REZENSION | Was für ein Abend - was für eine Stimmung! Patrick Stanke, bekannt aus Musicals wie "3 Musketiere", "Mozart!" und "Marie Antoinette", ist zurzeit im Rock/Pop-Auftrag unterwegs. Begleitet wird er von einer personifizierten Tätowierung namens Chris Vega an der Gitarre, dem Schlagzeuger Tim Harbusch und dem Bassisten Chris Dagger. Stanke selbst liefert nicht nur die Vocals, sondern ist auch an der Gitarre und am E-Piano zu erleben.
Vor allem aber zeigt er sich bei seinem Soloprogramm "Stanke ohne Strom" nicht nur als Sänger und Musiker, sondern als Entertainer. Witzig und locker moderiert er zwischen den Songs und gibt sich äußerst publikumsnah. Die Locations, die er mit seinen Jungs für die Mini-Tournee ausgewählt hat, erlauben diese Publikumsnähe auch, denn es sind so intime Veranstaltungsorte wie das kleine Tic-Theater in Wuppertal oder das Chicago '33 in Essen. Und im Mai 2011 soll sich da auch noch der Hofbräukeller in München einreihen.
Abseits der Musicalbühne nutzt Patrick Stanke seine Chance, im Rahmen von "Stanke ohne Strom" hauptsächlich Rock- und Popsongs darzubieten. Die Musicalsongs, die im Laufe des Abends zu Gehör kommen, beschränken sich in Essen auf "Louder than Words" aus "tick, tick... BOOM!", „Over the Rainbow" aus "The Wizard of Oz" und "Defying Gravity" aus "Wicked", wobei selbst diese Songs nicht im ursprünglichen Musicalarrangement gespielt werden - der Abend wird dominiert von harten Rock- und souligen Popsongs. Auf der Setlist stehen bekannte Hits wie "Wonderwall" von Oasis, "Keep the Faith" von Bon Jovi und "I want to break free" von Queen. Doch Stanke und Co. schrecken selbst vor Frauensongs nicht zurück und überzeugen so mit einer wunderbaren Interpretation des Lady-Gaga-Songs "Pokerface".
„Ich will nicht zu tief stapeln, aber ich kann eigentlich nichts." Mit solchen Aussagen versteht es Stanke, sich selbst auf die Schippe zu nehmen, was beim vorwiegend weiblichen Publikum gut ankommt. Und mit einem kleinen Augenzwinkern erklärt der gebürtige Wuppertaler: „Die Songs, die wir heute Abend spielen, haben wir alle selbst geschrieben. Nur leider wurden sie uns von anderen Bands geklaut." Immer wieder gibt es dann auch lustige Einlagen wie das Fundstück der Woche, bei dem jedes Bandmitglied ein kurioses Fundstück vorstellt. Dazu gehören merkwürdige Gesetzestexte genauso wie lustige Videos auf Stankes Mobiltelefon und das Kochen von Chili con Carne auf der Bühne.
Nach der Pause mischt sich Stanke gemeinsam mit Tim Harbusch unter das Publikum, stimmt dort ein sehr gefühlvolles "Over the Rainbow" an und nimmt auch schon mal auf dem Schoß der einen oder anderen peinlich berührten Zuschauerin Platz. Als vokale Unterstützung hat er in Essen Roberta Valentini und Sabrina Weckerlin dabei, die mit den vier Jungs das Haus rocken. Besonders Weckerlin heizt der Menge mit ihrer Rockröhre mächtig ein und beeindruckt damit selbst ihren Freund Patrick, der ihren Auftritt damit kommentiert, dass er sich schon sehr wundern müsse, warum noch keiner der großen Produzenten auf sie aufmerksam geworden sei.
Wer "Stanke ohne Strom" und somit die insgesamt sechs Künstler live erlebt hat, wird sich ohnehin fragen, was für unbedeutende Eintagsfliegen uns heutzutage in Fernsehformaten wie "Deutschland sucht den Superstar" präsentiert werden, während solch begabte Künstler wie Stanke und Co. mit einem stimmungsvollen und abwechslungsreichen Konzertprogramm durch kleine Locations wie das Essener Chicago '33 ziehen. In diesem Sinne bleibt nur der Aufruf: Bitte mehr davon, Herr Stanke!







