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Tänzer im Rampenlicht: "Dirty Dancing" in Oberhausen

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Jenny Bach (Baby) und Daniel Rakasz (Johnny). Foto: Stage Entertainment
Jenny Bach (Baby) und Daniel Rakasz (Johnny). Foto: Stage Entertainment
27.10.2011 Rezension

„Mein Baby gehört zu mir.“ Dieser Satz ließ vor allem die Frauen bei der Medienpremiere von "Dirty Dancing" in Oberhausen verzückt aufseufzen. Das war der Satz, auf den nicht nur der legendäre Film, sondern jetzt auch die NRW-Bühnenversion kontinuierlich hinarbeitet.

Nach Hamburg und Berlin gibt es die Geschichte des bockigen Tanzlehrers Johnny und der behütet aufgewachsenen, aber willensstarken Frances alias Baby nun auch in Oberhausen. "Dirty Dancing" als Musical zu bezeichnen, ist nach wie vor falsch - und wird auch von Autorin Eleanor Bergstein strikt vermieden. Sie spricht von Tanztheater und wollte es stets vermeiden, dass Johnny zu Baby singt und umgekehrt. Das hält sie in der Bühnenfassung ihres Films strikt durch. Zwar wird gesungen, doch hat das eine solch untergeordnete Rolle, dass die Namen der Sänger nicht einmal explizit ausgewiesen werden. Schade, denn vor allem die Männer können hier auf ganzer Linie überzeugen.

In Oberhausen hat das Kreativteam um Eleanor Bergstein viel überarbeitet. Die Charaktere wirken vielschichtiger, sowohl Babys als auch Johnnys Träume kommen besser zum Ausdruck als im Film. Doch wer bei "Dirty Dancing" eine tiefgreifende Handlung erwartet, der wird enttäuscht. Unterm Strich ist und bleibt es der Film in live - aber das ist es auch, was das Publikum zu wollen scheint.

Es sind die Klassiker des Films, wie „Ich habe eine Wassermelone getragen“ oder die Baumstamm-Szene, auf der Baby das Gleichgewicht zu halten übt, die beim Publikum begeisterte Reaktionen hervorruft. Schon Sekunden, bevor die eigentlichen Sätze ausgesprochen werden, souffliert ein Teil des Publikums bereits den Text.  Entweder man liebt den Film, oder man hasst ihn. Und die, die letzteres tun, sind im Theater mit Sicherheit nicht zu finden.

Doch selbst die mitgeschleiften Männer haben an einigen Stellen Spaß an “Dirty Dancing“ – immer dann, wenn die Bühnentechnik ins Spiel kommt und wahre Wunder vollbringt. Es gibt sowohl den See als auch das Kornfeld, was in Oberhausen zunächst zu überraschtem Gelächter führt, dann jedoch mit lautstarkem Szenenapplaus belohnt wird. Überhaupt ist es eine geschmackvolle Kulisse, in der "Dirty Dancing" in Oberhausen Platz findet, und die dank Leinwandtechnik absolut vielseitig ist.

Die wahren Helden der Show sind jedoch die Tänzer - auch die, die weniger im Rampenlicht stehen als die Johnny- und Baby-Darsteller. Fliegende Röcke, akrobatische Überschläge, Köpfe, die nur Zentimeter vom harten Bühnenboden entfernt sind und toll anzusehende Hebefiguren: All dies begeistert von der ersten bis zur letzten Minute des Stückes. Doch eigentlich möchte man viel mehr davon sehen.

Während es in der Ferienanlage bei Foxtrott, Tango und Cha-Cha gesittet zugeht, wird hinter den Kulissen der Ferienanlage wahrhaft heiß getanzt. Hier wird nicht nur getanzt, hier wird die Musik gefühlt. Die Bewegungen sind sinnlich, stellenweise doppeldeutig. Es ist "Dirty Dancing". Die Choreografien wirken nicht einstudiert, es scheint, als tanze jeder, worauf er gerade Lust hat. Das macht das Stück authentisch. Doch so toll die Tanzfolgen sind, an vielen Stellen ist und bleibt das Drehbuch von "Dirty Dancing" einfach langweilig.

Zwar geben die Hauptdarsteller  Jenny Bach und Dániel Rákász ihr Bestes, um auch schnell durch diese Szenen zu kommen, doch wo man zu Hause zur Fernbedienung greift und vorspult, muss man im Theater ausharren. Nicht nur "Miami Nights" hat einst bewiesen, dass es auch anders geht und man eine rundum spannende Show ums Tanzen auch ohne Längen auf die Bühne bringen kann. Doch das Publikum ist geduldig, irgendwie geht es ihm ja doch nur um eine Szene: Den letzten Abend bei Kellermann's.

Auch in Oberhausen brechen die Leute in frenetischen Jubel aus, als Tanzlehrer Johnny das Hotel betritt – deutlich hervorgehoben durch ein lautes Türenknallen. Mitten im Publikum steht plötzlich Johnny-Darsteller Dániel Rákász im Scheinwerferlicht. Und da sind die Leute auf den Sitzen kaum noch zu halten: Zu schnell ist der Johnny in Oberhausen jedoch auf der Bühne und holt sich sein Baby mit dem bejubelten Spruch „Mein Baby gehört zu mir“ vom Tisch der Eltern. Ein paar Schritte mehr durchs Publikum dürften es schon sein.

Doch das Premierenpublikum ist gnädig, fiebert dem legendärsten Mambo aller Zeiten hin. Johnny zieht sich die Jacke aus und fordert Baby mit einem Finger zum Drehen auf. Im Publikum wird mitgeklatscht, mitgefeiert – und die berühmte Hebefigur bejubelt.

Text: Stephanie Tatenhorst

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Die Tänzer stehen bei "Dirty Dancing" im Vordergrund. Foto: Stage Entertainment
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Das Bühnenbild bei "Dirty Dancing" ist beeindruckend. Foto: Stage Entertainment
Artikel vom 27.10.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
Thema:  dirty  dancing  metronom  theater  oberhausen 
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