Seit einem guten halben Jahr verzaubert das Musical "Wicked - Die Hexen von Oz" nun schon das Publikum im Oberhausener Metronom Theater. Seit kurzem hat das Stück auch einen neuen Hauptdarsteller: Der 24-jährige Anton Zetterholm, der bereits den Tarzan im gleichnamigen Disney-Musical in Hamburg verkörperte, hat in Oberhausen die Rolle des Prinzen Fiyero übernommen.
Zetterholm gibt einen charismatischen Fiyero ab. Er sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch schauspielerisch sehr sicher in seiner neuen Rolle. Gesanglich gibt es allerdings ein paar Abstriche zu machen. Zwar hat er eine wunderschöne Stimmfarbe, doch gelegentlich lässt er die Kraft vermissen, was besonders im Duett "Solang ich dich hab" auffällt. Auch an seinem leichten Akzent darf der Phonetik-Coach des Theaters gern noch mit ihm arbeiten. Insgesamt liefert Zetterholm jedoch eine reife Leistung ab, für die er vom Publikum mit frenetischem Applaus gefeiert wird - vor allem in der Szene, als er sich mit einem Seil und Tarzan-Schrei auf die Bühne schwingt.
An Fiyeros Seite stehen die beiden Hexen Glinda und Elphaba, die normalerweise von Joana Fee Würz und Willimijn Verkaik verkörpert werden. Am Tag von Zetterholms Medienpremiere muss für die erkrankte Verkaik jedoch Zweitbesetzung Melanie Gebhard einspringen, die schauspielerisch durchaus zu überzeugen weiß, aber stimmlich zurückbleibt. Auch wenn sie ihre Songs mit klangschöner Stimme interpretiert, so vermag sie mit dieser aber kaum Emotionen zu transportieren. Was fehlt, sind Kraft und Ausdruck in der Stimme, um so schwierige Titel wie "Frei und schwerelos" und "Gutes Tun" mühelos zu meistern. Stattdessen klingen Gebhards Interpretationen teilweise etwas angestrengt.
Die stärkste Leistung liefert Joana Fee Würz als Glinda ab. Mit sicherem Sopran intoniert sie ihre Songs und erntet lautstarken Szenenapplaus für ihr "Heißgeliebt". In dem emotionalen Duett "Wie ich bin" (zusammen mit Melanie Gebhard) rührt sie zu Tränen. Auch in ihrem Schauspiel ist sie perfekt: Ihre Glinda wirkt keinesfalls aufgesetzt, sondern ist durch und durch das klischeebelastete blonde Dummchen.
Einen soliden Zauberer von Oz gibt Carlo Lauber, während Helena Blöcker als Madame Akaber an seiner Seite herrlich fies sein kann. Thomas Wißmann hat als Dr. Dillamonth nur sehr kurze Auftritte, spielt aber absolut rollendeckend. Janine Tippl verkörpert die im Rollstuhl sitzende Nessarose glaubwürdig als bemitleidenswertes junges Mädchen und später als verbitterte Gouverneurin. Bei Ben Darmanin dagegen stört lediglich der leichte Akzent, doch ansonsten spielt er seinen Moq sehr aufopferungsvoll und liebenswert an der Seite von Janine Tippl.
Abgesehen davon, dass "Wicked - Die Hexen von Oz" eine sehr fantasievolle und wunderschöne Geschichte von Liebe, Hass und Freundschaft erzählt, wird auch den Augen und Ohren sehr viel geboten. Ein echter Hingucker ist das Bühnenbild von Eugene Lee, das hauptsächlich aus Zahnrädern der verschiedensten Größen besteht. Durch viele fahrbare Bühnenelemente entstehen Szenerien wie das detailliert ausgestattete Zimmer von Glinda und Elphaba, das Klassenzimmer von Dr. Dillamonth oder der Audienzsaal des Zauberers. Der Augenschmaus wird fortgeführt in den ausladenden Kostümen von Susan Hilferty, die ganz wunderbare Gewänder, Kleider, Uniformen und Roben entworfen hat - von Glindas funkelndem Kleid bis hin zu Fiyeros Hauptmannsuniform.
Getragen wird die Story von der eingängigen, balladesken wie poppigen Musik aus der Feder von Stephen Schwartz, erstklassig gespielt vom Orchester des Metronom Theaters unter der Leitung von Martin Gallery. Schwartz erzählt die Geschichte der Hexen von Oz mithilfe von schönen Balladen, stimmigen Up-Tempo-Songs und großartigen Ensemblenummern.
Bei "Wicked - Die Hexen von Oz" kann der Zuschauer eintauchen in eine magische Welt, die sich in Bühnenbild, Kostümen, der Musik und Handlung widerspiegelt. So sollte sich jeder einmal von diesem Musical verzaubern lassen. Prädikat: Zauberhaft.
Text: Dominik Lapp







