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Zeitgemäß und spannend: "Jesus Christ Superstar" in Tecklenburg

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Simon (Thomas Hohler) stimmt eine Gospelnummer an. Foto: Dominik Lapp
Simon (Thomas Hohler) stimmt eine Gospelnummer an. Foto: Dominik Lapp
30.07.2011

REZENSION | Nach 2001 und 2002 steht bei der Freilichtbühne Tecklenburg in diesem Jahr zum dritten Mal "Jesus Christ Superstar" auf dem Spielplan. Dabei handelt es sich erfreulicherweise jedoch nicht um eine bloße Wiederaufnahme der damaligen Produktion. Stattdessen hat Regisseur Marc Clear eine völlig neue Inszenierung geschaffen, die etliche Vorgänger-Inszenierungen in den Schatten stellen dürfte.

Es dürfte für Clear sicher nicht leicht gewesen sein, ein Stück wie "Jesus Christ Superstar" zu inszenieren, das vor ihm schon viele andere Regisseure gut und weniger gut auf die Bühne gebracht haben. Doch hat er sich in Tecklenburg für eine ganz konventionelle Version entschieden. Es gibt keine großen Experimente, was Ort und Zeit der Handlung angeht. Dafür aber viele gute Regieeinfälle. So lässt er beispielsweise in der Szene, in der Jesus im Garten Gethsemane betet, im Hintergrund alle wichtigen Personen auftreten, die Jesus in seinen letzten Tagen begleiteten: Maria Magdalena, Pontius Pilatus, König Herodes, Kaiphas und Annas.

Auch setzt Clear ein Kind ein, das immer wieder in Erscheinung tritt. Ob es sich dabei um einen gemeinsamen Sohn von Jesus und Maria Magdalena handeln könnte, bleibt offen, so dass die Interpretationsfähigkeit der Zuschauer gefragt ist. Und auch eine allzu oft gesehene Szene wie den Selbstmord von Judas hat Clear gemeinsam mit Choreografin Doris Marlis beeindruckend in Szene gesetzt: Judas wird von Dämonen umtanzt, die ihn in einem Netz aus Seilen gefangen nehmen und ihm das Genick brechen.

Nicht einmal die Ouvertüre kommt wie in vorigen Inszenierungen einfach nur aus dem Orchestergraben. Schon mit dem ersten Klang der Musik Andrew Lloyd Webbers beginnt die Handlung und Ensemble wie Chor stürmen die Bühne, um Holzteile, die zu einem Kreuz zusammengelegt wurden, wie heilige Reliquien zu bestaunen. Ein Highlight der Inszenierung sind folglich die Massenszenen, in denen bis zu 100 Personen auf der Bühne sind. Szenen wie "Hosanna" oder im Tempel, wo Jesus auf Leprakranke stößt, gewinnen dadurch an Intensität.

Das Bühnenbild von Susanna Buller ist nicht sehr aufwändig, dafür aber zweckmäßig. Ein Zelt bietet Jesus und seinen Jüngern genauso Unterschlupf wie Herodes und seiner Gefolgschaft. In der Mitte der Bühne befindet sich ein doppelstöckiges Konstrukt, das unten einen Stall zeigt und oben den römisch anmutende Teil eines Gebäudes. Während unten Maria Magdalena singen darf, gehört der obere Teil Pilatus, Kaiphas und Annas. Die Kostüme von Karin Alberti sind schlicht, aber zeitgemäß ausgefallen. Helle, pastellfarbene Gewänder für die Jünger und die Frauen des Ensembles, Braun und Beige für den riesigen Chor. Jesus, Maria Magdalena und Judas tragen schlichtes Weiß, Rot und Schwarz, die Kostüme von Herodes und den Priestern sind dagegen umso aufwändiger.

Besonders im Garten Gethsemane und bei der Kreuzigung überzeugt Patrick Stanke als Jesus mit Glaubwürdigkeit. Stimmlich ist er ebenfalls stark und selbst in den hohen Tonlagen sicher, auch wenn er sich am Premierenabend bei seinem Solo "Gethsemane" durch einige schwierige Stellen mogelt. Sein Gegenspieler Mischa Mang steht ihm da in nichts nach. Mit gekonnt kratzig-rauchiger Stimme rockt er die Bühne und sorgt mit dem Ttitelsong für den Showstopper des Abends. Es gelingt ihm mit Bravour, die innere Zerrissenheit Judas' darzustellen, als er sich entscheiden muss, das Blutgeld der Priester anzunehmen. Femke Soetenga ist nicht nur eine wirklich gut aussehende Maria Magdalena, sondern spielt ihren Part auch sehr gefühlvoll und singt mit makelloser Stimme.

Als Pontius Pilatus ist Regisseur Marc Clear zu sehen, der im samtroten Römer-Outfit die Bühne beherrscht. Genial, wie verzweifelt er wirkt, wenn das Volk ihn dazu drängt, Jesus zu kreuzigen. Tom Tucker zeigt als Kaiphas ebenfalls starke Bühnenpräsenz und singt mit bedrohlich brummender Bassstimme. Stefan Poslovski als Annas bildet mit seinem hohen Tenor den perfekten Gegenpart dazu. Weiter positiv zu erwähnen sind Frank Winkels und Thomas Hohler als Petrus und Simon, die mit klaren Stimmen überzeugen.

Die Musik (solide am Dirigentenpult: Klaus Hillebrecht) von Andrew Lloyd Webber ist abwechslungsreich und mit Stilen aus Rock, Pop und Gospel noch immer zeitgemäß. Der Synthesizer-Klang in manchen Songs jedoch eher nicht. Insgesamt ist "Jesus Christ Superstar" in Tecklenburg aber sehr sehenswert. Marc Clear hat zeitgemäß und spannend inszeniert und dabei besonders auf große Bilder und eine stark Cast gesetzt.

Text: Ursula Adler

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Maria Magdalena (Femke Soetenga) kann Jesus nicht helfen. Foto: Dominik Lapp
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Judas (Mischa Mang) nimmt das Blutgeld und verrät Jesus. Foto: Dominik Lapp
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Jesus (Patrick Stanke) betet im Garten Gethsemane. Foto: Dominik Lapp
Artikel vom 30.07.2011    |    Musicalmagazin    |    Startseite
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