Musikinstrumente sind verboten. Überall auf der Welt hören die Kids die gleiche computerprogrammierte Popmusik, schauen dieselben Filme und ziehen identische Kleidung an. Klingt wie ein ferner Zukunftsalbtraum? Von wegen. Im Theater des Westens in Berlin ist diese düstere Vision bereits Realität...
Das traditionsreiche Theater mit den reich verzierten Balkonen, prachtvollen Kronleuchtern und dem goldenen Stuck schaut seltsam verloren aus angesichts der modernen Story, die angekündigt ist. Schließlich denkt der Zuschauer, sobald er sich glücklich seufzend in die weichen Sitze fallen lässt, an spannende Degenkämpfe, parlierende Könige oder eventuell an blutleckende Vampire. Aber an ein schrillschillerndes Rockkonzert? An Gitarrenriffs, die Augenlider nervös flattern lassen und Bässe, die Eingeweide wie Wackelpudding erzittern lassen?
Jetzt ist das Queen-Musical „We Will Rock You" in Berlin zu sehen! Schöne Idee von Ben Elton, schließlich sind die Songs Welthits mit Ohrwurmfaktor. Aber wie packt man dieses Kulturgut in eine niveauvolle Story? Gar nicht! Nichts würde den Songs gerecht werden, aber das stört auch niemanden. Es geht schließlich um Spaß an echter Rockmusik.
Was macht es da, dass im Musical die Erde inzwischen e.bay heißt, von einer Killerqueen beherrscht wird und eine kleine Gruppe von Rebellen, die Bohemians, sich auf die Suche nach den verschollenen Queen-Instrumenten machen, um die Welt zu retten? Die fantastisch besetzten Darsteller, die lustigen Dialoge und die krachendrockende Band machen alles wett und das Musical zu einem echten Abenteuer. Da gerät auch der große wedelnde Moralzeigefinger, dass wir uns durch diverse Castingshows und Retortenbands direkt in diese gruselige Zukunftsvision hineinkatapultieren, in Vergessenheit.
Besonders die Besetzung lässt keine Fragen und Wünsche offen. Brigitte Oelke als Killerqueen bläst mit ihrer Rockröhre und ihrer überschäumenden Ausstrahlung die Zuschauer förmlich an die roten Samttapete. Jessica Kessler springt als Scaramouche über die Bühne und lässt mit ihrem tollen Comedytalent die Gäste im Saal unzählige Male herzlich auflachen. Der von Mark Seibert gespielte Galileo singt die Queen-Songs so schön und neu, dass das Publikum die unverkennbare Stimme von Freddy nicht vermisst. Man sieht dem Ensemble an, dass es ihnen Spaß macht, die Bühne zu rocken. Und eins ist klar: They will rock you!
Text: Sarah Kurze







