Berndt Schmidt „is janz uffjeregt". Der Intendant des Friedrichstadtpalastes will mit seiner neuen Show „Yma" an den letzten Erfolg „Qi" anknüpfen und das traditionsträchtige Haus weiter auf Erfolgskurs halten. Also haut er den Medien erstmal eine große Portion Selbstbewusstsein um die Ohren: Vergleiche mit „Las Vegas" fallen und die Aussage, die Revue befinde sich „in der Liga der Top 5 der Weltshows" lassen das Publikum „och janz uffjeregt" werden.
Die rundum perfekte Frau „Yma" (gespielt von Andeas Renee Swoboda) schwebt in einer Spiegelkugel auf die Bühne und nimmt den Zuschauer mit auf ihre persönliche Reise durch die Metropole Berlin. Das „Yma" von einem Mann gespielt wird, soll ein Zeichen für Toleranz sein. Dass diese Figur flache Floskeln und pseudoschlaue Tipps zum Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeiten zum Besten gibt, reizt die Toleranz beim Publikum jedoch bis aufs Schärfste aus. „Wenn du einem Mann sagst, dass du ihn hasst, dann bekommst du den besten Sex deines Lebens. Wenn du ihm sagst, dass du ihn liebst, dann siehst du ihn nie wieder." Hat „Yma" zu viele Frauenserien im TV geschaut? „Ich bin prosexuell!", fügt sie hinzu. „Ich probiere nämlich alles aus!" Puh, bloß nicht zu lange darüber nachdenken und die zuckenden Bilder im Kopf durch die umwerfenden Bilder auf der Bühne austauschen.
Tatsächlich ist die Bühne mit ihren unendlich vielen Dreh-, Hebe- und Senkmöglichkeiten mehr als eindrucksvoll. Sechs LED-Flächen mit mehr als 300.000 Leuchten fahren wie von Geisterhand über die Bühne. Ein Bodenteil verwandelt sich in Sekundenschnelle in ein Wasserbecken und ständig kommen Akrobaten und effektvolle Bühnenteile von der Bühne geschwebt. Hier werden die großen Vergleiche und Versprechungen von Berndt Schmidt mehr als eingehalten. Auch die außergewöhnlichen Choreografien und die fantasievollen Kostüme á la Lady Gaga vom Berliner Designer Michael Michalsky lassen die modernen Revue-Herzen kurzzeitig hüpfen. Doch die mehr als 100 Tänzer und Akrobaten schaffen es trotzdem nicht Glanzpunkte zu hinterlassen, an die man sich erinnern wird.
Denn bei genauerem Hinsehen setzen die Macher auf altbekannte und ausgelutschte Muster und Revue-Klischees. Schon im ersten Viertel der Show dürfen die Männer in alter Chippendales-Strip-Manier blankziehen und reiben hinter milchigdurchsichtigen Duschkabinen ihre knackigen Pobacken. Dass dadurch verzückte, spitze Schreie aus den Publikumssitzen fahren, zeigt, an welches Zielpublikum diese Show gerichtet ist. Gleich im Anschluss darf sich Sängerin Anja Krabbe im sexy Lederoutfit von 14 oberkörperfreien Männern befummeln lassen, während sie den Song "Muscles" von Michael Jackson schnurrt. Warum auch nicht: Sex sells! Und dazwischen plätschert es zweieinhalb Stunden lang dahin wie Erdbeermilch - zäh, süß und klebrig. Und irgendwie unnötig künstlich.
Generell fragt man sich während der Show oft, inwiefern einzelne Szenen mit den Kostümen, der Musik und dem Bühnenbild zusammenpassen. Ach egal, sieht ja schön aus! Und das ist schließlich die Hauptsache. Alleinige Glanzpunkte sind die Artistiknummern aus der Ukraine und die vielen Tänzerinnen, wenn sie mal wieder in einer langen Reihe die Beine synchron schwingen. Schade - dem werbenden Claim „Yma - Zu schön, um wahr zu sein!" kann nicht jubelnd zuapplaudiert werden. Es gilt eher „Zu fad, um schön zu sein!"
Text: Sarah Kurze








