Das gab es in Deutschland noch nie: Ein schwuler Hitler, der mit dem männlichen Publikum flirtet, Brieftauben, die den rechten Flügel zum Gruß heben und Tänzerinnen, die Bretzeln und Bratwürste auf dem Kopf tragen! Kann der Broadway-Hit „The Producers“ seinen Erfolg auch in Deutschland fortführen?
So schräg, schrill, temporeich und genial geschmacklos - das kann nur einer: Mel Brooks. „Ich bin wahrscheinlich der erste Jude, der mit Hitler richtig viel Kohle verdient hat.“ Jahrelang lief „The Producers“ am Broadway und zum ersten Mal in der Geschichte der Tony Awards wurde ein Musical mit insgesamt 12 Preisen ausgezeichnet.
Die Story ist einfach: Der erfolglose Broadway-Produzent Max Bialystock (Cornelius Obonya) und sein Buchmacher Leo Bloom (Andreas Bieber) fassen einen ungewöhnlichen Plan. Sie wollen mit einem absoluten Flop auf dem Broadway Geld verdienen. Also suchen sie sich alte, betuchte Damen als Investorinnen und ergaunern so zwei Millionen Dollar. Natürlich versprechen sie jeder einzelnen den Gewinn der gesamten Produktion. Dann suchen sie das schlechteste Stück aller Zeiten und stoßen auf das Script „Frühling für Hitler“ des Altnazis Franz Liebkinds (Herbert Steinböck). Ein Nazimusical? - Perfekt! Dann engagieren sie Roger DeBris (Martin Sommerlatte), den unfähigsten und tuntigsten Regisseur New Yorks. Hinzu kommen die talentlosesten Darsteller. Alles läuft wie geplant. Nach der Premiere wollen sich die beiden mit ihrer schwedischen Sekretärin Ulla (Bettina Mönch) nach Rio absetzen. Nur leider liebt das Publikum „Frühling für Hitler“ und es wird ein voller Erfolg. Wie sollen sie jemals den mehrfach vergebenen Gewinn von 100% an die Investorinnen zurückzahlen?
Die deutsche Umsetzung von „The Producers“ ist mehr als gelungen. Die Darsteller sind wunderbar passend besetzt und spielen ihre Rollen so herrlich überzogen, wie man es eigentlich nur aus frühen Stummfilmen kennt. Ihr perfektes Timing und das große Slapsticktalent machen das Musical zu einer absolut runden Show. Alle Klischees dieser Welt werden so lange ausgereizt, bis die Schmerzgrenze überwunden ist und ohne schlechtes Gewissen darüber gelacht werden kann. Die Choreografien sind flott und temporeich, das Bühnenbild liebevoll und kitschig-pompös. Auch wenn der Wortwitz an einigen Stellen durch die Übersetzung verloren geht, muss das Publikum sich immer wieder krampfhaft an den Lehnen festhalten, um nicht vor Lachen vom Stuhl zu rutschen. Es heißt, „The Producers“ sei die schrägste, schrillste und erfolgreichste Broadwayshow. Die ersten beiden Punkte stimmen für Berlin definitiv überein. Doch wird es auch die erfolgreichste Show? Zu wünschen wäre es – denn warum sollten nicht auch wir endlich über Hitler lachen dürfen?
Autor: Sarah Kurze









