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Zauberhaft: "Mary Poppins" im niederländischen Scheveningen

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Mary Poppins (Noortje Herlaar) und Bert (William Spaaij). Foto: Stage Entertainment NL
Mary Poppins (Noortje Herlaar) und Bert (William Spaaij). Foto: Stage Entertainment NL
04.08.2011

REZENSION | Nur noch bis zum 28. August 2011 ist das Disney-Musical "Mary Poppins" im niederländischen Scheveningen zu sehen, um anschließend für "Wicked" im Circustheater Platz zu machen.

Wer den gleichnamigen Film kennt, wird vom Musical möglicherweise enttäuscht sein. Zwar orientiert sich die Handlung des Musicals stark am Film, doch wurden für die Bühnenfassung einige Szenen verändert. Zudem ist die Titelrolle im Musical wesentlich strenger angelegt, wodurch das Stück näher an der Romanvorlage als an der Verfilmung ist.

Doch auch wenn sie noch so streng ist – Noortje Herlaar ist in der Rolle des Kindermädchens Mary Poppins einfach zauberhaft. Wenn sie am Schluss mit ihrem Regenschirm über die Köpfe der Zuschauer hinweg fliegt und dabei ihr zuckersüßes Lächeln aufsetzt, dürfte jedem klar sein, warum sie aus der niederländischen TV-Castingshow "Op zoek naar Mary Poppins" ("Auf der Suche nach Mary Poppins") als Siegerin hervorging. Schauspielerisch überzeugt sie als strenge wie liebevolle und witzige Nanny, während sie jeden ihrer Songs mit glasklarer Stimme interpretiert.

William Spaaij in der Rolle des Bert ist Noorje Herlaar ein durchaus ebenbürtiger Bühnenpartner. Als Kommentator führt er durch die Show und schlüpft dabei in die Rolle eines Popcorn-Verkäufers, Schornsteinfegers und Straßenkünstlers. Begeistern kann er nicht nur gesanglich mit der Nummer "Chim-chim-Cheree", sondern auch tänzerisch, wenn er kopfüber am oberen Rand des Bühnenportals hängt und steppt.

Diese Szene oder auch die Schlussszene, in der Mary Poppins mit ihrem Regenschirm quer durch den Zuschauerraum fliegt, sind genau die Art von Szenen, für die Disney-Musicals bekannt sind. Schade nur, dass eine der schönsten Szenen des Films im Musical nicht vorkommt: Im Park, wenn Bert mit Mary und den Kindern in einem Bild verschwindet, um dort mit Pinguinen Tee zu trinken und auf Karussellpferdchen um die Wette zu reiten.

Im Musical erwachen stattdessen die Statuen im Park zum Leben und ein überdimensionales Schwarzweiß-Bild von Bert wird mittels Licht- und Videoprojektion in Farbe getaucht. Das wirkt zwar auch alles ganz nett, doch hätte man von einer Disney-Produktion mehr erwarten können. Recht gelungen ist dafür wiederum die Tasche von Mary Poppins, aus der sie eine meterhohe Topfpflanze, einen Kleiderständer und weitere Möbelstücke wie aus dem Nichts hervorzaubert.

Weiterhin sei in der Riege der Darsteller Maike Boerdam positiv hervorgehoben. Während sie in Deutschland als Kaiserin Elisabeth im gleichnamigen Musical bekannt wurde, spielte sie in den Niederlanden zuletzt in Produktionen wie "Rembrandt", "Evita" und "Sunset Boulevard". Bei "Mary Poppins" hat sie die Rolle der Winifred Banks übernommen, für die sie im vergangenen Jahr als beste Nebendarstellerin mit dem John Kraijkamp Musical Award ausgezeichnet wurde.

Gleich mehrere Kinder teilen sich die Rollen von Jane und Michael Banks. In der besuchten Vorstellung wurden sie von Iris van Loen und Nathan van der Horst gespielt. Die beiden äußerst begabten Kinder, die fast während des gesamten Stücks zu sehen sind, spielen sehr überzeugend und können zudem noch äußerst gut singen.

Weitere Pluspunkte der Show sind die zeit- und filmgetreuen Kostüme sowie das Bühnenbild von Bob Crowley. Herzstück bildet das Haus der Familie Banks, das einem überdimensionalen Puppenhaus gleicht, aufgeklappt werden kann und sich um die eigene Achse dreht. Dabei gibt es den Blick auf das Treppenhaus, den Salon, die Küche und das Kinderzimmer frei.

Die bereits aus dem Film bekannte Musik von Richard M. und Robert B. Sherman wurde auch für das Musical verwendet. Ein paar wenige Songs wurden zwar gestrichen, dafür jedoch durch neue Stücke von George Stiles und Anthony Drewe ergänzt. Auch wenn die Musik nicht sehr ohrwurmträchtig ist, untermalt sie die Szenen dennoch sehr passend. Das Orchester unter der Leitung von Marcel Visser meistert die Partitur jedenfalls mit Bravour.

Im Vergleich mit anderen Disney-Musicals ist "Mary Poppins" sicher das schwächste Stück aus dem Hause Disney. Dennoch kann es mit tollen Szenenbildern, einer charmanten Geschichte und einer hervorragenden Cast aufwarten. Noch bis zum 28. August 2011 ist das Stück in den Niederlanden zu sehen. Vielleicht wird Stage Entertainment die Produktion aber irgendwann auch einmal nach Deutschland transferieren. In Hamburg funktionieren Disney-Musicals in der Regel ja recht gut.

Text: Dominik Lapp

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Bert (William Spaaij) als Schornsteinfeger über den Dächern Londons. Foto: Stage Entertainment NL
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"Mary Poppins" hat tolle Ensembleszenen zu bieten. Foto: Stage Entertainment NL
Artikel vom 04.08.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
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