Erscheinungsbild einfügen und sorgte für einige ärgerliche Schwachstellen.
Wienhausen zeichnet die Charaktere mit Unterstützung des in dieser Beziehung wohlwollenden Buches (Übersetzung Nina Schneider) allesamt prägnant, so dass sich schnell eine Vertrautheit mit dem Innenleben der Personen einstellt. Das wiederum lässt den jungen Akteuren den Raum, in einer ihrer ersten Inszenierungen auch prekäre Situationen nicht lächerlich darzustellen. Auch die Entscheidung, den Austritt eines Charakters aus der eigentlichen Szene und den damit verbundenen perspektivischen Wechsel durch den Einsatz von Handmikrofonen zu symbolisieren, trägt dazu bei. Schließlich verlangen einige Szenen durchaus schauspielerisches Vermögen ab. Dass diese Aufgabe erfolgreich gelöst wurde, ist den Studenten zugute zu halten. Besonders Marcel Kaiser als Moritz, Jürgen Brehm als Melchior und Elena Otten als Wendla ist dies in ihren Hauptrollen gut gelungen. Ebenfalls beeindruckend eine Liebesszene zwischen Ilse (Agneta Hanappi) und Moritz, in der zwei Tanzdoubles (Laura Trompetter und Yannik Gräf) die Aussagen des Songs stützend untermauern.
Alle Rollen der Erwachsenen werden im Musical von nur zwei Darstellern charakterisiert. Verwirrungen gibt es trotzdem nicht, da stets deutlich ist, in welcher Funktion Mann (Michael Dreier) und Frau (Judith Behrens) gerade auf der Bühne stehen.
Insgesamt hätte man sich einen etwas druckvolleren Sound und in vielen Passagen auch einen demonstrativeren und weniger zurückhaltenden Gesang gewünscht. Ersteres mag der baulichen Enge des Theaters geschuldet sein. Letzteres ist sicher noch, ebenso wie einige wenige musikalische Abstimmungsarbeit, zu optimieren. Insgesamt zeigt sich das Ensemble und die Band unter der Leitung von Martin Wessels-Behrens nämlich mit vielen hoffnungsvollen Talenten besetzt.
Text: Michael Potthast







